Urteil im Irak Gefängnisstrafe für Tochter von deutscher Islamistin

Als Teenager war Nadja K. ihrer Mutter von Deutschland ins syrische IS-Gebiet gefolgt. Jetzt stand sie im Irak vor Gericht. Das Urteil fällt vergleichsweise milde aus.

Zerstörte Gebäude in Mossul
AFP

Zerstörte Gebäude in Mossul

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Als Lamia K. im Sommer 2014 in die Türkei reisen wollte, dachte sich ihr Ex-Mann zunächst nichts Schlimmes dabei. Ein bisschen Urlaub wollte sie machen, das jedenfalls erzählte ihm seine frühere Frau. Er war deshalb einverstanden, dass die damals 17-jährige Tochter Nadja und ihre jüngere Schwester die Mutter begleiten.

Die vermeintliche Urlaubsreise endete für Nadja und ihre Mutter jedoch im Gefängnis. Irgendwo in Bagdad sitzen die Frauen derzeit ein. Beide wurden im irakischen Mossul gefasst, nachdem die Kämpfer des "Islamischen Staats" (IS) die Stadt aufgegeben hatten. Lamia K., mittlerweile 50 Jahre alt, ist bereits als IS-Anhängerin zum Tode verurteilt worden.

Tochter Nadja, sie ist kurz vor Weihnachten 21 Jahre alt geworden, kam sehr viel milder davon. Aus irakischen Sicherheitskreisen hieß es am Wochenende, ein Gericht in Bagdad habe für Nadja K. in der vergangenen Woche wegen des illegalen Grenzübertritts eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und eine Geldbuße verhängt.

Nadja K. gehörte zu einer ganzen Gruppe von deutschen Frauen, die Mitte Juli 2017 von irakischen Sicherheitskräften in Mossul festgesetzt worden waren. Unter ihnen ist auch die noch jüngere Linda W. aus dem sächsischen Pulsnitz, die noch immer auf einen Prozess in Bagdad wartet. Linda hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Keine glühende Anhängerin des IS

Auf deutscher Seite wollte zunächst niemand das Urteil bestätigen. Im Auswärtigen Amt (AA), das die deutschen IS-Frauen konsularisch betreut, äußert man sich zu Einzelfällen grundsätzlich nicht. Umso weniger Aufmerksamkeit die Fälle erregen, so das Kalkül der Diplomaten, desto besser stehen die Chancen für milde Urteile.

Die deutschen Behörden halten die Tochter von Lamia K. ähnlich wie die Iraker nicht für eine glühende Anhängerin der Terrorgruppe IS. Vielmehr sei sie ihrer Mutter, die den Fahndern in Baden-Württemberg, aber auch dem Bundesamt für Verfassungsschutz schon vor der Ausreise als IS-Sympathisantin bekannt war, als noch recht naive Jugendliche auf die Reise nach Syrien gefolgt.

Während ihrer Zeit im IS-Gebiet lernte Nadja K. die Terrororganisation sehr schnell kennen. Gleich zu Beginn heiratete sie laut der Aussage einen französischen Dschihadisten mit dem Kampfnamen Abdelli. Ob die Ehe freiwillig oder durch Zwang vollzogen wurde, ist bis heute nicht ganz klar. Von Rakka zog die Familie nach Mossul in den Irak.

Kurz nach der Hochzeit bekam Nadja mitten im Kriegsgebiet im Februar 2016 ein Kind, das kleine Mädchen mit dem islamischen Namen Umama Abdelli teilt nun mit ihr die Gefängniszelle in der irakischen Hauptstadt. In den letzten Tagen hatten die deutschen Behörden in einem ähnlichen Fall die Ausreise eines Kindes nach Deutschland organisiert.

Der Vater von Nadja K. will sich nun dafür einsetzen, dass auch seiner Tochter und ihrem kleinen Kind geholfen wird. Seiner früheren Ehefrau Lamia K. kann er nicht verzeihen, dass sie die Kinder damals zum IS verschleppt hat, sagt er. Die Tochter und das Enkelkind will er aber retten, das kleine Mädchen wird nächste Woche zwei Jahre alt.

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