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Irak-Krieg: Saddam Hussein warnte vor al-Qaida

Amerikas prominentester Häftling bringt US-Präsident Bush in Bedrängnis. Bei der Verhaftung von Saddam Hussein fanden sich Dokumente, die ein wichtiges Kriegsargument endgültig entkräften. Der Diktator hatte nicht nur keinerlei Verbindung zu Terrorchef bin Laden. Er warnte sogar davor, al-Qaida-Kämpfer ins Land zu holen.

US-Fahndungsplakat: Gesucht wegen Besitzes von Massenvernichtungswaffen und Unterstützung des internationalen Terrors
DPA

US-Fahndungsplakat: Gesucht wegen Besitzes von Massenvernichtungswaffen und Unterstützung des internationalen Terrors



Washington - Bei der Verhaftung Saddam Husseins fanden die amerikanischen Truppen einiges an Dokumenten. So unter anderem auch eins, dass für die US-Regierung mehr als peinlich sein könnte. In dem Papier, so die "New York Times", warnt der frühere irakische Diktator seine Anhänger davor, arabischen Gruppen aus dem Ausland beizutreten, die im Irak gegen die amerikanischen Besatzer kämpfen wollen.

Das Papier ist offenbar eine Anweisung Saddams aus der Zeit nach seinem Machtverlust. Er warnt die Widerstandskämpfer davor, zu nahen Kontakt zu Mitgliedern des islamischen Dschihads und anderer islamistischer Gruppen aufzubauen.

Dieses Papier bestätigt frühere Aussagen von verhafteten Top-al-Qaida-Leuten. In Verhören hatte die CIA bereits von ihnen gehört, dass Osama bin Laden Bitten einiger seiner eigenen Leute abgelehnt hatte, eng mit Saddam Hussein zusammenzuarbeiten.

Die Ziele bin Ladens und Saddams waren offenbar zu unterschiedlich für einen gemeinsamen Kampf. Die al-Qaida will den "heiligen Krieg" gegen den Westen - Saddam wollte schlichtweg die Macht im Irak zurück. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte die Bush-Regierung eine Bedrohungskulisse aufgebaut, die suggerieren sollte, dass die irakische Regierung mit der al-Qaida verbandelt sei. Damit und mit der Behauptung, der Irak sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen, suchte Präsident Bush zunächst Verbündete und zog dann in den Krieg.

USA fasst Nummer 54, Uno plant Rückkehr nach Bagdad

Die Amerikaner haben im Irak erneut einen Fahndungserfolg. Fallschirmjägern gelang es, einen ranghohen früheren Führer der Baath-Partei festzunehmen. Chamis Sirhan al-Muhammad war die Nummer 54 auf der US-Liste der 55 meistgesuchten Iraker. Brigadegeneral Mark Kimmitt sagte in Bagdad, der frühere Regionalvorsitzende der Regierungspartei und Milizenführer sei am Sonntag in der Region Ramadi westlich der irakischen Hauptstadt gefasst worden.

Nach den jüngsten Festnahmen hält die Uno die Sicherheitslage für ausreichend stabil, um nach Bagdad zurückzukehren. Fünf Monate nach dem verheerenden Bombenanschlag auf das Uno-Hauptquartier in Bagdad sollen Militär- und Sicherheitsexperten in den nächsten Tagen erkunden, wie ausländische Uno-Mitarbeiter vor möglichen neuen Anschlägen geschützt werden können. Am 19. August vergangenen Jahres waren der Irak-Beauftragte der Uno, Sergio Vieira de Mello, und 21 weitere Uno-Mitarbeiter getötet worden.

Die USA hätten bereits Zustimmung signalisiert, hieß es bei der Uno in New York. "Washington will die Uno-Flagge lieber heute als morgen wieder in Bagdad wehen sehen", erklärte ein europäischer Uno-Diplomat.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan verlangt neben Sicherheitszusagen seitens der Besatzungsmächte USA und Großbritannien auch eine klare Vereinbarung über die künftigen Aufgaben im Irak. Ohne eine bedeutende politische Aufgabe könne er die Uno-Mitarbeiter nicht wieder den Gefahren in Bagdad aussetzen, sagte er. Kommenden Montag wird sich Annan mit dem provisorischen irakischen Regierungsrat und Vertretern der USA und Großbritanniens in New York treffen.

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