Irak-Konflikt Blix warnt vor baldigem Kriegsausbruch

Uno-Chefinspektor Hans Blix befürchtet ein unfreiwilliges Ende der Rüstungskontrollen im Irak: Angesichts des immer größer werdenden britisch-amerikanischen Truppenaufgebots werde ein baldiger Krieg mit vielen Toten und Milliardenkosten immer wahrscheinlicher.




Hans Blix: Zeitdruck durch britisch-amerikanischen Aufmarsch
REUTERS

Hans Blix: Zeitdruck durch britisch-amerikanischen Aufmarsch

New York/London - Ein Militärschlag mit 250.000 Soldaten werde vermutlich insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar kosten, sagte Blix. Zudem sei mit vielen Toten, Verletzten und Kriegsschäden im Land zu rechnen. Sein aus 250 bis 300 Mann starkes Inspektionsteam koste dagegen pro Jahr nur 80 Millionen Euro.

Blix sagte, der Irak müsse nun rasch die offenen Fragen zu seinem Waffenprogramm beantworten, sonst drohe ein Krieg. Es könne sein, dass es eines Tages heißt, "'Geht zur Seite Jungs, wir kommen jetzt rein'", sagte Blix in Bezug auf den forcierten Aufmarsch der USA und Großbritanniens am Golf. "Ich glaube, die Iraker müssen sich nur an ihren Außengrenzen umsehen, dann sollte ihnen der Ernst der Lage bewusst werden." Laut Blix wird die Suche der Uno-Rüstungsinspektoren nach Massenvernichtungswaffen noch Monate dauern.

US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer sagte unterdessen, Präsident George W. Bush habe "keinen künstlichen Zeitplan" für ein mögliches militärisches Eingreifen im Irak.

Auf Grundlage neuer Geheimdienstinformationen haben die Uno-Rüstungsinspektoren zu Wochenbeginn ihre Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak ausgeweitet. Sie hätten bereits Einrichtungen aufgesucht, die zuvor noch nicht besichtigt worden seien, erklärte Blix im britischen Rundfunksender BBC. Weitere würden folgen. "Wir haben unser Netz ausgeweitet. Ob sich die Qualität der Arbeit verbessert, hängt davon ab, wie gut die Geheimdienstinformationen waren. Wir werden das überprüfen."

Uno-Waffeninspektionen im Irak: Ergebnis erst nach mehreren Monaten
AP

Uno-Waffeninspektionen im Irak: Ergebnis erst nach mehreren Monaten

Auf die Frage, ob die Inspektoren bislang etwas Verdächtiges gefunden hätten, sagte Blix: "Wir haben mehrere Fälle entdeckt, in denen es klar ist, dass der Irak mit Waffen in Verbindung stehendes Material importiert und damit gegen das Verbot des Sicherheitsrats verstoßen hat." Ob diese Fälle etwas mit Massenvernichtungswaffen zu tun hätten, müsse noch herausgefunden werden.

Zuvor hatte bereits der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed al-Baradei, in Paris betont, dass die Waffeninspektoren im Irak noch "einige Monate" bräuchten, um ihre Arbeit erfolgreich beenden zu können. Nach einem Gespräch mit dem französischen Außenminister Dominique de Villepin sagte al-Baradei, bislang nehme der Irak "eine passive Haltung ein, wir wünschten uns eine aktive Zusammenarbeit".

IAEA-Sprecher Mark Gwozdecky sagte der BBC, die Waffeninspektoren benötigten etwa ein Jahr für eine "zuverlässige" Untersuchung der irakischen Waffenprogramme. In vielen Fällen müssten Einrichtungen mehrfach durchsucht werden. Er äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass die Experten vor Ort jedes verbotene Nuklearprogramm entdecken könnten. Angesichts der bisher guten Kooperation der Iraker sei dies möglich. "Ist es nicht ein Jahr wert, um eine nachhaltige, überprüfbare Lösung diese Problems zu bekommen?"



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