Peschmerga Kurdische Kämpfer greifen IS im Nordirak an

Der "Islamische Staat" gerät erneut in die Defensive. Im Norden des Irak starteten kurdische Peschmergakämpfer offenbar einen Angriff auf die Islamisten. Er soll der Auftakt für eine Rückeroberung der IS-Hauptstadt Mossul sein.

Peschmerga-Kämpfer im Nordirak (2015)
DPA

Peschmerga-Kämpfer im Nordirak (2015)


Im Norden des Irak haben kurdische Peschmerga-Kämpfer offenbar eine Offensive gegen den "Islamischen Staat" begonnen. Der Vorstoß habe am frühen Sonntagmorgen nach heftigem Artilleriebeschuss und mehreren Luftangriffen begonnen, berichtete ein Reuters-Korrespondent aus der Ortschaft Wardak, etwa 30 Kilometer südöstlich von der Millionenstadt Mossul entfernt. In einiger Entfernung waren schwarze Rauchwolken zu sehen. Möglicherweise verbrannten die Islamisten Autoreifen, um Flugzeugbesatzungen die Sicht zu nehmen.

Aus der kurdischen Verwaltung verlautete, mit der Aktion der Peschmerga-Kämpfer werde die Offensive auf Mossul vorbereitet. Mossul ist seit der Einnahme durch den IS vor zwei Jahren faktisch die Hauptstadt der Extremisten im Irak. Dort hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ein sogenanntes Kalifat im Irak und Syrien ausgerufen. Ministerpräsident Haider al-Abadi hat angekündigt, Mossul noch in diesem Jahr einzunehmen. Damit wäre der IS zumindest im Irak nach seiner Ansicht praktisch besiegt.

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Die irakische Armee und Peschmerga-Einheiten der autonomen Kurdenregion bauen gerade ihre Stellungen rund um Mossul aus. Bereits im Juli nahmen Regierungstruppen den Flugplatz Kajara südlich der Großstadt ein, wo die meisten Einsatzkräfte für die Offensive zusammengezogen werden sollen. Beim Kampf gegen den IS wird der Irak auch von einer internationalen Koalition unter Führung der USA unterstützt. Deutschland hilft den Peschmerga mit Ausbildern und Waffen.

Auch in Syrien gerät der IS zunehmend in Bedrängnis. Im Norden des Landes vertrieben Rebellen die Islamisten aus der strategisch wichtigen Stadt Manbidsch an der Grenze zur Türkei. Am Samstag kehrten Tausende Bewohner dorthin zurück. Hunderte Autos und andere Fahrzeuge brachten die Familien, die sich während der Offensive in den vergangenen beiden Monaten in Lager im Umland zurückgezogen hatten, wieder in die Ortschaft.

"Die Geschäfte öffnen wieder. Heute ist der erste Tag, an dem das Leben wieder zur Normalität zurückkehrt", sagte Schafan Darwisch, Sprecher der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF). Auf Bildern waren feiernde Familien zu sehen. Männer rasierten ihre Bärte ab, Frauen verbrannten ihre Gesichtsschleier. Die Rückeroberung von Manbidsch dürfte den Weg für einen Angriff auf die IS-Hochburg Rakka bereiten.

In der weiterhin heftig umkämpften syrischen Stadt Aleppo und ihrer Umgebung wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 51 Zivilisten getötet, darunter vier Kinder. Bei Angriffen der syrischen Luftwaffe auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil Aleppos seien am Samstag 15 Menschen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Neun Menschen starben den Angaben zufolge bei russischen und syrischen Luftangriffen im von Damaskus kontrollierten Westteil durch Beschuss der Rebellen. 27 weitere Zivilisten wurden bei russischen und syrischen Luftangriffen auf drei Städte und ein Dorf im Westen der gleichnamigen Provinz getötet.

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Syrer in Manbidsch: Die Freude der Befreiten

dab/Reuters/AFP

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