Irak-Krieg Pentagon-Mitarbeiter soll Bush in die Irre geführt haben

Der Untersuchungsbericht des Geheimdienstausschusses im Senat kommt einem Freispruch für US-Präsident George W. Bush gleich. Danach soll ein hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter die US-Regierung mit fragwürdigen Informationen versorgt haben, um eine Invasion des Golfstaats zu rechtfertigen.


Washington - Der ehemalige Leiter der Politik-Planungsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Douglas Feith, habe im Weißen Haus von einer äußerst engen und ausgereiften Beziehungen zwischen der Extremistenorganisation al-Qaida und der irakischen Führung gesprochen, als ob es sich um eine Tatsache handle, kritisierte der Pentagon-General-Inspekteur Thomas Gimble gestern Abend. Gegenteilige Erkenntnisse der Geheimdienste habe Feith dabei schlichtweg ignoriert. Feith "zeigte die andere, abweichende Seite nicht".

US-Präsident Bush: Personalwechsel machen Wiederholung unwahrscheinlich
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Feiths Handlungen seien in einigen Fällen unangemessen gewesen, weil sie ihre Abweichung von Erkenntnissen der Geheimdienste nicht deutlich gemacht hätten, sagte Gimble. So habe Feith angegeben, dass Monate vor den Anschlägen vom 11. September 2001 sich ihr Drahtzieher Mohammed Atta mit einem irakischen Behördenvertreter getroffen habe. Die US-Geheimdienste hätten dies jedoch nicht belegen können. Gimble kam auch zu dem Schluss, dass der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium Paul Wolfowitz Feith beauftragt habe, alternative Geheimdiensterkenntnisse zu verfolgen.

Gimble berief sich auf den Untersuchungsbericht, den er nach einjähriger Arbeit im Auftrag des Geheimdienstausschusses des Senats am Freitag vorstellte. Trotz der Erkenntnisse wird darin empfohlen, keine Konsequenzen aus den Vorwürfen zu ziehen. Die inzwischen vollzogenen Personalwechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums und der Geheimdienste machten eine Wiederholung unwahrscheinlich.

Bei den Anschlägen am 11. September 2001 waren 3000 Menschen getötet worden. Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush rief daraufhin ihren Krieg gegen den Terror aus. Den Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 rechtfertigten sie unter anderem damit, dass sie dem damaligen Machthaber Saddam Hussein enge Verbindungen zur al-Qaida unterstellten. Bis heute haben unabhängige Einrichtungen keine Beweise für eine solche Verbindung gefunden, auch nicht die Kommission zur Untersuchung der September-Anschläge.

mik/Reuters

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