Irak Premier Brown holt die Truppen heim

Mehr als die Hälfte der britischen Soldaten werden in den kommenden Monaten aus dem Irak abgezogen - das kündigte Premierminister Brown im Unterhaus an. Anfang 2008 sollen dann nur noch 2500 Briten im Süden des Landes sein.


Hamburg/London - Der treueste Verbündete Washingtons zieht sich langsam zurück - und lässt die Amerikaner allein: Großbritannien wird nach Angaben von Premierminister Gordon Brown die Zahl seiner Soldaten im Irak weiter reduzieren. Anfang 2008 sollten dann noch 2500 Briten im Süden des Landes stationiert sein, sagte Brown in einer mit Spannung erwarteten Rede im Unterhaus in London. Danach werde über weitere Truppenreduzierungen entschieden.

Premier Brown im Irak: Der Truppenrückzug beginnt
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Premier Brown im Irak: Der Truppenrückzug beginnt

Derzeit sind rund 5500 britische Soldaten im Irak stationiert. Bis zum Jahresende sollen 1000 von ihnen nach Hause geholt werden. Der Labour-Politiker kündigte finanzielle Hilfe für die irakischen Mitarbeiter der Streitkräfte an, damit diese entweder umziehen oder das Land verlassen könnten.

Großbritannien werde die Provinz Basra in zwei Phasen an irakische Sicherheitskräfte übergeben und seine Pflichten gegenüber der internationalen Gemeinschaft und der Bevölkerung im Irak erfüllen, sagte Brown. Während seines Besuchs in Bagdad hatte er in der vergangenen Woche bereits bekanntgegeben, die britischen Truppen im Irak würden bis Ende dieses Jahres auf 4500 verringert. Die meisten Briten sind in der Region rund um Basra im Süden des Landes stationiert.

Brown schließt Militärschlag gegen Iran nicht aus

Zuvor hatte Brown heute bei einer Pressekonferenz für Aufsehen gesorgt: Der Nachfolger von Tony Blair schloss einen Militärschlag gegen Iran wegen des Atomkonflikts nicht aus. "Wir sind bereit, diplomatische Mittel und Sanktionen weiter zu nutzen, um das Problem in den Griff zu bekommen", sagte Brown. "Aber ich schließe nichts aus" - auch keinen Militärschlag.

Das entschlossene Vorgehen Irans bei der Urananreicherung dürfe nicht unbeantwortet bleiben und bedeute eine Verletzung des Atomwaffensperrvertrags, erklärte Brown. Großbritannien nehme die nuklearen Bestrebungen von Iran sehr ernst.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Der Uno-Sicherheitsrat verlangt von Iran einen Stopp der Urananreicherung, die als Schlüsseltechnik beim Bau von Atomwaffen gilt. Iran hat den Verdacht zurückgewiesen, an Atombomben zu arbeiten - das Nuklearprogramm diene friedlichen Zwecken.

flo/Reuters/dpa/AP/AFP

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