Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Irak-Krise: Kurden kontrollieren Kirkuk

Irakische Sicherheitskräfte beim Rückzug aus Kirkuk: "Die irakische Armee gibt es hier nicht mehr" Zur Großansicht
REUTERS

Irakische Sicherheitskräfte beim Rückzug aus Kirkuk: "Die irakische Armee gibt es hier nicht mehr"

Die irakische Stadt Kirkuk wird "das Jerusalem der Kurden" genannt, nun haben kurdische Truppen auch die Kontrolle über den Ort übernommen. Die Regierungsarmee hat sich zurückgezogen.

Kirkuk - Die irakische Armee ist im Norden des Landes weiter auf dem Rückzug. Nach der Millionenmetropole Mossul haben die Regierungstruppen nun auch Kirkuk aufgegeben. Die Stadt ist das Zentrum der Erdölindustrie im Irak. Etwa ein Fünftel der landesweiten Vorkommen liegen hier.

Nach eigenen Angaben haben die Peschmerga, die Sicherheitskräfte der Autonomen Region Kurdistan, die Stadt mit ihren knapp einer Million Einwohnern vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. "Ganz Kirkuk ist uns in die Hände gefallen. Die irakische Armee gibt es hier nicht mehr", sagte der Peschmerga-Sprecher Dschabbar Yawar.

In den vergangenen Tagen hatte die Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) die zweitgrößte irakische Stadt Mossul und weitere strategische Orte erobert. Isis kämpft auch gegen die Regierung im benachbarten Syrien und will die eroberten Gebiete über die Grenze hinweg zu einem islamischen Staat verschmelzen.

In Kirkuk gebe es bisher keine Anzeichen für einen Isis-Angriff, sagte Yawar. Jeder Vorstoß der Dschihadisten werde jedoch zurückgeschlagen. "Wir sind nicht Mossul", sagte der Peschmerga-Sprecher.

Die irakische Regierung hatte angekündigt, zusammen mit der Regionalregierung in Kurdistan die Rebellen zu bekämpfen. Das Parlament in Bagdad soll am Donnerstag über einen Antrag von Ministerpräsident Nuri al-Maliki abstimmen, den Ausnahmezustand zu verhängen.

Iraks Armee meldet Rückeroberung von Tikrit

Die Machtübernahme der Kurden in Kirkuk ist deshalb bemerkenswert, weil die Stadt für das kurdische Volk eine besondere Bedeutung hat. Die Autonomiebehörde beansprucht den seit Jahrtausenden bewohnten Ort für sich, ihre Führung bezeichnet Kirkuk als das "Jerusalem der Kurden".

Neben den Kurden leben Turkmenen und Araber in der Stadt. Exdiktator Saddam Hussein förderte den Zuzug arabischer Sunniten, um den kurdischen Einfluss in dem strategisch wichtigen Ort einzudämmen.

Nach dem Sturz des Regimes sollten eigentlich 2007 die Bewohner in einem Referendum darüber entscheiden, ob Kirkuk der Autonomen Region Kurdistan zugeschlagen wird. Die Abstimmung ist seither jedoch immer wieder verschoben worden. Streitpunkt ist unter anderem, ob Kurden, die seit 2004 zugezogen sind, an dem Entscheid teilnehmen dürfen.

Aus dem weiter südlich gelegenen Tikrit meldete das irakische Staatsfernsehen dagegen Erfolge der Regierungstruppen. Am Donnerstag habe die Armee die Stadt aus den Händen der Isis zurückerobert, hieß es. Eine unabhängige Bestätigung hierfür gab es zunächst aber nicht.

Unruhen im Irak

syd/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Eroberung Kirkuks
tandorai55 12.06.2014
scheint eine der wenigen guten Nachrichten zu sein. Letztlich muß alles begrüßt werden, was den ISIL-Kämpfern Widerstand entgegenbringt. Erinnern sollten wir allerdings die Mit-Finanziers des ISIL-Terrors: Die Saudis, die von uns mit Waffen versorgt werden und die sich langsam aber sicher die Rosinen vom Industriekuchen Europas picken, fördern nach Kräften jene Bewegungen, die sich gegen nicht-sunnitsche Regierungen stellen. Seien es die in Syrien (auch wenn die dortige Regierung alawitisch geprägt ist, ist sie doch inniger Feind der Sunna) oder die im Iran. Erstaunlich, dass wir nichts von iranischen Reaktionen auf das Erstarken des "Erzfeindes im Westen" lesen. Aber vermutich wird Teheran nicht völlig tatenlos zuschauen, jedenfalls nicht auf lange Sicht. Und wieder hat der Westen mit seinem Modell von Demokratie und Menschenrechten gloriosen Schiffbruch erlitten. Es ist zum Ko...n!
2. Ich gebe zu...
Max_Mustermann 12.06.2014
Dass mich die fülle der Kriegsbilder aus dem Irak oder anderen Krisenregionen langsam abstumpfen lassen. Aber jedes mal wenn Kinder dargestellt sind (Siehe Fotostrecke Nummer 7), läuft mir ein kalter Schauer den Rücken runter und ich muss an meine Kinder denken. Was müssen diese unschuldigen Geschöpfe mit mitmachen. Was für Ängste müssen die durchstehen, nur weil andersdenkende nicht miteinander friedlich leben können....Was für eine kranke Welt!
3. Kurdistan
fritzyoski 12.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDie irakische Stadt Kirkuk wird "das Jerusalem der Kurden" genannt, nun haben kurdische Truppen auch die Kontrolle über den Ort übernommen. Die Regierungsarmee hat sich zurückgezogen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-kurden-uebernehmen-kontrolle-ueber-oel-stadt-kirkuk-a-974705.html
Die Kurden werden die Schwaeche der Marionetten Regierung und die Feigheit der Irakischen Armee zu nutzen wissen und ihren eigenen Staat aufziehen. Die wissen jetzt naemilich was fuer Weicheier die Irakische Armee sind, beim ersten Anzeichen von Unruhen schmeissen die ihre Uniformen weg und desertieren. Die Peschmerga sind da wesentlich haerter und die Isis auch. Hilfsgelder aus den USA absahnen da ist die Zentralregierung allerdings ganz gross, da macht Maliki niemand etwas vor. Das Geld wird dann an seine Freunde die Schiiten weitergeleitet. Klar das dass Fass dann irgendwann mal ueberlaueft wenn die Suniten und Kurden die Nase voll haben. Schon aus diesem Grund allein kann Demokratie im Irak niemals funktionieren, denn es gibt im dem Sinne keine Iraker sonder nur Suniten, Schiiten, Kurden und was da sonst noch rumlaueft.
4. Isis
nva 12.06.2014
Wenn alle sog. demokratische (auch nichtdemokratische) Kräfte nicht aufpassen, wird es sehr bald die Region in noch größerem Chaos fallen. Ich kann nur nicht verstehen, dass alle die Augen verschliessen und die Unterstützer der ISIS noch mit Waffenexporte usw. helfen (Geld stinkt eben nicht?). Es wird bloss später uns teuer zu zahlen sein (Krieg, Terror, Mord, Unterdruckung...). Saudische Staatsterroristen sind wohl zu reich um nichthoffähig zu sein?! Die nächsten Probleme werden hausgemacht.
5. Das zögerliche Verhalten der Westmächte
wiedumirsoichdir 12.06.2014
in der Ukraine-Krise war ein Lehrstück für jene, die ein politisches Vakuum ausnützen wollen und können. Letztendlich haben die SISI's-Gruppen von irgend einer Seite Rückendeckung. Parallel spielt sich dasselbe bereits in Lybien ab. Flächenbrand ist vorprogrammiert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Terror im Irak: Islamisten ziehen Türkei in den Dschihad

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: