Irak Terroristen missbrauchen geistig verwirrte Frauen als Attentäterinnen

Sie schnallten ihnen Sprengstoffgürtel um, schickten die Frauen auf zwei Märkte - und zündeten die Sprengsätze per Fernsteuerung: Terroristen haben für die blutigen Anschläge mit fast hundert Toten in Bagdad zwei geistig Verwirrte missbraucht.


Bagdad - Es war ein niederträchtiger und tödlicher Plan, der mindestens 98 Menschen das Leben kostete: Bei den zwei Anschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad haben Terroristen nach Angaben von Sicherheitskräften zwei geistig verwirrte Frauen als Attentäterinnen missbraucht.

Patrouille nach dem Anschlag: Ein irakischer Soldat auf einem Markt in Bagdad
DPA

Patrouille nach dem Anschlag: Ein irakischer Soldat auf einem Markt in Bagdad

Demnach wurden den Frauen Sprengstoffgürtel umgeschnallt, sie wurden auf zwei gut besuchte Märkte geschickt - dort explodierten die Sprengsätze per Fernzünder. Mindestens 98 Menschen kamen einem CNN-Bericht zufolge ums Leben, 200 weitere wurden verletzt. Es handelte sich um die schwersten Anschläge der vergangenen sechs Monate in der irakischen Hauptstadt.

Der erste Anschlag ereignete sich auf dem Al-Ghasi-Markt im Zentrum der irakischen Hauptstadt, der zweite auf einem Geflügelmarkt im Südosten der Stadt. Die Explosionen ereigneten sich kurz vor Beginn der islamischen Freitagsgebete.

"Indem sie auf unschuldige Iraker zielen, zeigen sie ihren teuflischen Charakter", sagte ein Militärsprecher über die Drahtzieher des Attentats.

Augenzeugen sagten, der Geflügelmarkt sei wegen des sonnigen Wetters besonders voll gewesen. Die zahlreichen Verletzten mussten nach Angaben von Sanitätern auf fünf Krankenhäuser in Bagdad verteilt werden.

Der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani erklärte, die Anschläge seien von Terroristen begangen worden, die von Rache geleitet seien und zeigen wollten, dass sie noch immer in der Lage seien, den Lauf der Geschichte und die Versöhnung des irakisches Volkes aufzuhalten. US-Botschafter Ryan Crocker machte das Terrornetzwerk al-Qaida für die Anschläge verantwortlich.

Die irakische Hauptstadt war in den vergangenen Monaten von derart schweren Anschlägen verschont geblieben. Nachdem die USA im Februar vergangenen Jahres 30.000 zusätzliche Soldaten in den Irak geschickt hatten, konnte die Sicherheitslage in Bagdad spürbar verbessert werden. Der letzte große Anschlag in der Hauptstadt mit mehr als 50 Toten wurde am 1. August mit einem Tanklastzug verübt.

Seit November wurden mindestens vier Selbstmordanschläge von Frauen verübt, alle in der Provinz Dijala. Zuletzt sprengte sich am 16. Januar eine Frau in der Nähe von Bakuba in die Luft und riss neun Menschen mit in den Tod.

Die US-Truppen haben ihre Aktionen gegen Aufständische zuletzt auf den Norden des Landes konzentriert. Im Januar wurden mindestens 39 US-Soldaten getötet, nachdem es im Dezember 23 waren. Seit dem Einmarsch im März 2003 kamen im Irak mindestens 3943 US-Soldaten ums Leben.

hen/dpa/AFP

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