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Irak-Strategie: Bush sucht Schuld bei Medien

Drei Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs hat George W. Bush die Medien für die pessimistische Einschätzung der Lage in der US-Bevölkerung verantwortlich gemacht. Gute Nachrichten würden ignoriert, kritisierte der Präsident.

Cleveland - Die Medien ignorierten die guten Nachrichten, weil Bilder von Bombenexplosionen und Anschlägen spektakulärer seien, sagte Bush heute in einer Rede in Cleveland (Ohio). Die Terroristen wüssten dies und setzten ihre Kampagne der Gewalt deshalb fort.

Dagegen seien Entwicklungen wie die Stadt Tel Afar wenig nachrichtenträchtig. "Das Beispiel Tel Afar gibt mir Vertrauen in unsere Strategie", sagte Bush drei Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs. Die Stadt mit rund 200.000 Einwohnern im Nordwesten des Iraks sei 2004 fest im Würgegriff von al-Qaida gewesen. Die Terroristen seien nach einer ersten Säuberungsaktion durch US- Soldaten zurückgekehrt und hätten Moscheen, Schulen und das Krankenhaus eingenommen. Eine zweite Offensive im Frühjahr 2005 sei aber erfolgreich gewesen. Die Stadt sei befreit und der Bürgermeister voller Dankbarkeit über die Opfer, die die US-Soldaten brachten.

"Ich wollte, ich könnte berichten, dass die Situation anderswo im Land ähnlich wie in Tel Afar ist", gab Bush zu. Das sei leider nicht überall der Fall. Er räumte ein, dass die Lage gespannt sei. Der Feind habe sich als äußerst brutal herausgestellt.

Aufgeben komme aber nicht in Frage. "Wenn wir den Irak verlassen, dann nur aus einer Position der Stärke heraus, nicht der Schwäche", sagte Bush. Wie der Faschismus in Deutschland und der Kommunismus in Osteuropa werde der Terror im Nahen Osten besiegt, damit die Menschen in Freiheit leben können, sagte Bush.

Die Opposition reagierte auf Bushs Rede prompt mit Kritik und forderte internationale Hilfe im Irak: Anstatt Reden an die US-Bevölkerung zu halten, die er vor drei Jahren hätte halten sollen, müsse Bush darauf pochen "dass der Rest der Welt Verantwortung übernimmt", sagte der führende US-Senator Joseph Bidden. Das Weiße Haus müsse zudem stärkeren Druck auf alle irakischen Parteien ausüben, um ihre Regierungsbildung zu beschleunigen. Die Zukunft des Irak und damit auch die Entscheidung "über Scheitern oder Erfolg unserer Bemühungen" hänge von den Entwicklungen der nächsten Monate ab. Er wolle sich nicht ausmalen, was passiere, wenn sich die Situation im Irak in einen "ausgewachsenen Bürgerkrieg" entwickle.

Die Gewalt im Irak riss auch am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns nicht ab: Bis zum Abend wurden erneut mindestens 26 Iraker landesweit bei Anschlägen und Angriffen getötet. Allein am Abend starben in Bagdad drei Menschen, als in einem schiitischen Café des sunnitischen Stadtteils Adhamijah ein Sprengsatz explodierte. Kurz zuvor waren bei der Explosion einer Autobombe vor einem weiteren Restaurant vier Zivilisten getötet worden.

Neben dem Schauplatz Irak hatte Bush in derselben Rede auch die Machthaber im Nachbarland Iran gewarnt. Die USA würden ihren Verbündeten Israel notfalls mit "militärischer Macht" verteidigen. Bush trat damit der "ernst zu nehmenden Drohung" des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad entgegen, der Israel das Existenzrecht abgesprochen hatte. Zugleich betonte der US-Präsident jedoch, dass er den Streit um das iranische Atomprogramm nach Möglichkeit weiterhin mit diplomatischen Mitteln lösen wolle.

als/dpa/AFP

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