Forderung aus Bagdad Nato soll Türkei zum Rückzug aus dem Irak drängen

Die Türkei weigert sich beharrlich, ihre rund 150 Soldaten und 20 Panzer aus dem Irak abzuziehen. Die Regierung in Bagdad ist darüber erbost - und fordert nun die Nato auf einzugreifen.

Irakischer Premier: "Die Nato muss ihre Autorität einsetzen"
AFP

Irakischer Premier: "Die Nato muss ihre Autorität einsetzen"


Eigentlich sollte die türkische Armee ihre rund 150 Soldaten bis Dienstagabend aus dem Nordirak abziehen. Doch dieses Ultimatum ist ergebnislos verstrichen. Die Regierung in Bagdad hat deshalb nun die Nato aufgefordert, Druck auf ihr Mitgliedsland Türkei auszuüben.

"Die Nato muss ihre Autorität einsetzen und die Türkei dazu drängen, dass sie ihre Truppen sofort von irakischem Territorium zurückzieht", sagte Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi nach Ablauf des Ultimatums an Ankara. Er habe diese Forderung Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in einem Telefonat persönlich übermittelt.

Zuvor hatte das Kabinett in Bagdad Abadi beauftragt, alle notwendigen Schritte gegen "die Verletzung der irakischen Souveränität" zu unternehmen. Die Grenzen des Landes seien eine rote Linie, deren Überschreitung nicht geduldet werde.

"Derzeit gibt es keinen Abzug"

Auslöser des Konfliktes sind rund 150 Soldaten, die Ankara mit mindestens 20 Panzern in den Nordirak geschickt hatte. Sie bilden dort sunnitisch-arabische Milizen für den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) aus. Die türkische Regierung beharrt darauf, dass die Soldaten mit Einverständnis des Iraks dort eingesetzt sind. Die Regierung in Bagdad dementiert das vehement.

Unterstützung erhält der Irak von Russland: Es sei nicht hinnehmbar, dass sich die Soldaten ohne Einwilligung der irakischen Regierung in der Region Mossul aufhielten, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Das Verhältnis des Kreml zu Ankara ist wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe äußerst gespannt.

Trotzdem zeigt die Türkei bislang keine Bereitschaft zum Einlenken. "Derzeit gibt es keinen Abzug", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach Angaben des Senders CNN Türk. Es würden aber auch keine neuen Truppen eingesetzt. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, er plane "sobald wie möglich" eine Reise nach Bagdad.

syd/dpa/Reuters

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