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Bundeswehr-Mission im Irak: Kurden verlangen nach mehr Waffen

Aus Arbil berichtet

Peschmerga-Kämpfer im Nordirak: Wichtige Rolle beim Kampf gegen den IS Zur Großansicht
DPA

Peschmerga-Kämpfer im Nordirak: Wichtige Rolle beim Kampf gegen den IS

Für ihren Kampf gegen den "Islamischen Staat" bekamen die Kurden von der Bundeswehr Tausende Gewehre und auch "Milan"-Raketen. Jetzt drängen sie auf Nachschub. Wo die Waffen genau ankommen, entzieht sich aber der Kontrolle der Deutschen.

Die Führung der irakischen Kurden wünscht sich weitere deutsche Waffenlieferungen für den Kampf gegen den "Islamischen Staats" (IS).

"Wir haben bei den Deutschen in den vergangenen Wochen dringend um weitere Munition und um panzerbrechende Raketen vom Typ Milan gebeten", sagte ein Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der Kurden SPIEGEL ONLINE in der kurdischen Hauptstadt Arbil.

Bisher habe man aber noch kein Signal bekommen, ob der Wunsch erfüllt werde. Neue Waffenlieferungen aus Deutschland und anderen Nationen seien notwendig, damit die kurdischen Peschmerga den IS an der irakisch-syrischen Grenze weiter Widerstand leisten können. "Wir haben seit Monaten keine Waffen mehr bekommen, unsere Munitionslager leeren sich", sagte der Kurden-Funktionär.

Die bisherigen Lieferungen aus Deutschland, die in zwei Tranchen in den Nordirak gebracht worden waren, lobte er ausdrücklich: Kein anderes Land habe die autonome Region im Norden des Landes so schnell und mit so effektiven Waffen ausgestattet. Erst im Juli hatte die Bundeswehr weitere 500 Lenkflugkörper für das panzerbrechende "Milan"-Raketensystem nach Kurdistan geliefert.

Die Bundesregierung zeigt sich offen für die Wünsche. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, vorliegende Anfragen nach Munition für das Sturmgewehr G36 würden derzeit geprüft. Zudem wünschten die Kurden Schutzmaterial für mögliche Angriffe mit chemischen Kampfstoffen. Bereits geplant ist die Lieferung von Winterkleidung für die Peschmerga.

Wehrressort zu weiterer Hilfe bereit

Die Bundeswehr hat bisher 20.000 Gewehre, 60 panzerbrechende "Milan"-Abschusssysteme mit 1000 Lenkflugkörpern, 200 Panzerfäuste und Munition geliefert. Deutschland hatte sich zu den Waffenlieferungen durchgerungen, als der IS im Herbst 2014 die kurdische Autonomiezone zu überrennen drohte. Das bisherige Tabu, keine Waffen in Krisen- und Kriegsgebiete zu liefern, war damit Vergangenheit.

Derzeit beraten Auswärtiges Amt (AA) und das Verteidigungsministerium, ob und was den Kurden kurzfristig an zusätzlichem Militärmaterial zur Verfügung gestellt werden kann. Aus dem Wehrressort hieß es, man sei zu weiterer Hilfe bereit, da die Kurden mit ihrem Einsatz eine wichtige Rolle beim Kampf gegen den IS leisten. Ende des Jahres wird Kurden-Präsident Masud Barsani in Berlin erwartet.

Besonders die "Milan"-Raketen gelten bei den Kurden als effektiv, da man mit den Lenkflugkörpern gepanzerte Fahrzeuge des IS, dort als "Mad-Max-Panzer" bekannt, aus großer Entfernung bekämpfen kann. 59 deutsche "Milan"-Systeme sind an den Stellungen entlang der rund 1000 Kilometer langen Frontlinie entlang der irakisch-syrischen Grenze stationiert, ein System wurde bei einem Mörserangriff zerstört.

Was mit den Waffen passiert, kann nicht geprüft werden

Kommt es zu neuen Lieferungen, dürfte die politische Debatte um die Waffenhilfe erneut aufflammen. Bis heute ist fraglich, wo die deutschen Waffen ankommen und wie die Kurden sie einsetzen. Auch die Bundeswehr hat nur einen groben Überblick über den Verbleib. Sie muss den kurdischen Militärführern vertrauen, dass die deutschen Waffen nicht in falsche Hände fallen.

Für die Grünen lehnte der Außenpolitiker Omid Nouripour, der gerade von politischen Gesprächen aus Arbil zurückgekehrt ist, den Nachschub wegen der vielen offenen Fragen ab. "Die Regierung kann bisher nicht nachweisen, was mit den bereits gelieferten Gewehren passiert ist", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Jetzt noch mal nachzulegen, wäre falsch", so Nouripour.

Parallel zu den Waffenlieferungen hat die Bundeswehr in Arbil mit anderen Nationen bereits rund 4000 Peschmerga-Kämpfer in Infanterie- Kursen ausgebildet. In den fünfwöchigen Kursen erhalten die Kämpfer Basiswissen in Taktik und lernen die Benutzung der deutschen Waffen. Auch ein Kursus für mögliche Angriffe des IS mit chemischen Waffen wurde ins Programm aufgenommen.

Probleme mit der Bezahlung der Peschmerga

Aus deutscher Sicht gilt das Training als Erfolg, die Peschmerga würden an der Front nicht mehr so viele Soldaten bei Kämpfen verlieren. Aus der defensiven Truppe von rund 120.000 Mann eine schlagkräftige Armee zu machen, sei allerdings noch ein langer Weg.

Die Bundeswehr ist derzeit mit rund 35 Ausbildern in Arbil stationiert, insgesamt sind rund 315 Ausbilder aus verschiedenen Nationen im Nordirak aktiv. Im Dezember will die Bundeswehr die Führung der Trainingsmission von Italien übernehmen, dann müsste vermutlich die bisher geltende Obergrenze von 100 Mann für die deutsche Auslandsmission leicht angehoben werden.

Probleme gibt es vor allem mit der Bezahlung der Peschmerga durch die kurdische Autonomieregierung. Der Sold für die vergangenen Monate kam nur spärlich, heiß es in Arbil. Bislang haben die Kämpfer erst das Juli-Gehalt erhalten. Deutschland befürchtet, dass die Motivation der kurdischen Kämpfer durch den ausbleibenden Sold beeinträchtigt werden könnte.

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Matthias Gebauer ist Chefreporter von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Matthias_Gebauer@spiegel.de

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1. Kurden helfen oder selbst eingreifen!
guevara2000 25.09.2015
An alle Pazifisten. Wenn Sie glauben, dass der IS mit sich verhandelt lässt, dann schauen sie sich einige Videos auf liveleak an. Die Kurden sind die einzige moderate Gruppe im Nahen Osten, die sich erfolgreich gegen den IS gestellt haben. Entweder müssen wir sie weiterhin militärisch unterstützen oder die NATO muss selbst in die Region einmarschieren und die ISIS beseitigen. Denn sie ist eine Bedrohung für die ganze Welt. Die Kurden wurden seit dem ersten weltkrieg vom Westen immer wieder hintergangen. Arabische und türkische Regierungen haben sie verfolgt und unterdrückt. Es ist nicht verwunderlich, dass Kurden als einzige Nation nicht davon rennen und für ihre Heimat kämpfen.
2. Geht das wieder los
syn4ptic 25.09.2015
Der Absatz über den Verbleib der Waffen ist etwas geschönt finde ich. Das sollte der Spiegel aber selbst am Besten wissen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehr-waffen-moeglicherweise-in-haende-der-pkk-gelangt-a-1018355.html Fangen wir jetzt schon wieder an fleckige Wände weiß zu tünchen? Aber falls die eigene Quelle nicht reicht: http://www.sueddeutsche.de/politik/medienbericht-pkk-will-deutsche-waffen-erhalten-haben-1.2351096 Und zu den Kurden selbst gibts auch noch etwas: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-02/kurden-nordirak-waffen-araber-deutschland-omid-nouripour-gruene Wie schon so oft gesagt wurde, hat es in den letzten Jahrzehnten auch noch nie funktioniert Gruppe "Freund A" gegen Gruppe "Feind B" aufzurüsten um damit irgendetwas zu beenden. Am Ende des Tages ist nämlich dann aus der eigens bewaffneten Gruppe "Freund A" auf einmal Gruppe "Feind A" geworden. Dann beginnt das Spiel von neuem, indem man "Freund C" gegen "Feind A" aufrüstet. Solange aber damit Geld verdient wird, wird sich dort auch nichts ändern. Ganze Industriezweige leben von den Konflikten dieser Welt.
3. Für mich ...
lillime2 25.09.2015
... ein weiterer Grund die Grünen nicht mehr zu wählen. Wo sollen die Waffen denn schon landen. Und wenn sie bei der PKK landen, na und. Die kämpfen und sterben meines Wissens auch gegen die ISIS im Moment. Ich kann diese "böse" und "gute" Kurden Einteilung sowieso nicht verstehen. Die Peshmerga sind vor ISIS geflohen im Singal und haben das Genozid erst mit ermöglicht. Die PKK ist einvesprungen. Kurden sind Kurden und man sollte ihnen dankbar sein.
4. Ich weiß ja nicht...
goinz 25.09.2015
Menschen in Dauer-Konfliktgebieten zu Kämpfern auszubilden und mit Waffen zu versorgen scheint mir eine bescheuerte Idee, und die Vergangenheit gibt mir da wohl recht. Europa hat doch so eine tolle Armee, warum nicht endlich mal selbst vor Ort sein, anstatt die Krisen der Zukunft zu subventionieren?
5. Waffen in Krisengebiete
kein_freiburger 25.09.2015
so wie die Amerikaner. Zahlen tut der deutsche Steuerzahler. Alternativlos. Dem IS werden sicher auch solche Waffen in die Hände fallen. Die werden sich ob der Qualität genauso wie die Kurden freuen. Und wenn es dann hier in D auch Terroranschläge geben wird werden sich alle wundern und fragen "wie kann das auch sein, wir haben doch NICHTS getan außer Waffen geliefert". Naja, unsere Politclowns und Manager tun alles dazu D an die Wand zu fahren. Die VSA und Andere freuts. Aber Hauptsache Frau Oberwichtig jettet nach New York um dort eine Rede bei den Vereinten Nationen zu halten. Gaaaanz wichtig, anderen sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Verantwortung überneeehmen. Zumindest mit der großen Klappe. Ausbaden dürfen es dann die deutschen Bürger.
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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