Irak-Krise Inspektoren finden erneut Chemiewaffen-Sprengkopf

Die Uno-Rüstungsinspektoren haben im Irak nach eigenen Angaben erneut einen leeren Chemiewaffen-Gefechtskopf entdeckt. Chefinspektor Hans Blix sprach eine eindringliche Warnung an die irakische Regierung aus: Es sei "fünf Minuten vor Zwölf".


Uno-Inspektoren im Irak: Erneut leeren Sprengkopf gefunden
DPA

Uno-Inspektoren im Irak: Erneut leeren Sprengkopf gefunden

Bagdad/New York - Die Waffeninspektoren fanden den Sprengkopf bei einer überraschenden Inspektion in der al-Tadschi-Munitionsfabrik nördlich von Bagdad. Es ist inzwischen offenbar der siebzehnte derartige Sprengkopf, der seit dem Fund von einem dutzend derartiger leerer Gefechtsköpfe für Chemiewaffen am 16. Januar aufgetaucht ist. Die irakische Führung hatte weitere derartige Entdeckungen damals nicht ausgeschlossen. Nach irakischer Darstellung handelt es sich dabei um versehentlich übersehene Reste aus den achtziger Jahren.

Uno-Chefinspektor Hans Blix warnte die Regierung in Bagdad, dass die Zeit zur Verhinderung eines Krieges rasch ablaufe. Bagdad müsse begreifen, dass "es fünf Minuten vor Zwölf ist", sagte Blix im Uno-Hauptquartier. Er werde die irakische Führung bei seinem Besuch am kommenden Wochenende in Bagdad noch einmal auffordern, umgehend versteckte Waffenarsenale zu offenbaren oder die behauptete Vernichtung dieser Waffen überzeugend zu beweisen.

"Ich glaube nicht, dass bereits eine endgültige Entscheidung über einen Kriegsbeginn gefällt wurde", sagte Blix. "Aber wir bewegen uns mehr und mehr darauf zu." Der Irak könne jedoch etwas tun, um zu verhindern, dass sich das "diplomatische Fenster" schließe. Wenn das Land tatsächlich keine Massenvernichtungswaffen mehr versteckt halte, dann sollten seine Verantwortlichen aktiv auf die Uno-Kontrolleure zugehen und zeigen, wo sie vernichtet worden sein sollen.

Pleuger glaubt an Mehrheit für weitere Inspektionen

Der deutsche Uno-Botschafter Gunter Pleuger rechnet mit einer großen Mehrheit im Weltsicherheitsrat für eine Fortsetzung der Uno-Waffeninspektionen im Irak. Einen Tag vor der Sicherheitsratssitzung, in der die USA Beweise für den Besitz Bagdads von Massenvernichtungswaffen vorlegen wollen, sagte Pleuger, nach seiner Schätzung werden "am Ende des Tages" zwischen elf und 13 Ratsmitglieder für die Fortsetzung der Inspektionen stimmen.

Die Auswertung der von den USA angekündigten Beweise brauche allerdings Zeit. Ihre Bedeutung könne wahrscheinlich nur von Experten richtig eingeschätzt werden, erklärte Pleuger.



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