Bagdad - Schluss mit den Fahndungen, Schluss mit den Razzien. Nuri Al-Maliki erklärte heute bis auf weiteres den Stopp der Offensive. Seine Begründung für diesen Schritt: Die Regierung wolle damit Kämpfern die Gelegenheit geben, ihre Waffen niederzulegen. Die Mahdi-Armee des radikalen Predigers Muktada al-Sadr erwähnte er jedoch nicht direkt.
Sadr hatte seine Miliz bereits am vergangenen Sonntag aufgefordert, die Kämpfe zu beenden. Am Donnerstag forderte er die Regierung auf, ihrerseits die Aktionen gegen seine Leute zu beenden und das Blutvergießen einzustellen. Die Sadr-Bewegung sei bereit, der Regierung zu helfen, Armee und Polizei von Anhängern des alten Saddam-Regimes, von Terroristen und Partei-Milizionären zu "reinigen", hieß es in einer Erklärung des Schiiten-Führers. Er forderte auch ein Ende der Festnahmen und die Freilassung aller seiner Anhänger, die ohne Anklage festgehalten wurden.
Kehrtwende im Umgang mit Al Sadr
In Malikis Erklärung steht nichts über die Mahdi-Armee und auch nichts über einen Zeitpunkt für den Stopp der Offensive. Es handele sich um eine Initiative, um "denen, die bereuen, Gelegenheit zu geben, ihre Waffen niederzulegen".
Vergangene Woche waren Basra und andere südirakische Städte von schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Anhängern Sadrs erschüttert worden. Malikis Erklärung bedeutet auch eine Kehrtwende in seinem Vorgehen gegen Sadrs Anhänger. Noch am Donnerstag hatte er erklärt, er wolle Razzien in Sadrs Bagdader Hochburg Sadr City durchführen lassen. Sadrs Anhängern in Basra gab er bis zum 8. April Zeit, ihre schweren Waffen abzugeben. Heute wiederholte er dieses Ultimatum jedoch nicht.
Viele irakische Soldaten hatten während der zehntägigen Offensive gegen die Miliz den Befehl verweigert. Unter ihnen waren Schiiten, die nicht auf "schiitische Brüder" hatten schießen wollten und Soldaten, die mögliche spätere Racheakte der Milizionäre fürchteten.
Eine irakische Schiiten-Partei erklärte heute, Iran habe zum Ende der Kämpfe beigetragen. Die Regierung in Teheran habe den Weg für eine Rückkehr zum Frieden im Irak geebnet, sagte Mohsen Hakim, Berater und Sohn des Chefs des Obersten Islamischen Rats, Abdul Asis al-Hakim, der iranischen Nachrichtenagentur Mehr. Ein führender irakischer Abgeordneter sei am Freitag vergangener Woche zu Gesprächen im Iran gewesen.
15 Tote bei Selbstmordanschlag
Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Begräbnis nördlich von Bagdad wurden mindestens 15 Menschen getötet. Nach Polizeiangaben sprengte sich der Attentäter bei der Trauerfeier für einen sunnitischen Polizisten in Sadija in der Provinz Dijala in die Luft. Sadija liegt rund hundert Kilometer nördlich von der Hauptstadt. Acht Trauernde seien verletzt worden.
ler/AP/dpa/Reuters
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