Amtssitz der Provinzregierung Irakische Armee erobert IS-Bastion in Ramadi zurück

Irakische Soldaten sind in Ramadi zum Amtssitz der Provinzregierung vorgedrungen - der letzten IS-Bastion. Die Terrorkämpfer sollen geflohen sein.


Der Häuserkampf in Ramadi dauert schon Tage, seit Wochen versucht die irakische Armee die Stadt, 90 Kilometer westlich von Bagdad, wieder zurückzuerobern. Jetzt meldet das Militär entscheidende Geländegewinne. Soldaten haben demnach den Amtssitz der Provinzregierung geräumt. Dort gebe es keinen Widerstand mehr, sagte ein Sprecher der Anti-Terror-Einheit CTS.

Die Regierungssoldaten hätten den Regierungskomplex umstellt, sagte Armeesprecher Sabah al-Numan. Sämtliche Zufahrten und benachbarten Gebäude würden überprüft, bevor die Armee einmarschieren werde. Dies solle binnen Stunden geschehen.

Zuvor hatte bereits die BBC unter Verweis auf verschiedene Quellen gemeldet, dass irakische Soldaten in den Amtssitz der Provinzregierung in Hos, dem zentralen Viertel der Stadt, vorgerückt seien. Dort hatten sich nach Schätzungen der USA wochenlang 350 Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verschanzt. Die Dschihadisten sollen laut BBC in den Nordosten von Ramadi geflohen sein.

Bei den Gefechten in Ramadi sind irakischen Sicherheitskreisen zufolge seit Freitag mehr als 50 Dschihadisten und fünf irakische Soldaten getötet worden.

Der IS hatte die Hauptstadt der Provinz Anbar im Mai erobert. Anfang Dezember erkämpfte die irakische Armee, die von Kampfflugzeugen der internationalen Militärallianz unterstützt wird, mehrere große Stadtteile zurück. Am Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor, dann geriet der Vormarsch vor allem aufgrund von Sprengfallen und Heckenschützen ins Stocken.

Ramadi galt als Machtbasis des IS. Der Verlust der Stadt wäre die vierte Niederlage der Extremisten nach Tikrit, Badschi und Sinjar. Terrorchef Abu Bakr al-Bagdadi versucht, die Moral seiner Kämpfer zu stärken. In einer Audiobotschaft, die ihm zugeschrieben wird (Lesen Sie hier mehr), übt er sich in Durchhalteappellen: "Soldaten des Islamischen Staats, seid geduldig, denn ihr befindet euch auf dem richtigen Weg." Und weiter heißt es: "Habt Geduld, denn Gott ist mit euch."

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IS-Bastion: Irakische Armee meldet Erfolg im Kampf um Ramadi
Im Jahr 2014 hatte der IS fast ein Drittel des Staatsgebietes des Irak unter seine Kontrolle gebracht. Wenn Ramadi rückerobert sei, müsse im Anschluss die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes befreit werden, hatte Ministerpräsident Haider al-Abadi am Freitag angekündigt. Mossul, einst eine blühende Stadt mit zwei Millionen Einwohnern, befindet sich seit Juni 2014 in der Hand des IS, der dort ein Terrorregime errichtete.

Eine Eroberung Mossuls käme einem Ende der staatlichen Strukturen des IS im Irak gleich. Zudem würde es die Ressourcen der Terrormiliz empfindlich schmälern. Bisher ist die Öl-Stadt Mossul mit den Steuern und Abgaben ihrer Bewohner eine wichtige Geldquelle des IS.

heb/AFP/Reuters

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dbeck90 27.12.2015
1. Alles klar, super!
Und danach zum boss des is, saudi arabien!
RudiLeuchtenbrink 27.12.2015
2. ein wichtiger Sieg,
die geplagten Iraker bekommen jetzt Zeichen der Hoffnung, auf ein Ende der Schreckens des Islamischen Staates. Auch für die Türken sollte es zur Anschaauung dienen, was Islamismus den Menschen anrichten kann.
Maler 27.12.2015
3.
"...die IS-Kämpfer sollen geflohen sein." Ist die Stadt nicht umstellt? Wenn nein, warum nicht? Warum lässt man sich die Chance entgehen, die Islamfaschos bis zum letzten Mann zu vernichten? Warum gibt man ihnen die Chance, woanders den Kampf wieder aufzunehmen?
Maler 27.12.2015
4.
Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los als wenn interessierte Kreise (Billiglohnunternehmen, Grüne, Linke) sie hier behalten wollen. Dabei wäre es erheblich sinnvoller, die Flüchtlinge gingen schnellstmöglich zurück, um nicht zu lange entwurzelt zu sein. Häuser bauen kann man ihnen für weniger Geld auch in der Heimat.
hueseyin47 27.12.2015
5. Gute Nachricht für die Menschen dort...
...die nichts mit dem "IS" zu tun haben wollen. Schlecht für die Türkei mit ihren, bzw. Erdogans osmanischen Träumen. Damals noch gut befreundet mit fast allen seinen Nachbarn, haben sie sich mit der "direkten bzw. direkten indirekten Hilfe für den sog. IS", ins Abseits befördert. - Kurden in der Ost-Türkei werden gerade von der türkischen Regierung wiedereinmal mit vorwand des Terrorismus, niedergemetzelt. Anders kann man es leider nicht sagen!
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