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Irak: IS-Terroristen zünden Ölbohrloch an

Kurdische Truppen im Irak: Offensive gegen den IS Zur Großansicht
AFP

Kurdische Truppen im Irak: Offensive gegen den IS

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat umgehend auf eine Offensive kurdischer Einheiten im Norden des Irak reagiert. Die Extremisten zündeten auf einem Ölfeld ein Bohrloch an.

Bagdad - Kämpfer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) und kurdische Peschmerga-Einheiten kämpfen um die Vorherrschaft in Nordirak. Am Donnerstag setzten IS-Kämpfer nach Angaben des kurdischen Militärs auf einem Ölfeld ein Bohrloch in Brand.

Kurdische Einheiten hatten am Morgen neue Angriffe gegen die Dschihadisten gestartet. Das meldete die Nachrichtenseite "Al Mada News". Dabei würden sie von amerikanischen und irakischen Kampfflugzeugen unterstützt.

Die Peschmerga-Einheiten wollen demnach den Ort Sumar rund siebzig Kilometer nordwestlich der Millionenstadt Mossul erobern. Die IS-Extremisten hatten ihn Anfang August unter ihre Kontrolle gebracht. Sumar liegt in der Nähe zweier Ölfelder, die ebenfalls von den Dschihadisten beherrscht werden. Kurdische Einheiten hatten vor rund zehn Tagen den Mossul-Staudamm östlich von Sumar zurückerobert.

Aber auch im Nordosten Syriens ist der "Islamische Staat" auf dem Vormarsch. Nach der Eroberung eines Militärflughafens tötete die radikalislamische Miliz Dutzende gefangene Soldaten der Regierung. Die Männer waren zuvor auf ihrer Flucht vom Flughafen Tabka Richtung Westen in die Hände der Extremisten geraten, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag berichtete.

Ein Versuch der Armee, die Soldaten zu retten, sei gescheitert, hieß es. Rund sechzig weitere Soldaten der Regierung hätten in Sicherheit gebracht werden können. Die IS-Terrormiliz hatte am vergangenen Wochenende den strategisch wichtigen Militärflughafen nach blutigen Kämpfen eingenommen. Er war die letzte Bastion des Regimes in der Provinz Rakka.

Die USA schmieden laut einem Medienbericht ein Bündnis westlicher und arabischer Staaten, um mögliche Angriffe auf den IS in Syrien vorzubereiten. Auch der Militäreinsatz gegen die Extremisten im benachbarten Irak solle ausgedehnt werden, meldete die überregionale arabische Tageszeitung "Al-Sharq al-Awsat". Sie berief sich dabei auf nicht näher genannte Verantwortliche in der US-Regierung.

Zu der Koalition könnten demnach Großbritannien, Australien, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien, und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören, heißt es. Auch die Hilfe der Türkei sei erwünscht, da ihre Militärstützpunkte für Einsätze in Syrien genutzt werden könnten.

Gebietsverteilung im Irak (Stand: 13. August) Zur Großansicht
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Gebietsverteilung im Irak (Stand: 13. August)

als/dpa

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1. Inkorrekt
apalanca 28.08.2014
Sich dieser Truppen in Syrien als Allianz entgegenzustellen und Assad dabei zu verschonen, wird keinesfalls das Ansehen dieser Staaten verbessern oder zur Entmachtung des IS führen. Der Umstand des Chaos in dieser Region, hervorgerufen durch tyrannische Herrscher und falscher westlicher Strategien, kann einfach nicht zu einem Perspektivenwandel führen. Deutschland, mein Land, sollte sich in dreckigen Kriegen nicht die Hände schmutzig machen -weder direkt noch indirekt- und noch mehr Probleme herbeiführen.
2.
Winterreifen 28.08.2014
Aber einfach warten und nichts tun. Diese Terroristen gewähren lassen, wie diese möchten. Und in der zwischenzeit natürlich weiterhin Waffen produzieren, direkt und/oder indirekt in Kriesengebiete verkaufen und somit daran mitverdienen? Nein, danke! Dann doch lieber handeln und dieses Krebsgeschwür ausmerzen, bevor es noch größer und gefährlicher wird. Diese Typen töten nicht nur ihre Gegner auf den Schlachtfeldern, sie schlachten ihre Gefangenen regelrecht ab. Vergewaltigen und verkaufen die Frauen anschließend. Die westliche Welt hat dieses Dilemma in diesen Regionen erst verursacht. Daran gibt es keinen Zweifel. Nun müssen sie ihren moralischen und ethischen Werten gerecht werden und den Schaden gut machen, so sie können. Und wenn das bewaffnete Einsätze erfordert, dann ist es eben so. Alles andere führt dazu, dass diese Konflikte immer weiter wuchern. Und was es bringt, Konflikte aus der Vergangenheit in die Zukunft zu tragen, das kennen wir alle nur zu gut. Es bringt nichts als Hass. Und Hass ist die Basis alles Grausamen.
3. Wie lange will die Welt
Deify 28.08.2014
dieser Gewalt, diesem Morden und Zerstören noch zusehen? Was können sich diese Terroristen noch alles ungestraft erlauben? Ich bin fassungslos und frage mich, wozu all die Bündnisse in der Welt sind; sie kosten ein Vermögen und werden, so scheint es mir, eher willkürlich eingesetzt, aber nicht immer da, wo es dringend vonnöten wäre. Diese IS erscheint mir als Bedrohung für die halbe Welt; für alle, die keine Muslime sind. Jetzt geht es mal wieder ums Öl, vielleicht klappt es ja jetzt besser mit der Bekämpfung.
4. so oder so übel mitgestalten
quap.sel 28.08.2014
@apalanca: Macht sich nicht auch jemand die Hände schmutzig, der einem Massenmorden zusieht, bestenfalls verbal protestiert und sich ggf. zu Lieferungen von Lebensmitteln und Decken bereit erklärt? Mein Hinweis reicht nicht als Argument für Waffenlieferungen, OK. Aber ein einseitiges "Da macht man sich die Hände schmutzig!" taugt halt auch nicht. Im Moment kann man irgendwie gar nicht anders als sich irgendwie, so oder so, schmutzig zu machen, schuldig zu machen, die Zukunft dort mehr oder weniger übel mitzugestalten. "Augen zu!" oder "die Hände im Sauberen geschützt zu halten!" geht einfach nicht.
5. ein Wiedersehen
quap.sel 28.08.2014
PS: Wenn man den Kurden Waffen liefert: Sollte das aktuelle Gemetzel mal vorbei sein, dann werden 'wir' jede einzelne der gelieferten Waffen wiedersehen, diesmal dann mit Blick auf die auf uns gerichteten Mündungen, dann nämlich wenn die Kurden sich von Irak und Türkei lossagen/loskämpfen möchten. "...and it happens again and again and again and again!"
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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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