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Irak-Konferenz: Wortgefechte zwischen Iran und USA

Handshakes vor den Kameras, hitzige Debatten hinter verschlossenen Türen: Bei der internationalen Irak-Konferenz sollen sich die Regierungsvertreter der USA und Irans nach Angaben von Teilnehmern einen verbalen Schlagabtausch geliefert haben.

Labid Abbawi, ein ranghoher Beamter des iranischen Außenministeriums, bestätigte, dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der USA und seines Landes gekommen sei. Der Beamte, der an dem Treffen teilgenommen hatte, äußerte sich allerdings nicht näher dazu. Der US-Delegierte David Satterfield warf in seinen Ausführungen Iran vor, schiitische Milizen im Irak zu bewaffnen. Daraufhin entgegnete laut einem Gewährsmann der iranische Delegationsleiter und stellvertretende Außenminister Abbas Araghtschi, die USA versuchten mit solchen Vorwürfen lediglich von ihrem Versagen im Irak abzulenken.

Die internationale Konferenz in Bagdad war in gewisser Weise eine Premiere: Erstmals seit Jahren kam es wieder zu direkten Gesprächen zwischen Vertretern der USA und Irans.

Konferenz: Iraks Premierminister Nuri Al-Maliki (links) begrüßte in Bagdad auch Vertreter der USA, Syriens und aus dem Iran
DPA

Konferenz: Iraks Premierminister Nuri Al-Maliki (links) begrüßte in Bagdad auch Vertreter der USA, Syriens und aus dem Iran

Offiziell hatten die irakischen Gastgeber nach der Konferenz eine nüchterne Bilanz gezogen. Es habe "direkten Austausch und Treffen und Diskussionen gegeben", sagte der irakische Außenminister Hoschijar Sebari nach dem Treffen. Zuvor hatte Regierungsprecher Ali el Dabbagh der Nachrichtenagentur AFP noch gesagt, es sei außer Händeschütteln zu keinen weiteren bilateralen Annäherungen gekommen.

Sebari sagte, es sei besonders wichtig gewesen, "dass ein Dialog stattgefunden hat zwischen den Vertretern der USA, Großbritanniens, des Irans und Syriens". US-Botschafter Zalmay Khalilzad bezeichnete die Gespräche als "sachlich". Es sei dabei darum gegangen, "Probleme zu lösen". Über das iranische Atomprogramm sei nicht geredet worden, sagte einer irakischer Teilnehmer.

Iran fordert Abzug der US-Amerikaner

Die US-Regierung hatte Syrien und Iran vorgeworfen, Terroristen im Irak zu unterstützen. Der iranische Gesandte, Vizeaußenminister Abbas Araghchi, forderte hingegen den Abzug der US-Truppen und erklärt, diese trieben den Kreislauf der Gewalt an. "Die Präsenz von ausländischen Truppen kann die Sicherheit im Irak auf lange Sicht nicht verbessern", sagte er und forderte einen Zeitplan für den Abzug.

Der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki sagte indes, sein Land benötige breite internationale Hilfe. Die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten konnte seine Regierung bislang nicht verhindern: Ein Flächenbrand zwischen den Religionsgruppen könne die gesamte Region treffen, warnte Al-Maliki.

An der Konferenz nahmen unter anderem Delegierte der sechs Nachbarländer des Iraks sowie der fünf ständigen Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat teil, darüber hinaus Vertreter Ägyptens, Bahrains, der Arabischen Liga und der Organisation der Islamischen Konferenz. Die höchsten Repräsentanten hatten Syrien und der Iran nach Bagdad geschickt. Direkten Kontakt mit diesen Ländern hatte die Bush-Regierung bislang verweigert.

Teilnahme von Rice möglich

Das Treffen diente der Vorbereitung einer Konferenz auf Ministerebene, die im nächsten Monat stattfinden soll. Ob in Kairo, Istanbul oder ebenfalls in Bagdad ist aus Sicherheitsgründen noch umstritten. Eine Beteiligung von US-Außenministerin Condoleezza Rice schloss US-Botschafter Khalilzad nicht aus - falls das nächste Treffen in Istanbul stattfinden sollte.

Mehrere Anschläge und Gewalttaten im Laufe könnten die Zweifel an der Lage in der irakischen Hauptstadt noch genährt haben: Kurz nach der Eröffnung schlugen in unmittelbarer Nähe des Tagungsorts mindestens zwei Mörsergranaten ein.

Im schiitischen Viertel Sadr City riss ein Selbstmordattentäter bei einem Autobombenanschlag mindestens 26 Menschen mit in den Tod. 40 weitere wurden nach Angaben der Polizei im Krankenhaus behandelt. Bei einem weiteren Selbstmordattentat an einem Kontrollposten im Westen von Bagdad starb ein irakischer Soldat, zwei weitere wurden verletzt. Die US-Streitkräfte nahmen bei landesweiten Razzien 33 Verdächtige fest. In Latifija südlich von Bagdad beschossen Bewaffnete eine Gruppe schiitischer Pilger, ein Gläubiger wurde getötet. Bei Angriffen auf Pilger im Osten Bagdads starben zwei Menschen. In Ramadi in der Unruheprovinz Anbar starben vier Polizisten, als eine Bombe beim Vorbeifahren ihres Fahrzeugs explodierte.

"Der Irak ist kein Ort, an dem regionale oder internationale Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden sollen", sagte Al-Maliki mit Hinblick auf solche Terrorakte. "Niemand soll sie (die Extremisten) mit Kämpfern, Waffen und Sprengstoff versorgen, mit denen dann unsere Kinder, Frauen und Alten getötet werden."

reh/stx/AFP/AP/dpa/rtr

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