Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Terrorgruppe im Irak: Erbeutete Waffen erhöhen Schlagkraft der Dschihadisten

Das Arsenal der Isis: Humvees, Helikopter und Haubitzen Fotos
twitter.com/albaraka_news

Die Terrorgruppe Isis wächst zu einer gefährlichen Armee heran. Die Dschihadisten haben vom irakischen Militär modernes Kriegsgerät erbeutet, und sie haben genug Geld, um sich auf dem globalen Schwarzmarkt mit den besten Waffen einzudecken.

Etwa 25 Milliarden US-Dollar haben die USA in den vergangenen zehn Jahren in die Aufrüstung der irakischen Armee gesteckt. Das Militär in Bagdad erhielt Hubschrauber, Panzer, Artilleriegeschütze und gepanzerte Geländewagen. So sollte die Regierung in die Lager versetzt werden, islamistische Extremisten in Schach zu halten.

Doch in den vergangenen Tagen ist ein Teil genau dieses Arsenals in den Händen derer gelandet, die eigentlich bekämpft werden sollten. Bei ihrem Eroberungszug im Nordirak hat die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) mehrere Stützpunkte der Armee eingenommen und modernes Kriegsgerät erobert.

Auf Twitter haben die Dschihadisten einen Teil ihrer Beute zur Schau gestellt. Die Bilder zeigen, dass Isis Dutzende Humvee-Geländewagen und andere gepanzerte Truppentransporter aus US-Produktion in die Hände gefallen sind. Auch mehrere Haubitzen vom Typ M198 sind dabei. Mit diesem Geschütz können Granaten mehr als 20 Kilometer weit geschossen werden.

Isis gilt als finanzstärkste Terrorgruppe der Welt

Unklarheit herrscht darüber, ob Isis auch amerikanische "Black Hawk"-Hubschrauber erbeutet hat. In der vergangenen Woche verbreiteten die Dschihadisten via Twitter das Foto eines Helikopters. Die US-Regierung bestreitet jedoch die Echtheit der Aufnahme. "Wir haben den Irakern niemals 'Black Hawk'-Helikopter verkauft. Das ist eine Falschinformation", sagte Pentagonsprecher Bill Speaks.

Speaks räumte ein, dass die Vereinigten Staaten den Irak mit Hubschraubern vom Typ OH58 Kiowas und Scout Bell IA-407 beliefert habe. Ob die Dschihadisten diese Helikopter erbeutet haben, ist derzeit unklar - allerdings berichteten Augenzeugen, dass Isis nach der Eroberung Mossuls mindestens zwei Hubschrauber vorgeführt habe. Am Steuerknüppel könnten Piloten sitzen, die aus der syrischen Armee desertiert sind und sich den islamistischen Extremisten angeschlossen haben.

Mit ihrer Kriegsbeute ist Isis auf dem Weg von der Guerillatruppe zur Armee. Die Zeiten, in denen ihre Bewaffnung aus Schnellfeuerwaffen und Pick-up-Fahrzeugen bestand, die mit Maschinengewehren bestückt wurden, sind vorbei. Die Truppe hat zudem von der syrischen und irakischen Armee Panzer aus sowjetischer Produktion erbeutet und ist aus Saudi-Arabien mit Panzerabwehrraketen versorgt worden. Auch tragbare Luftabwehrraketen befinden sich in ihrem Besitz.

Die Terrorgruppe hat in den vergangenen Wochen mehrere Hundert Millionen Dollar Bargeld erbeutet - Isis selbst redet gar von zwei Milliarden Dollar. Damit können sich die Dschihadisten auf dem globalen Schwarzmarkt praktisch nach Belieben mit modernster Waffentechnik eindecken. Isis ist damit derzeit wohl die finanzstärkste Terrorgruppe der Welt.

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

syd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der Irak gilt seit Abzug der Amerikaner...
rockwater 17.06.2014
nicht mehr als Krisengebiet. Wenn die Aisis zu viel Geld haben, können sie alle gängigen Waffensysteme ganz regulär bei Merkle bestellen.
2. Na super
Das Individuum 17.06.2014
Will jetzt noch jemand eine "Diplomatische" Lösung mit den Herren versuchen?
3. optional
spon-facebook-1425926487 17.06.2014
Jene irakischen Soldaten, die trotz einer Übermacht von 37 zu 1, einer guten Ausbildung und modernen Waffen das Feld geräumt und noch nicht mal den Versuch unternommen haben, die Terroristen aufzuhalten, kann man eigentlich nur als Unterstützer oder zumindest Sympathisanten der faschistischen ISIS betrachten. Das sind dann jene Leute, die Cem Özdemir von den linkspopulistschen Grünen ausgerechnet aus "humanitären Gründen" nach Deutschland holen will. Das ist einfach nur zynisch und ein falsches Signal an den Terror in der Welt.
4. Moderne Waffen in Händen der ISIS?
barstow 17.06.2014
Die auf den Fotosdargestellten Waffen sind in den 50er und 60iger Jahren gebaut oder entwickelt worden und dürften noch aus den Berständen der irakischen Armee vor 2003 stammen. Auch die Helikopter sind schon sehr betagt. Selbst wenn die ISIS die Hubschrauber erbeutet haben, werde deren Kämpfer de nicht in die Luf bekommen. Was soll also diese Meldung?
5. Terroristische Armee
apalanca 17.06.2014
Ist eine Armee die über 160.000 Menschen tötet denn nicht terroristisch? Was unternimmt der "böse" Westen dagegen? Diese Menschen wollen ihre Ideologie von Freiheit durchsetzen. Allein ein Blick auf die Demographie und die große Anzahl der Sunniten müsste dies legitimieren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: