Irak Gewalt erreicht neuen Höhepunkt

Mindestens 15 Soldaten starben, weitere 21 wurden verletzt, als ein US-Hubschrauber im Irak von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Während der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von einer Tragödie sprach, jubelten Iraker an der Absturzstelle.


Armee-Hubschrauber über der Unglücksstelle: Soldaten waren auf dem Weg zum Fronturlaub
AP

Armee-Hubschrauber über der Unglücksstelle: Soldaten waren auf dem Weg zum Fronturlaub

Bagdad - Untergrundkämpfer hatten Augenzeugen zwei US-Transporthubschrauber vom Typ "Chinook" mit Raketen beschossen. Ein Helikopter sei in der Nähe der Kleinstadt Falludscha, 50 Kilometer westlich von Bagdad, getroffen worden, abgestürzt und in einem Feuerball aufgegangen. Nach Angaben des US-Militärs wird an der Absturzstelle weiter nach Überlebenden gesucht. Bisher wird von mindestens 15 Toten und 21 Verletzten ausgegangen. Dies ist die höchste Zahl von US-Opfern, die es seit dem Einmarsch der Amerikaner in der irakischen Hauptstadt am 9. April bei einem einzigen Angriff gegeben hat.

Es war bereits der dritte US-Hubschrauber, den irakische Untergrundkämpfer seit dem Ende der Hauptkämpfe am 1. Mai im Irak abgeschossen haben. Falludscha gilt als ein Zentrum des Widerstands gegen die US-Besatzer im Irak. Der US-Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, der Hubschrauber sei von einer schultergestützten Rakete getroffen worden.

Die US-Soldaten sollten nach Angaben einer Militärsprecherin zusammen mit Kameraden an Bord von zwei Helikoptern nach Bagdad geflogen werden, um einen Fronturlaub anzutreten. Das Feld, auf dem die rauchenden Trümmer des Transporthelikopters lagen, wurde nach dem Absturz von US-Soldaten abgesperrt.

Suche nach Überlebenden: "Von Zeit zu Zeit passiert das an verschiedenen Orten."
DPA

Suche nach Überlebenden: "Von Zeit zu Zeit passiert das an verschiedenen Orten."

Nahe der Absturzstelle bejubelten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters einige Iraker den Abschuss. "Die Amerikaner sind Schweine", sagte dem Bericht zufolge ein Bauer. "Wir werden den Abschuss dieses Hubschraubers feiern, es wird ein großes Fest geben".

US-Verteidigungsminister Rumsfeld sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC: "Das ist ein tragischer Tag für die USA. In einem langen, harten Krieg werden wir solche tragischen Tage haben." Bei einem anderen Auftritt vor den Kameras von NBC zeigt sich Rumsfeld entschlossen, im Kampf gegen die Guerilla nicht nachzulassen. "Wir können diesen Krieg gewinnen. Wir werden diesen Krieg gewinnen", sagte der Minister. Nach Ansicht des Verteidigungsministers sind tödliche Angriffe auf US-Truppen jedoch unvermeidlich. Tragbare Boden-Luft-Raketen, mit denen Hubschrauber abgeschossen werden können, seien im Irak leicht erhältlich, so Rumsfeld. "Von Zeit zu Zeit passiert das an verschiedenen Orten."

Chinook-Helikopter über der Absturzstelle: Platz für bis zu 42 Mann
REUTERS

Chinook-Helikopter über der Absturzstelle: Platz für bis zu 42 Mann

In Falludscha wurde am Sonntag ein weiterer Anschlag auf US-Soldaten verübt. Eine Bombe explodierte an einer Straße, als gerade Soldaten in Zivilfahrzeugen vorbeifuhren. Mindestens ein Fahrzeug geriet dabei in Brand. Augenzeugen erklärten, bei dem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi seien vier weitere Soldaten getötet worden. Die USA bestätigte das zunächst jedoch nicht. Eine Menschenmenge feierte den Anschlag und rief anti-amerikanische Parolen. Fernsehbilder zeigten einen offenbar fröhlichen Jugendlichen mit dem Helm eines US-Soldaten auf dem Kopf. Andere Iraker tanzten um die Autowracks. Zu diesen Bildern sagte US-Minister Rumsfeld später, diese Aufnahmen vermittelten kein typisches Bild. Die überwiegende Mehrheit der Iraker sei froh, dass das Regime von Saddam Hussein besiegt sei.

In den sechs Monaten nach dem offiziellen Ende der Hauptkämpfe wurden durch Anschläge mindestens 138 US-Soldaten getötet und damit mehr als während des Krieges im März und April, bei dem nach US-Angaben 114 Soldaten getötet wurden.



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