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Kampf gegen Isis: US-Außenminister Kerry hält militärische Zusammenarbeit mit Iran für möglich

US-Außenminister Kerry: "Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv für den Irak ist" Zur Großansicht
DPA

US-Außenminister Kerry: "Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv für den Irak ist"

John Kerry rüttelt an einem Tabu: Im Kampf gegen die Isis-Dschihadisten im Irak bringt der US-Außenminister jetzt auch eine militärische Kooperation mit Iran ins Spiel. Die Terrorgruppe bedrohe nicht nur den Nahen Osten, sondern auch Europa und die USA.

Bagdad - Der Vormarsch der islamistischen Terrorgruppe Isis im Irak bringt die politischen Allianzen in Bewegung. Inzwischen hält die US-Regierung sogar eine militärische Kooperation mit dem iranischen Regime für denkbar, um das Vorrücken der Dschihadisten zu stoppen.

"Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv für den Irak ist", sagte Außenminister John Kerry in einem Interview mit "Yahoo News" auf die Frage nach einer militärischen Zusammenarbeit mit Teheran. "Lasst uns schauen, was Iran zu tun bereit ist, bevor wir weitere Ankündigungen machen. Aber wir sind bereit zu jedem konstruktiven Prozess, der die Gewalt beendet."

"Wir prüfen sehr sorgfältig alle möglichen Optionen", sagte Kerry weiter. Auch Drohnenangriffe und Luftschläge mit bemannten Flugzeugen und Marschflugkörpern seien im Kampf gegen die Terrorgruppe denkbar. Oberstes Ziel sei es, den Zusammenhalt des irakischen Staates zu sichern.

Irak-Gespräche in Wien?

Der Aufstieg der Isis-Dschihadisten sei eine "existenzielle Bedrohung für die ganze Region", sagte Kerry. Die Terrorgruppe gefährde nicht nur die Sicherheit des Irak und Syriens, sondern auch die Europas und der Vereinigten Staaten.

Er glaube jedoch nicht daran, dass die islamistischen Extremisten in der Lage seien, "in nächster Zeit" Bagdad einnehmen zu können. Zugleich äußerte sich der Außenminister "absolut überzeugt", dass die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt ausreichend gesichert sei.

Kerry rief den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki auf, die sunnitische Minderheit, zu der auch die Isis-Kämpfer gehören, in den politischen Prozess einzubinden. Der Premier müsse eine Regierung bilden, in der die Interessen aller Iraker berücksichtigt werden - nicht nur die einer Konfessionsgemeinschaft.

Am Montagnachmittag treffen sich Vertreter Washingtons und Teherans in Wien zu neuen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. US-Vertreter sagten, am Rande des Treffens seien auch Gespräche über das gemeinsame Vorgehen im Irak denkbar. Irans Vertreter lehnten dies jedoch ab: "Bei den Verhandlungen in Wien reden wir - auch mit den Amerikanern - nur über das iranische Atomprogramm", sagte Vizeaußenminister Abbas Araghchi.

Die Isis-Kämpfer sind derweil weiter auf dem Vormarsch. In der Nacht zum Montag eroberten sie die nordirakische Stadt Tal Afar, zudem lieferten sie sich in Bakuba Gefechte mit Regierungstruppen.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat das Kriegsschiff "USS Mesa Verde" in den Persischen Golf entsandt. Die Verlegung solle Präsident Barack Obama weitere Flexibilität bieten, um auf die Lage zu reagieren, teilte das Pentagon am Montag mit.

Das Schiff ist für amphibische Einsätze konzipiert. Es trägt nach Militärangaben derzeit ein senkrecht startendes Flugzeug. Die USA hatten wegen der Erfolge der sunnitischen Islamisten bereits den Flugzeugträger "George H.W. Bush" mit Geleitschiffen in den Persischen Golf entsandt.

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

syd/Reuters/AP/dpa

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1. ohne
HansWilhelm 16.06.2014
Zitat von sysopAFPJohn Kerry rüttelt an einem Tabu: Im Kampf gegen die Isis-Dschihadisten im Irak bringt der US-Außenminister jetzt sogar auch eine militärische Kooperation mit Iran ins Spiel. Die Terrorgruppe bedrohe nicht nur den Nahen Osten, sondern auch Europa und die USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-john-kerry-haelt-militaer-kooperation-mit-iran-fuer-moeglich-a-975484.html
nennte man sowas " den Teufel mit dem Belzebub austreiben"? Die Amis interessiert ihr Geschwätz von gestern auch mal wieder nicht
2.
Atheist_Crusader 16.06.2014
Zitat von sysopAFPJohn Kerry rüttelt an einem Tabu: Im Kampf gegen die Isis-Dschihadisten im Irak bringt der US-Außenminister jetzt sogar auch eine militärische Kooperation mit Iran ins Spiel. Die Terrorgruppe bedrohe nicht nur den Nahen Osten, sondern auch Europa und die USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-john-kerry-haelt-militaer-kooperation-mit-iran-fuer-moeglich-a-975484.html
Natürlich ziehen sie das in Betracht. Nachdem sie eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie von der Region und den Menschen dort absolut nichts verstehen und der Irakkrieg sie dem finanziellen Ruin nahegebracht und zahllose Verbündete verprellt hat (selbst die die mit nach dort gingen) hat, suchen sie natürlich wen, der ihnen Last abnimmt. Egal ob diese Kooperation zustande kommt, ich sehe zumindest kurzfristig die Iraner als die Gewinner. Ob sie das auch langfristig sein werden, hängt davon ab wie sehr die Amis an ihrer Unterstützung der Saudis festhalten.
3. ...gibt nur wieder verbrannte Erde!
prisma-4d 16.06.2014
Hat die USA die Konflikte ausgelöst? Ja! Hat die USA die Konflikte verursacht? Nein! Sie waren die ganze Zeit in diesen Gesellschaften verankert, so wie die Warlords in Afganistan. Werden die USA erfolgreich eine Seite unterstützen können? Nein, das ist bist jetzt IMMER schief gegangen ..sie erkennen es nicht......dass sie ein Opfer ihrer selbst sind. Wer kämpft gegen wen? Moslems gegen Moslems! Es geht dort nicht um Religion oder Details in der Auslegung des Korans. Es ist schlicht Hass der die Menschen dort antreibt. Warum bomben Terroristen? Weil sie hassen! Sie hassen die Anderen weil sie es scheinbar besser haben, weil sie mehr können, mehr dürfen, mehr haben. Und sie hassen weil sie glauben der andere sei schuld am eigenen Unvermögen! Und wenn der gemeinsame Feind (Israel/USA/westliche Welt) ausfällt weil er sich zurückzieht und schwer greifbar ist, dann hassen sie einfach den Nächsten. Dummerweise hat Mohamed damals nicht den Satz "Liebe deinen Nächsten" in den Koran aufgenommen. Was für eine Macht hätten diese (drei?) Worte im "richtigen" Buch! Die Initiative dürfte nicht von USA (oder Nato) ausgehen, sondern von den anderen Islamischen Staaten. Diese müssten sich einigen. Da jedoch wesentliche Mächte in der Arabischen Welt genau so eine Welt aufbauen wollen wie sie sich Alkaida und Isis wünschen.... ist stillhalten Programm. Alle derzeit islamischen Länder (auch die reichen) brauchen wie Europa erst eine Aufklärung! Erst wenn die Menschen erkennen das die Anderen auch Menschen sind die nur leben wollen, erst dann kehr vieleicht sowas wie Frieden ein. Also USA/Nato/Russland/China... Finger weg! Schickt maximal ein paar Hilfsgüter damit die Leute nicht verhungern, das sind wir unserem Glauben an die Menschlichkeit schuldig, und den ganzen Rest: einfrieren. Kein Waffen, keine Elektronik, keine Unterstützung von Gruppen, keine Technologie! Nur wenn diese Gesellschaften diese ganzen westlichen Errungenschafte selbst leisten müßen, vergeht ihnen vieleicht der Hass, der Neid und das Minderwertigkeitsgefühl. Lasst ihnen ihre eigene Welt aufbauen. Sie muß nicht wie der Westen aussehen. Die Menschen müssen sich darin nur wohl fühlen!
4. Wollten die Amerikaner
smolnyj39 16.06.2014
Raketenabwehrschirm gegen Iran nicht installieren?
5.
Christian Peterle 16.06.2014
Zitat von HansWilhelmnennte man sowas " den Teufel mit dem Belzebub austreiben"? Die Amis interessiert ihr Geschwätz von gestern auch mal wieder nicht
Die Seriösität einer Supermacht, erkennen Sie an der Anzahl ihrer Raketen, nicht an ihren Worten.
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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