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Terrorgruppe im Irak: "Islamischer Staat" lässt Schaufensterpuppen verhüllen

Verhüllte Schaufensterpuppen in Mossul: "Islamischer Staat" macht Ernst Zur Großansicht
AP

Verhüllte Schaufensterpuppen in Mossul: "Islamischer Staat" macht Ernst

Die Radikalen berufen sich auf das Bilderverbot im Islam: Im Einflussgebiet der Terrorgruppe "Islamischer Staat" müssen sich nicht nur Frauen verschleiern - sondern auch Schaufensterpuppen.

Mossul - Zuerst haben die radikalen Islamisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" drakonische Regeln für die Menschen in den von ihnen eroberten Gebieten erlassen, jetzt nehmen sie sich die Schaufensterpuppen vor. Die Dschihadisten haben Ladenbesitzern in der irakischen Großstadt Mossul die strikte Anweisung erteilt, die Gesichter sämtlicher Schaufensterpuppen zu verhüllen. Die Anordnung gilt für weibliche und männliche Puppen gleichermaßen.

Der "Islamische Staat" beruft sich auf eine extrem strenge Auslegung des Bilderverbots im Islam. Ihre radikalen Verfechter verweisen auf mehrere sogenannte Hadithe, also Überlieferungen über die Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed. Unter anderem ist diese Aussage überliefert: "Diejenigen, die diese Bilder verfertigen, werden am Tag der Auferstehung bestraft werden. Man wird zu ihnen sagen: 'Macht lebendig, was ihr geschaffen habt!'"

Allerdings gab es ungeachtet dieser Tradition in den ersten Jahrhunderten der islamischen Geschichte sehr wohl bildliche Darstellungen, selbst Bilder des Propheten Mohammed selbst finden sich in alten Manuskripten.

"Islamischer Staat" erlässt drakonische Regeln

Die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" hat Mossul und weite Teile des Irak Anfang Juni unter ihre Kontrolle gebracht. In den von ihr kontrollierten Gebieten hat die Miliz drakonische Regeln erlassen. Frauen sollen die Häuser nur verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. Sie sollen nur Kleider tragen, "an denen Gott Gefallen findet" - weite Gewänder, die weibliche Formen verhüllen. Alkoholkonsum, Rauchen und Drogen sind verboten. Alle Schreine, Denkmäler und Mausoleen, an denen Tote verehrt werden, sollen zerstört werden.

Besonders die seit 1800 Jahren in Mossul lebende christliche Minderheit ist im Visier der Radikalen. Sie zerstörten mit Vorschlaghämmern das Grab des Propheten Jona in der Stadt, entfernten das Kreuz auf der Kathedrale des Heiligen Ephraim und hissten die schwarze IS-Flagge darauf.

Bis Samstagmittag sollten alle Christen die Stadt verlassen. Das Ultimatum der IS-Terroristen lautete: Flieht, ohne Gepäck, nur mit der Kleidung am Leib, oder wählt aus drei Optionen: Konvertierung, Sondersteuer oder Exekution durchs Schwert. Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Sako, sagt: "Erstmals in der Geschichte des Irak gibt es in Mossul nun keine Christen mehr."

syd

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Fotostrecke
Christen in Mossul: Flucht vor den Extremisten

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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