Hamburg - Die internationale Polizeibehörde Interpol hat den geflohenen irakischen Vize-Präsidenten Tarik al-Haschemi auf ihre Fahndungsliste gesetzt. Damit kommt sie einer Forderung von Iraks Justizbehörde nach, die Haschemi wegen Mordverdacht sucht. Dem Politiker wird vorgeworfen, eine Miliz unterstützt zu haben, die in den letzten Jahren eine Reihe von Richtern und Beamten ermordet haben soll.
Mit dem Interpol-Haftbefehl erhöht Bagdad den Druck auf die Türkei. Sie gewährt Haschemi Unterschlupf. Der Vizepräsident ist im Dezember 2011 untergetaucht, als ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. Erst floh er in den kurdischen Nordirak. Inzwischen lebt er in Istanbul.
Haschemi bestreitet die Vorwürfe gegen ihn und weist sie als politisch motiviert zurück. Der Vizepräsident gehört der sunnitischen Minderheit an, die vom schiitischen Präsidenten Nuri al-Maliki ins Abseits gedrängt wird.
Die Türkei stellt sich in dem Streit auf die Seite Haschemis. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan warf Iraks Präsident Maliki vor, religiöse Spannungen zu schüren. Der Haftbefehl gegen Haschemi sei nichts weiter als ein Versuch, einen politischen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Einem Prozess im Irak will Haschemi sich nicht aussetzen. Er glaubt, dass er mit keinem fairen Verfahren rechnen könne. Von seinen Leibwächtern, die im Dezember 2011 verhaftet wurden, ist einer im Gefängnis verstorben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die irakische Regierung wiederholt dazu aufgefordert, die genauen Todesumstände zu untersuchen. Fotos des Verstorbenen zeigten, dass er möglicherweise gefoltert wurde. Bagdad bestreitet dies. Der Mann habe Nierenprobleme gehabt, die er nicht behandeln lassen wollte.
Maliki hatte den Haftbefehl gegen seinen Vize kurz nach dem Abzug der letzten amerikanischen Truppen ausgestellt und damit den Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten im Irak neu entfacht. Vizepräsident Haschemi warnte kurz vor dem US-Abzug, der Irak stünde an der Schwelle eines neuen Bürgerkriegs. Die Gewalt stieg in den vorigen Monaten an.
ras/afp/dpa
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