Irak Saddams Tochter nennt ihren Vater "Märtyrer"

Tausende von Irakern haben heute in seiner Heimat um den hingerichteten Saddam Hussein getrauert und gegen die Exekution protestiert. Die Tochter des früheren Despoten pries ihren Vater als "Märtyrer".


Tikrit/Amman - Im nordirakischen Tikrit, der Heimatregion Saddams, stellten seine Anhänger Trauerzelte auf und verlasen Koranverse. Die Zelte verteilten sich über die ganze Stadt. Die Straßen in der sunnitisch dominierten Stadt waren weiterhin für den Verkehr gesperrt. Der 69-jährige war am Sonntag, einen Tag nach seiner Hinrichtung, in seinem Geburtsort Udscha in der Nähe von Tikrit beigesetzt worden.

Saddam-Anhänger: "Er lebt in unseren Herzen weiter"
REUTERS

Saddam-Anhänger: "Er lebt in unseren Herzen weiter"

Im 20 Kilometer südlich von Tikrit gelegenen al-Dur versammelten sich hunderte Anhänger von Saddams offiziell aufgelöster Baath-Partei zu einer Demonstration für den ehemaligen Staatschef. Einige schwenken riesige Porträts von dem Toten und nannten ihn "Held" und "Märtyrer". "Saddam ist nicht tot, sondern lebt in unseren Herzen weiter", sagte ein Demonstrant.

In der Stadt Duluaija, rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad, seien Dutzende von Menschen auf die Straße gegangen, berichteten Augenzeugen. An mehreren Orten in der Provinz hätten sich Angehörige des Saddams-Stammes versammelt, um über die Lage zu beraten. Redner hätten die Ansicht vertreten, die Hinrichtung Saddams sei ein Aktion der von den Schiiten dominierten Regierung gegen die Sunniten, die unter dem Saddam-Regime bevorzugt worden waren.

Saddams älteste Tochter Raghad pries hren Vater bei einer Trauerveranstaltung in Jordanien als "Märtyrer". Vor rund 1000 aufgebrachten Jordaniern in Amman sagte sie in einer knappen Erklärung: "Danke für die Solidarität und Unterstützung für den Märtyrer, den irakischen Präsidenten." Ihre Worte hätten frenetischen Beifall und Schluchzen unter den Anwesenden ausgelöst, sagten Teilnehmer.

Bei der Veranstaltung wurden anti-amerikanische und anti- israelische Slogans skandiert, Redner rezitierten von Saddam verfasste Gedichte. Auch der als links und pan-arabisch geltende jordanische Minister für politische Entwicklung, Mohammad Oran, nahm an der Veranstaltung teil, die vom einflussreichen Berufsständeverband mit insgesamt 150.000 Mitgliedern und von Oppositionsparteien organisiert worden war. Es war der erste öffentliche Auftritt von Raghad Saddam, seit sie im August 2003 nach dem Sturz Saddams zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Rana und ihren neun Kindern in Jordanien Zuflucht gesucht hatte.

als/dpa/AFP



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