Irak-Pläne US-Armee will Sunniten gegen al-Qaida bewaffnen

Weil die Aufstockung der eigenen Truppen nur mäßig erfolgreich war, hat die US-Armee einen neuen Plan, um die Gewalt im Irak einzudämmen. Sunniten sollen im Kampf gegen Qaida-Kämpfer bewaffnet werden. Doch Militärexperten warnen vor dieser Strategie.


Washington - US-Befehlshaber testeten die neue Strategie bereits in der Provinz Anbar, berichtet die "New York Times". Die Amerikaner führten schon Gespräche mit Sunniten-Gruppen in mindestens vier Gebieten im Zentrum des Landes. Das "Anbar-Modell" sieht vor, sunnitische Araber mit Waffen zu unterstützen, die versprochen haben, gegen Kämpfer mit Verbindungen zu al-Qaida vorzugehen. Einige der Sunniten hätten der Terrororganisation selbst nahe gestanden oder seien an Anschlägen gegen US-Soldaten beteiligt gewesen.

US-Soldaten im Irak: Bald durch bewaffnete Sunniten ersetzt?
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US-Soldaten im Irak: Bald durch bewaffnete Sunniten ersetzt?

Doch gegen die neue US-Strategie gibt es schon jetzt viel Kritik. Das "Anbar-Modell" könne dazu führen, dass die Amerikaner beide Seiten eines künftigen Bürgerkriegs bewaffneten, warnen auch US-Offiziere. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Sunniten die ihnen zur Verfügung gestellten Waffen gegen Schiiten oder gegen amerikanische Soldaten einsetzen.

Die Amerikaner hatten im März eine groß angelegte Sicherheitsoffensive im Irak gestartet, die jedoch nicht erfolgreich war. Trotz einer Verstärkung der Truppen um 30.000 Mann hatte es kein Ende der täglichen Gewalt durch Anschläge gegeben. So war der Mai mit 127 getöteten Soldaten einer der verlustreichsten Monate für die US-Truppen seit ihrem Einmarsch 2003. Nur im April und November 2004 starben dort noch mehr US-Militärangehörige. Für den Aufbau der irakischen Armee und Polizei gab Washington außerdem über 15 Milliarden Dollar aus. Die meisten der 350.000 Sicherheitskräfte sind Schiiten.

Die "Washington Post" hatte gestern gemeldet, die US-Armee erwäge ihre derzeit im Irak stationierten 150.000 Soldaten ab Mitte 2008 auf ein Kontingent von etwa 50.000 zu verringern. Diese Soldaten sollen dann für mehrere Jahre vor Ort bleiben, berichtete das Blatt unter Berufung auf ranghohe Offiziere und Militärexperten. Die US-Truppen im Irak bestünden dann aus vier Komponenten, von der die größte eine 20.000 Soldaten starke, hauptsächlich für die Sicherheit der irakischen Regierung zuständige Infanteriedivision sein solle. Das Weiße Haus erklärte dazu, ein Truppenabzug hänge von den Bedingungen vor Ort ab.

Laut "Washington Post" sollen die 50.000 verbleibenden Soldaten 10.000 Soldaten einschließen, die die irakischen Sicherheitskräfte ausbilden und beraten. 10.000 weitere Armeeangehörige sollen für Logistik und Befehlsgewalt eingesetzt werden. Hinzu kämen Sondereinsatzkräfte für den Kampf gegen das Qaida-Netzwerk.

als/AFP

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