Irak-Krieg USA beschuldigen Iran als Lieferant für Todeszylinder

Keine Waffe hat seit dem offiziellen Ende des Irak-Krieges mehr US-Soldaten getötet als der kleine Sprengzylinder am Straßenrand. Immer wieder sterben GIs durch die Sprengfallen der Milizen. Schuld daran ist aus Sicht der USA vor allem der Lieferant: Iran.


Washington - Von "tödlicher Unterstützung" spricht ein Geheimdienst-Bericht, aus dem die "New York Times" zitiert. Besondere Sorgen macht den US-Militärs ein Ergebnis des Straßenkampf-Wettrüstens, das derzeit im Irak tobt: Von "explosiven Durchschlagswaffen" ist die Rede - gemeint ist eine neuartige Bombe, die am Straßenrand platziert wird und gegen die selbst gepanzerte Fahrzeuge keinen ausreichenden Schutz bieten.

Die Apparatur verbreitet Angst und Schrecken unter den US-Truppen im Irak. Ihre Technik ist einfach, aber sehr effektiv - und sie erfordert viel waffentechnisches Know-How. Ein Infrarotsender, der wie ein Garagentor-Öffner funktioniert, löst die Waffe aus, sobald ein Fahrzeug daran vorbeifährt. Gefährlich ist der Sensor auch für US-Panzerwagen, weil er unempfindlich gegen die Störsender ist, die die Armee gegen ferngesteuerte Bomben einsetzt.

US-Soldatensärge: Indizien für Waffenhilfe aus Iran
REUTERS

US-Soldatensärge: Indizien für Waffenhilfe aus Iran

Der Sprengstoff schließlich ist in Metallzylindern untergebracht, die in beliebiger Zahl zusammengekoppelt werden können. Sie sind jeweils verschlossen mit einem speziell geformten Deckel, der die zerstörerische Wirkung der Druckwelle noch verstärkt, weil er gleichzeitig als panzerbrechendes Geschoss dient. Weder die schwer gesicherten Hummer-Geländewagen sollen ihm gewachsen sein. Selbst die häufig genutzten Abrams-Panzer könnten ihnen in Einzelfällen zum Opfer fallen.

Einen wirksamen Schutz haben die Waffenexperten der USA bislang nicht gefunden. Sie können lediglich ihre Kameraden zur Vorsicht aufrufen.

Immerhin haben die Verantwortlichen inzwischen einen Schuldigen ausgemacht, gegen den sie ihre ohnmächtige Wut richten können: Nach Überzeugung der US-Geheimdienste kann die heimtückische Waffe nur aus dem Iran stammen. Sichergestellte Bomben und Spuren in den Trümmern der angegriffenen Fahrzeuge lieferten die Indizien für diese These, schreibt die "New York Times". Ein Geheimbericht, der schon im Jahr 2006 angefertigt wurde, benenne explizit die iranischen Revolutionsgarden als Lieferanten für die Sprengfallen. Forensische Analysen hätten "Iran als Produzenten dieser Waffen ergeben".

Razzien und die Aussagen von gefangengenommenen Iranern und Irakern hätten Hinweise auf einen intensiven Schmuggelverkehr von Geld und Waffen vom Iran in den Irak ergeben. Ein Zeuge will auch einen Iraner identifiziert haben, der Komponenten der neuartigen Straßenrand-Bombe geliefert haben soll.

Weder die Technik, noch die Fabrikationsmittel, so glauben die Ermittler, seien im Irak zu finden. Hinzu komme, dass einige Komponenten der Bomben mit Beschriftungen aus iranischen Bombenfabriken gefunden worden seien.

Für James Danna, Chef eines Bataillons in Bagdad, ist die Waffe längst zur politischen Waffe geworden. "Sie werden verstärkt eingesetzt, wenn wir gegen die Schiiten-Milizen vorgehen", zitiert ihn die Zeitung. "Sie wollen uns von unserer Mission fernhalten, große Teile der Bevölkerung zu schützen."

Die Entwicklung haben bereits diplomatische Aktivitäten hinter den Kulissen ausgelöst, berichtet die "NYT" weiter. Über die Schweizer Botschaft in Teheran hätten US-Vertreter die Iranische Regierung aufgefordert, den Transfer von Militärtechnologie in den Irak zu stoppen. Die Britische Regierung habe sich in gleicher Weise geäußert.

Dennoch bauen die Offiziellen vor. Es werde versucht, das Problem auf diplomatischer und politischer Ebene zu lösen, zitiert die "NYT" einen Regierungsbeamten. Man wolle damit aber nicht die Grundlage für einen amerikanischen Angriff auf den Iran bereiten. Genau diesen Vorwurf hatte der iranische UN-Botschafter kürzlich in einem Artikel für die britische "Times" erhoben: Die Bush-Regierung versuche, "Iran zum Sündenbock zu machen und gefälschte Beweise für iranische Aktivitäten im Irak zu präsentieren".

mik



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