Überraschendes Bündnis im Irak Kleriker Sadr und proiranischer Milizenführer Amiri schmieden Allianz

Der schiitische Geistliche al-Sadr hat die irakischen Parlamentswahlen gewonnen. Im Wahlkampf hatte er noch einen Anti-Iran-Kurs verfolgt - nun macht er mit dem Statthalter Teherans gemeinsame Sache.

Muqtada al-Sadr und Hadi al-Amiri
REUTERS

Muqtada al-Sadr und Hadi al-Amiri


Spektakuläre Wendung: Der Wahlsieger der Parlamentswahl im Irak, der schiitische Geistliche Muqtada al-Sadr, hat ein Bündnis mit dem zweitplatzierten früheren Milizenführer Hadi al-Amiri angekündigt. Ein solcher Pakt galt vor dem Votum als ausgeschlossen.

Sein Marsch für Reformen und Ameris Eroberungsallianz hätten ein "echtes Bündnis" gebildet, "um die Bildung einer nationalen Regierung frei von jedem Dogmatismus voranzutreiben", kündigte Sadr nun jedoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ameri in der Stadt Nadschaf an.

"Dies ist ein Aufruf an all jene, denen es um nationale Interessen geht", sagte Amiri. Er kündigte die Bildung von Ausschüssen an, die "mit allen" über Wege zur Ausarbeitung eines Regierungsprogramms diskutieren würden.

Die Ankündigung eines Bündnisses zwischen dem nationalistischen Kleriker Sadr und dem proiranischen Amiri ist unter anderem deshalb überraschend, da Sadr strikt gegen einen iranischen Einfluss im Irak ist. Er hatte zuvor klar kommuniziert, nicht mit Amiri zusammenarbeiten zu wollen. Durch die Bildung einer Koalition mit Amiri kommt Sadr einer Mehrheit im 329 Sitze zählenden Parlament näher.

dop/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Markus Frei 13.06.2018
1.
Sorry, aber der "schiitische Geistliche" al-Sadr ist der, welcher strikt gegen iranischen Einfluss ist, Amiri ist der Pro-Iranische Part. Ja, ich weis, das ist ziemlich verwirrend, aber in der Region ist nie etwas so wie es scheint.
PeaceNow 13.06.2018
2. Pragmatismus
denn über 2/3 der Iraker sind Schiiten und der Iranische Einfluss auf den Irak wird bestehen bleiben, nicht nur wegen der überwiegend selben Religion, sondern weil der Iran auch einer der größten irakischen Handelspartner und investoren ist, sowie großen Anteil an der Stabilisierung des Iraks und der Bekämpfung von Daesh geleistet hat. Sadr ist und bleibt aber ein Nationalist, der den Iran zwar auch als Verbündeten, Freund und Partner ansieht, aber auf die irakische Unabhängigkeit und Souveränität pocht und kein Satelit Irans sein will.
Heinrich52 13.06.2018
3. Wie ich vorausgesehen habe
Wird der Präsident Iraks der Schiiute ist sich mit Iran verbündet. Irak wurde von Europäern und USA von der IS befreit und nun verliert man Irak an den Iran und sieht wie gefährlich der Iran ist und stetig seine Vormachtstellung auf Kosten ihres Volkes im Nahen Osten ausweitet. Aber unsere Politiker sind blind und sehen das nicht. Dank Trump wird durch Saudi Arabien und Israel unter mithilfe der USA verhindert.
Heinrich52 13.06.2018
4.
Zitat von Markus FreiSorry, aber der "schiitische Geistliche" al-Sadr ist der, welcher strikt gegen iranischen Einfluss ist, Amiri ist der Pro-Iranische Part. Ja, ich weis, das ist ziemlich verwirrend, aber in der Region ist nie etwas so wie es scheint.
Das hat al-Sadr taktisch so gemacht,um gewaält zu werden aber er ist Schiit hasst die Sunniten und übrigens sind liegen die Schiitischen Heiligtümer im Irak so wird er sich mit Iran verbünden. Der nächste Krieg ist vorprogrammiert. Man behauptet dass die Wahl im Irak manipuliert wurde und verlangt eine Neuauszählung aber man hat kurzerhand die Wahzettel verbrannt. Im Irak leben meist Sunniten und die werden sich gegen eine Verbindung mit dem Iran welcher der Erzfeind ist widersetzen.
klmo 13.06.2018
5.
Zitat von Heinrich52Das hat al-Sadr taktisch so gemacht,um gewaält zu werden aber er ist Schiit hasst die Sunniten und übrigens sind liegen die Schiitischen Heiligtümer im Irak so wird er sich mit Iran verbünden. Der nächste Krieg ist vorprogrammiert. Man behauptet dass die Wahl im Irak manipuliert wurde und verlangt eine Neuauszählung aber man hat kurzerhand die Wahzettel verbrannt. Im Irak leben meist Sunniten und die werden sich gegen eine Verbindung mit dem Iran welcher der Erzfeind ist widersetzen.
Im Irak leben etwa 60% Schiiten und ca. 35% Schiiten. Wenn ein schiitischer Geistlicher das gewählte politische Oberhaupt wird, dann ist die Nähe zum Gottesstaat Iran vorprogrammiert. Solange Religion und Staat auch dort nicht getrennt sind, kann man alles vergessen. Sollen die Iraker selbst damit klar kommen. Raushalten aus dem Vorderen Orient und machen lassen. Wer entsprechend wählt, der soll auch in eigener Regie mit den erwarteten Rahmenbedingungen klar kommen.
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