Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Irak-Strategie: Weißes Haus will Amerikaner auf langen Krieg einstimmen

Die US-Regierung will im Irak siegen, auch wenn der Krieg noch Jahre dauern sollte. Statt Truppen abzuziehen, bereiten Weißes Haus und Generäle eine neue Öffentlichkeits-Offensive vor. Präsident Bush will nur wenige Soldaten zurückholen - und wirbt für ein langfristiges Engagement.

Washington - Fast hatte es so ausgesehen, als wären die Tage der Krieger in den USA gezählt. Die bellizistischen Neocons: selbst bei den Konservativen in Ungnade gefallen. Die Irak-Kriegsbeginnler: abgetreten oder verdammt. Nur ein Politiker des Friedens, so schien es noch vor sechs Monaten, könnte die US-Wahl im Herbst nächsten Jahres gewinnen.

Doch etwas über ein Jahr vor dem Urnengang wechselt das Bild. Die Demokraten zügeln ihre Rückzugsforderungen, fordern zusehends ein siegreiches Ende des Irak-Krieges. Und die Republikaner befreien sich aus der Defensive, treten wieder selbstbewusster auf.

Das Weiße Haus arbeitet an einer neuen Irak-Strategie, berichtete die "New York Times" heute unter Berufung auf Regierungs- und Militärkreise. Diese solle in einem Bericht vorgestellt werden, den der US-Truppenkommandeur im Irak, David Petraeus, derzeit vorbereitet und Mitte September dem Kongress vorlegen wird.

US-Präsident Bush mit dem Irak-Bericht im vergangenen Dezember: Neue Strategie soll Kriegsgegner überzeugen
REUTERS

US-Präsident Bush mit dem Irak-Bericht im vergangenen Dezember: Neue Strategie soll Kriegsgegner überzeugen

Ziel sei es, mit dem Druck der Kriegsgegner offensiver umzugehen, mehr Unterstützung für ein längerfristiges Engagement zu gewinnen, heißt es in der "New York Times". Die Regierung wolle argumentieren, dass Fortschritte bei der Eindämmung der Gewalt gewisse Verringerungen ermöglichten, aber die US-Interessen im Irak und insgesamt im Nahen Osten weiter eine substanzielle Truppenpräsenz erforderten.

Nach Angaben aus Militärkreisen richtet sich der Bericht auch an die republikanischen Kongressabgeordneten, die das Vorgehen von US-Präsident George W. Bush im Irak kritisieren. Sie drängen Bush seit längerem dazu, eine neue Irak-Strategie vorzustellen, mit der sogar eine stufenweise Truppenreduzierung auf den Level von Januar möglich sein soll. Damals hatte Bush entschieden, weitere 20.000 Soldaten in den Irak zu verlegen. Damit soll den Demokraten der Wind aus den Segeln genommen werden, die einen kompletten Rückzug aller Kampftruppen im nächsten Frühjahr fordern.

Ein Hauptaugenmerk der Debatte richtet sich auf die Frage, inwieweit amerikanische Truppen relevante Sicherheitsaufgaben an das irakische Militär übergeben. Demokratische, aber auch republikanische Kongressabgeordnete haben in der Vergangenheit gefordert, dass irakische Truppen mehr Verantwortung übernehmen. Obwohl es dazu noch keine endgültige Entscheidung gibt, heißt es aus Militärkreisen, man wolle künftig gezielter irakische Truppen ausbilden und unterstützen, schreibt die "New York Times".

Spezialkräfte bleiben im Einsatz

Allerdings sollte das große Kontingent der Spezialkräfte weiterhin nach Terroristen suchen, deren Führer inhaftieren und so deren Netzwerke zerstören. Gleichzeitig sollen amerikanische Truppen aus den relativ stabilen Regionen, wie zum Beispiel dem kurdischen Norden oder der Anbar-Provinz, abgezogen und in kritischere Regionen verlegt werden. Laut Militärkreisen konzentriert sich die Debatte aber zu sehr auf die Frage nach der genauen Truppenzahl. "Dabei geht es nicht nur um die Zahl der Soldaten, sondern um die Frage, wo und wie diese eingesetzt werden", hieß es laut "New York Times". Auch Truppenkommandeur Petraeus hat sich deshalb noch nicht auf die genaue Truppenzahl festgelegt.

Unterdessen erklärte Bush, die jüngsten Massaker in zwei Jesiden-Dörfern im Nordirak zeigten, dass die Terroristen gefährlich blieben. Zugleich gebe es durchaus Fortschritte bei der Eindämmung der Gewalt. Amerikanische und irakische Sicherheitskräfte hätten Terroristen und gewalttätigen Extremisten schwere Schläge zugefügt, sagte Bush heute in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. In vielen Gebieten gebe es mittlerweile funktionsfähige politische Strukturen.

"Unglücklicherweise hat der politische Fortschritt auf der nationalen Ebene nicht mit dem Tempo des Fortschritts auf der örtlichen Ebene Schritt gehalten", fuhr der Präsident fort. Die US-Regierung werde bei den irakischen Führern weiter darauf dringen, dass die gesteckten Ziele erreicht würden. Die Fortschritte auf der lokalen Ebene seien aber ermutigend, und sie würden dazu beitragen, den Boden "für nationale Versöhnung auch in Bagdad zu bereiten".

sam/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: