Irak Rebellen drohen mit Tod von 60 Geiseln

Sunnitische Rebellen im Irak haben in dem Ort Madaen bei Bagdad mindestens 60 schiitische Einwohner als Geiseln genommen. Sie fordern, dass alle Schiiten den Ort verlassen sollen. Sonst wollen sie die Menschen töten.


Bagdad - "Leute aus dem Ort haben mich angerufen. Sie flehen die irakische Regierung an, das Leben ihrer Angehörigen zu retten", berichtete ein Vertreter der Schiiten laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die Rebellen seien mit schweren Waffen ausgerüstet und schienen die Kontrolle über den Ort südlich der Hauptstadt übernommen zu haben, sagte er weiter. Es seien weder Polizei noch Soldaten zu sehen. "Die Bewohner haben mir gesagt, dass die Rebellen mit Fahrzeugen in den Straßen unterwegs sind und per Lautsprecher damit drohen, dass die Schiiten die Stadt verlassen müssen, wenn sie wollen, dass die Geiseln unversehrt bleiben sollen."

Aufständische haben wiederholt versucht, mit Anschlägen auf die schiitische Gemeinschaft im Irak einen Keil zwischen die muslimischen Gruppierungen zu treiben. Die Schiiten haben die Mehrheit im Land und stellen im neu gewählten Parlament die meisten Abgeordneten. Unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein waren sie massiv unterdrückt worden. Der Diktator hatte sich weitgehend auf sunnitische Gruppen gestützt.



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