Irak-Krieg Saddams Berater ergibt sich den Amerikanern

Der irakische Präsidentenberater Amir al-Saadi hat sich den US-Soldaten in Bagdad gestellt. Damit hat sich erstmals ein Mitglied der irakischen Führung ergeben. US-Präsident Bush warnte indessen Syrien, flüchtenden Saddam-Vertrauten Hilfe zu gewähren.




Amer al-Saadi hat sich als erstes Mitglied der irakischen Führungsriege ergeben
AP

Amer al-Saadi hat sich als erstes Mitglied der irakischen Führungsriege ergeben

Bagdad/Washington - Al-Saadi gehört zu den 55 meist gesuchten Führungspersonen, nach denen die Amerikaner fahnden. Der mit einer Deutschen verheirateten Saadi habe ein ZDF-Team gebeten, ihn auf dem Weg zu den US-Soldaten zu begleiten, hieß es in einem Vorabbericht der "heute"-Redaktion am Samstag. Als die US-Truppen in die irakische Hauptstadt eingerückt seien, habe er sich in seinem Haus aufgehalten. Über das Schicksal des irakischen Präsidenten Saddam Hussein sei ihm nichts bekannt, sagte Saadi dem Bericht zufolge. Er betonte, dass der Irak nicht über biologische oder chemische Waffen verfüge. Der Präsidentenberater sagte, er fühle sich in keinerlei Hinsicht schuldig. Daher habe er sich auch freiwillig gestellt.

Der Chemie-Wissenschaftler al-Saadi war vor dem Krieg im Irak unter anderem Verhandlungspartner der Uno-Waffeninspekteure Hans Blix und Mohammed al-Baradei. Alle seine damaligen Aussagen und Angaben entsprächen der Wahrheit und hätten trotz der veränderten Situation weiterhin Gültigkeit, sagte er. Al-Saadi betonte, dass er weder Mitglied der Baath-Partei noch Mitglied des irakischen Geheimdienstes gewesen sei. Saddam Hussein hatte ihm den Rang eines Generals verliehen.

Bush warnt Syrien

George W. Bush warnte Syrien inzwischen, flüchtenden Angehörigen des irakischen Regimes Zuflucht zu gewähren. "Syrien muss verstehen, dass wir volle Zusammenarbeit erwarten", sagte Bush nach dem Besuch verletzter US-Soldaten in einem Krankenhaus bei Washington am Freitag. "Wir fordern Syrien dringend auf, keinem Mitglied der Baath-Partei, der Saddam-Familie oder Generälen Zuflucht zu gewähren." Falls sich bereits Mitglieder der irakischen Führung nach Syrien abgesetzt hätten, verlange Washington die Auslieferung, sagte Bush.

Nach Informationen der "Washington Times" ist eine Reihe führender irakischer Waffenexperten nach Syrien geflohen und will von dort möglicherweise nach Frankreich weiterreisen. Unter ihnen befinden sich nach Angaben der Zeitung Huda Sali Nahdi Ammasch, die den Spitznamen "Dr. Anthrax" trage, und Rihab Taha, beides Top- Wissenschaftlerinnen des biologischen Waffenprogramms. Ammasch steht auch auf der Liste der 55 gesuchten Spitzenkräfte.

Richard Perle hält die Drohkulisse gegen Syrien hoch

Richard Perle hält die Drohkulisse gegen Syrien hoch

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Syrien in der vergangenen Woche vorgeworfen, höher gestellten Irakern und ihren Familien bei der Flucht zu helfen und die Warnungen der USA vor einer Unterstützung des irakischen Regimes bewusst zu ignorieren. Dagegen bescheinigte der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage der Regierung in Damaskus, sie habe auf die US-Forderungen reagiert, das Regime von Saddam Hussein nicht zu unterstützen. Syrien habe seine Grenze zum Nachbarland Irak inzwischen geschlossen.

Scharfe US-Kritik an Syrien und Iran hatte die Befürchtung genährt, beide Länder könnten mögliche nächste Ziele von Angriffen der Vereinigten Staaten werden. Aussagen des amerikanischen Präsidentenberaters Richard Perle hatten diese Sorge am Samstag weiter genährt. Perle, Mitglied der verteidigungspolitischen Kommission des Pentagon, hat in einem Interview gedroht, Syrien könne zu einem Angriffsziel der USA werden, sollten in dem Land irakische Massenvernichtungswaffen gefunden werden.

Der "International Herald Tribune" sagte Perle, der auch als einer der Planer des Irakkriegs gilt, die USA müssten auf einen solchen Fund reagieren. "Zunächst würden wir von Syrien verlangen, dass sie alles abgeben, was in ihrem Besitz gelangt ist, um die Bedrohung zu beseitigen", ergänzte er. "Wenn das nicht geschieht, würde wohl keiner ausschließen wollen, dass wir die volle Breite unserer Möglichkeiten ausschöpfen."

Perle fügte hinzu, das US-Militär bereite sich derzeit zwar nicht für einen Feldzug nach dem Irak-Krieg gegen andere Länder vor, denen die USA ebenfalls die Unterstützung von Terrorismus und die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vorwerfen. "Die Botschaft an Syrien, den Iran, Nordkorea, Libyen sollte aber klar sein. Falls wir keine Alternative haben, sind wir bereit zu tun was notwendig ist, um Amerikaner und andere zu verteidigen."

Perle hatte kürzlich die Leitung des verteidigungspolitischen Beratungsgremiums abgegeben, war aber Mitglied der Pentagon-Runde geblieben.

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