"Friendly Fire" Anti-IS-Koalition bombardiert versehentlich eigene Soldaten

Die US-geführte Koalition soll der irakischen Armee im Kampf gegen den "Islamischen Staat" helfen. Nun kam es jedoch zu einem Zwischenfall: Bei einem Luftangriff sind offenbar neun irakische Soldaten ums Leben gekommen.

US-Kampfflugzeuge im Irak-Einsatz (Archiv): Wie konnte es zu der Bombardierung kommen?
DPA/ DVIDS

US-Kampfflugzeuge im Irak-Einsatz (Archiv): Wie konnte es zu der Bombardierung kommen?


Bei einem Luftangriff der US-geführten Anti-IS-Koalition im Irak sind wohl versehentlich Kämpfer der eigenen Seite getötet worden. Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf Quellen in der US-Armee, bei Luftangriffen auf Stellungen des "Islamischen Staats" in der Nähe der Stadt Falludscha seien irakische Soldaten ums Leben gekommen.

Der irakische Verteidigungsminister Khaled al-Obeidi sprach Samstagvormittag von einem "Friendly Fire"-Vorfall, der zum Tod von neun Soldaten führte, darunter ein Offizier. Zuvor war von ungefähr zehn toten Soldaten die Rede gewesen. Die Luftstreitkräfte der Koalition hätten die irakische Armee in der Nähe von Falludscha unterstützt, weil deren Helikopter wegen schlechten Wetters nicht fliegen konnten.

Yahya Rasool, ein Sprecher der irakischen Armee, sagte, auf den Fehler sei sofort aufmerksam gemacht worden, um Mutmaßungen entgegenzutreten, es könnte sich um eine absichtliche Attacke gehandelt haben. "Wir alle wissen, dass es sich hier um einen Kampf geht, in dem alles passieren kann." Die Nachrichtenagentur AP zitiert Pentagon-Chef Ash Carter mit der Aussage, es habe sich vermutlich um einen "Fehler" gehandelt, der "beide Seiten betraf".

In einer Erklärung des US-Militärs hieß es in der Nacht auf Samstag, ersten Informationen zufolge bestehe die Möglichkeit, dass bei einem Bombardement der Koalition versehentlich irakische Soldaten getötet worden seien. Der Sondergesandte von US-Präsident Barack Obama für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Brett McGurk, kündigte eine umfassende Untersuchung unter Beteiligung der irakischen Streitkräfte an.

Ein Sprecher des Anti-IS-Koalition sagte laut einem Bericht des "Wall Street Journal", zum Luftangriff sei es in einer Gefechtssituation gekommen. Das passt zu irakischen Angaben, laut denen es zunächst zwei Luftangriffe der Koalition gab, die sich gegen die Gegenseite richteten. Die Angriffe hätten es den irakischen Soldaten erlaubt, Boden gutzumachen und direkt mit den Feinden zu kämpfen. Bei einem dritten Luftangriff sei dieser Vorstoß der Armee dann jedoch nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Die US-geführte Koalition unterstützt die irakische Regierung im Kampf gegen die IS-Extremisten. In der Erklärung der US-Armee hieß es, bislang sei es bei dieser Zusammenarbeit noch nie zu einem versehentlichen Beschuss der verbündeten irakischen Soldaten gekommen.

mbö/dpa/AFP/Reuters

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