Irak-Krieg Abzugsshow an der Grenze zu Kuwait

Flutlicht, Kameras, Journalistenbegleitung: Mehr als sieben Jahre nach Beginn des Irak-Krieges hat eine der letzten US-Kampfeinheiten am frühen Morgen das Land verlassen. Offiziell ist der Krieg aber noch nicht beendet - bis Ende August müssen noch 6000 amerikanische Soldaten abziehen.

AP

Washington/ Bagdad - Es war noch dunkel, als der letzte Panzer vom Typ Stryker über den Grenzübergang Chabari in Richtung Kuwait rollte. Um vier Uhr morgens - das berichtet eine Reporterin der Nachrichtenagentur AP - haben die Soldaten der 4. Brigade der 2. Infanteriedivision die Grenze passiert, hupend, erleichtert winkten die Soldaten Schaulustigen zu.

In Kuwait stellten sie ihre Panzer auf einem Parkplatz ab; stiegen aus und legten ihre durchgeschwitzten schusssicheren Westen ab. Vier Nächte hatte ihre Fahrt gedauert, entlang der Wüstenautobahn sicherten US-Einheiten und -Kampfhubschrauber ihren Weg. In den Panzern wurde es über 50 Grad Celsius heiß; die Klimaanlage wurde abgeschaltet, um Sprit zu sparen.

Die 4. Stryker-Brigade war vom 20. März 2003 an den schwersten Gefechten des Irak-Krieges beteiligt und in den gefährlichsten Regionen stationiert. Die Soldaten gehörten zu den letzten Kampfeinheiten im Irak. Knapp siebeneinhalb Jahre nach dem Beginn des Irak-Krieges verlassen die Truppen in großem Ausmaß das Land. Rund 2000 Soldaten sollten aber erst im Laufe des Tages von Bagdad ausgeflogen werden.

Verwirrung um Medienberichte

Unklarheit gibt es darüber, ob bereits am heutigen Tag der Abzug der Kampftruppen abgeschlossen sein wird - offiziell ist die Frist dafür erst am 31. August.

Mehrere US-Fernsehsender sowie die Nachrichtenagentur AP hatten das Ende des Kampfeinsatzes verkündet und sich dabei auch auf den Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, berufen. Dies markiere nach siebeneinhalb Jahren das Ende der "Operation Iraqi Freedom" ("Operation Irakische Freiheit"), zitierte der Sender MSNBC Crowley. Es handele sich um einen historischen Moment. US-Präsident Barack Obama hatte am Mittwochnachmittag vor Bekanntwerden der Nachricht im US-Bundesstaat Ohio gesagt: "Wir halten das Versprechen, das wir gemacht haben. Unsere Kampfmission drüben im Irak wird vorbei sein."

Der Rückzug der rund 14.000 Soldaten umfassenden Truppeneinheit hatte nach Angaben der "Washington Post" bereits am Samstag begonnen. Die Truppen hätten einen knapp 600 Kilometer langen Weg über Land zurücklegen müssen. In die Armee eingebettete Reporter mussten der Zeitung zufolge bis zum Donnerstag Stillschweigen über den Rückzug bewahren, um die Truppen nicht in Gefahr zu bringen.

50.000 US-Soldaten bleiben im Irak

Unterdessen hat ein anderer Regierungssprecher jedoch den Komplettabzug der Kampftruppen dementiert - 6000 Soldaten müssten das Land noch in den kommenden zwei Wochen verlassen. Der Kampfeinsatz sei noch nicht beendet und werde bis zum 31. August andauern, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der Regierung, so die Nachrichtenagentur Reuters. Die Art des Einsatzes ändere sich erst zum 31. August, wenn die (Kampf-)Brigaden, die derzeit noch im Irak seien, umgewidmet würden zu Brigaden, die beraten und assistieren, so der Regierungsmitarbeiter. Die Berichte über einen Komplettabzug seien verfrüht. Gegenwärtig hätten die USA noch 56.000 Soldaten im Irak, sagte der Mitarbeiter der Regierung. Meldungen, wonach die Zahl von 50.000 schon erreicht sei, basierten auf falschen Informationen.

Auch die Berichte des Fernsehsenders CNN sowie Fox News legen nahe, dass noch nicht alle Kampftruppen, die abziehen sollen, tatsächlich das Land verlassen haben. Der Nachrichtensender Fox News berichtete, es gebe noch Kampftruppen, die erst in den kommenden Tagen abziehen würden.

Klar ist: 50.000 US-Soldaten sollen vorerst im Irak bleiben - sie sollen künftig aber ausschließlich für Sicherheit bei zivilen Projekten sorgen, die einheimischen Sicherheitskräfte ausbilden und Anti-Terror-Einsätze leiten. Ende 2011 sollen auch diese Soldaten abziehen. Seit Obamas Amtsantritt vor eineinhalb Jahren haben nach Angaben des Weißen Hauses 90.000 Soldaten den Irak verlassen.

Nach Informationen der "New York Times" wollen die USA bis zu 7000 private Sicherheitskräfte einstellen, um ihre Diplomaten und Mitarbeiter nach Abzug der letzten Soldaten zu schützen.

Vor dem Abzug der US-Kampftruppen hatten auch die Aufständischen ihre Angriffe auf die irakischen Sicherheitskräfte verstärkt. Erst am Dienstag ereignete sich der schwerste Einzelanschlag im Irak seit Jahresbeginn. Bei einem Attentat auf Armeebewerber in Bagdad kamen 58 Menschen ums Leben. Im Mai waren bei einer Serie von Attentaten fast hundert Menschen getötet worden. Seit der Invasion des Landes im März 2003 starben mehr als 4400 US-Soldaten in dem Krieg.

anr/dpa/AFP/apn



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
stilus 19.08.2010
1. Dolle Show.....
Zitat von sysopFlutlicht, Kameras, Journalistenbegleitung: Mehr als sieben Jahre nach Beginn des Irak-Krieges hat eine der letzten US-Kampfeinheiten am frühen Morgen das Land verlassen. Offiziell ist der Krieg aber noch nicht beendet - bis Ende August müssen noch 6000 amerikanische Soldaten abziehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712625,00.html
.....aber ob die USA den Krieg nun für beendet erklären oder in Shanghai fäält die berühmte Schippe um. Tatsache ist, dass die USA diesen Mist angerührt haben und nun von der Fahne gehen. Auszubaden hat das Ganze die Bevölkerung des Landes. Petraeus hat seine Mission erfüllt und dem Land Stabilität gebracht?? Das ich nicht lache! Die letzten Attentate beweisen das Gegenteil. In Afghanistan wird´s genau so passieren: Irgendwann entscheiden einige Politiker und ein paar 4-Sterne-Clowns, dass der ganze Zirkus keinen Spass mehr macht und erklären die Mission für erfüllt. Zurück bleibt ein weiters zerstörtes Land und traumatisierte Zivilisten. Der US-Präsident und die anderen Politiker werden der Welt weiter die Hucke vollügen. das Militär wird weiter "spuren" und alle zusammen werden uns das hinterlassene Elend als grossen Sieg verkaufen.
Hubert Rudnick, 19.08.2010
2. Verantwortlichkeit?
Zitat von sysopFlutlicht, Kameras, Journalistenbegleitung: Mehr als sieben Jahre nach Beginn des Irak-Krieges hat eine der letzten US-Kampfeinheiten am frühen Morgen das Land verlassen. Offiziell ist der Krieg aber noch nicht beendet - bis Ende August müssen noch 6000 amerikanische Soldaten abziehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712625,00.html
-------------------------------------------------------- Und wer steht nun an der Grenze hin zum Irak und empfängt nun die Soldaten und führt sie gleich in die Kriegsgefangenschaft, wer zieht sie zur Verantwortung für diesen Krieg? Was haben wieder einmal die USA nach ihrem Krieg hinterlassen? Nur Chaos und ein zerstörtes Land mit vielen Toten und einer zerstörten Infrastruktur. Der Kampf um die Macht im Irak beginnt nun erst und was kommt jetzt, ein Bürgerkrieg, denn es geht ja nun um die Neuaufteilung der Macht.
idealist100 19.08.2010
3. The Show must go on.
Zitat von Hubert Rudnick-------------------------------------------------------- Und wer steht nun an der Grenze hin zum Irak und empfängt nun die Soldaten und führt sie gleich in die Kriegsgefangenschaft, wer zieht sie zur Verantwortung für diesen Krieg? Was haben wieder einmal die USA nach ihrem Krieg hinterlassen? Nur Chaos und ein zerstörtes Land mit vielen Toten und einer zerstörten Infrastruktur. Der Kampf um die Macht im Irak beginnt nun erst und was kommt jetzt, ein Bürgerkrieg, denn es geht ja nun um die Neuaufteilung der Macht.
Es bleiben doch 50.000 da und dann die ganzen Sicherheitsfirmen um die Ölquellen zu sichern und den Nachschub zu ordern. Die Irakies dürfen jetzt billig Öl liefern um ihre Infrastruktur wieder aufzubauen und die gewünschten amis im Land zu bezahlen. Wenn dann kein Öl mehr vorhanden ziehen die letzten Krieger ab. Oder es kommt ein Chomanie etc. und schmeisst sie gewaltsam raus. Das wird aber nicht passieren, dafür stehen dann die Kampfeinheiten bereit um die s.g. freien Wahlen im richtigen Sinn zu begleiten.
Zwergnase, 19.08.2010
4. Mission erfüllt !
Temporaeres Hauptziel: Saddham Hussein beseitigt. Irak war einmal ein Land, das, obwohl die Bevölkerung islamisch ausgerichtet, den Weg der Saekularisierung eingeschlagen hat, als Voraussetzung für eine zukunftsorientierte Entwicklung. Dem wurde durch die USA & Co. listigerweise ein Riegel vorgeschoben. Warum ? Die Inkarnation der Demokratie (USA) hinterlaesst nun ein zerstörtes Land, ein Pulverfass von ethnischen und religiösen Konflikten, eine puppet Regierung, die bald weggefegt werden wird - also praktisch das totale Chaos, welches in Zukunft noch viele Gründe für "Friedensmissionen" liefern wird.
A-Z 19.08.2010
5. Der Abzug...
... ist natürlich vollkommen verfrüht, passt aber, wenn man es geschichtlich betrachtet, dann ja doch ins Bild (http://wirsindnichtdieanderen.wordpress.com/2010/08/19/fuck-off/). Die Frage ist nur, wann man in Amerika daraus lernen wird, dass man nicht Hals über Kopf einen als "Krieg gegen den Terror" getarnten Interessenfeldzug einfach so beenden kann, ohne dem Land danach eine wahre Chance zu geben, überhaupt wieder auf die Beine zu kommen...
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