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Kämpfe in Irak und Syrien: Terrorgruppe IS brüstet sich auf Twitter mit militärischen Erfolgen

Iraks größter Staudamm: IS-Dschihadisten behaupten, ihn unter Kontrolle zu haben Zur Großansicht
AFP

Iraks größter Staudamm: IS-Dschihadisten behaupten, ihn unter Kontrolle zu haben

Kämpfer der Miliz "Islamischer Staat" behaupten auf Twitter, 15 Städte, ein Staudamm und eine Militärbasis befänden sich unter ihrer Kontrolle. Laut Uno-Angaben sind 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht.

Bagdad/Damaskus - Dschihadisten setzen ihren Feldzug im Irak und Syrien fort: Sie hätten 15 Städte erobert, dazu Iraks größten Staudamm und eine Militärbasis, schreibt die Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS). Das meldet Reuters und beruft sich auf deren Kurznachrichten auf Twitter. Dort behaupten die Islamisten weiter, sie würden mit ihrer Offensive weiter vorankommen.

Die Nachrichtenagentur AP beruft sich auf Anwohner, die bestätigen, dass die IS-Kämpfer den Mossul-Staudamm innerhalb von einer Stunde eingenommen hätten. Kurdische Offizielle sagen dagegen, dass sich der Damm noch unter ihrer Kontrolle befinde.

Die Erstürmung eines Militärstützpunkts in der nordsyrischen Provinz Raka durch IS-Kämpfer haben Aktivisten bestätigt, weite Teile des Gebiets davon seien eingenommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Donnerstag von heftigen Kämpfen. Demnach starben mindestens 27 syrische Soldaten und elf IS-Kämpfer. Unter den Opfern auch drei Selbstmordattentäter, die sich zum Beginn der Attacke am Mittwochabend in die Luft gesprengt hätten.

Die IS-Milizen waren erstmals im Frühling 2013 im syrischen Bürgerkrieg aufgetreten. Andere Rebellengruppen hatten ihre Unterstützung im Kampf gegen die Führung um Präsident Baschar al-Assad zunächst begrüßt, sich später aber mit den Dschihadisten überworfen.

Im benachbarten Irak machten die Extremisten in den vergangenen Wochen große Geländegewinne. Sie eroberten weite Gebiete zwischen der nordirakischen Stadt Mossul und der Grenze zu Syrien. Daraufhin erklärten die Kurden eine Gegenoffensive. Im Norden des Landes sind die Kämpfe zwischen IS und den kurdischen Peschmerga-Kämpfern heftiger geworden.

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IS im Nordirak: Kurden gehen gegen Dschihadisten vor

100.000 Christen auf der Flucht

Rund 1,2 Millionen Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen im Irak auf der Flucht: Es handele sich um eine "Tragödie immensen Ausmaßes", sagte ein Sprecher der Uno-Koordinationsstelle für humanitäre Einsätze. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden hatten versucht, sich auf einen Berg in der Nähe der Stadt Sindschar in Sicherheit zu bringen. Dort droht ihnen nun jedoch der Hungertod. Einige von ihnen konnten bisher gerettet werden, ergänzte der Sprecher. Die IS-Kämpfer halten Jesiden für Teufelsanbeter, weswegen sie in Lebensgefahr schweben, sollten sie in die Hände der Rebellen fallen.

Auch die christliche Minderheit befindet sich durch den Vormarsch der Dschihadisten im Irak in Gefahr: Nach Angaben des obersten geistlichen Führers der christlichen Minderheit seien 100.000 von ihnen auf der Flucht. Die IS-Kämpfer hätten Kirchen besetzt, Kreuze abgenommen und religiöse Schriften verbrannt, sagte der christlich-chaldäische Patriarch Louis Sako. Viele der Vertriebenen seien zu Fuß und ohne jede Habe in die Kurdenregion im Norden des Landes geflohen. Es handele sich um eine "humanitäre Katastrophe".

Papst Franziskus rief die internationale Gemeinschaft in einem flammenden Appell zu einem verstärkten Einsatz für die von Gewalt und Vertreibung betroffenen Menschen auf. Dem humanitären Drama in der Region müsse ein Ende bereitet werden, heißt es in dem am Donnerstag von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi verlesenen Aufruf. Von dem Konflikt seien eine wehrlose Bevölkerung und dabei vor allem christliche Gemeinschaften betroffen, ein Volk fliehe aus seinen Dörfern.

Nach Berichten von Augenzeugen hatte die Terrormiliz die größte christliche Stadt des Landes, Karakosch, eingenommen. Die Orte Karakosch, Tal Kaif, Bartella und Karamlesch stünden nun "unter der Kontrolle militanter Kämpfer", sagte der Erzbischof von Kirkuk und Sulaimanija, Joseph Thomas.

Die Minderheit der Jesiden
Wo leben die Jesiden?
Die Jesiden stammen aus dem Irak, aus Syrien, Iran und der Türkei. Sie leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen Verfolgungen, Diskriminierungen oder Anfeindungen in ihren Heimatländern sind viele ins Ausland geflohen.
Wie viele Jesiden gibt es?
Genaue Angaben zur Zahl der Jesiden weltweit gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhängern.
Wie groß ist die Gemeinde in Deutschland?
Die Zahlen variieren auch in Deutschland - von um die 50.000 bis zu 120.000 Jesiden. Sie leben überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat seinen Sitz in Oldenburg, in Hannover gibt es eine Jesidische Akademie.
Woran glauben die Jesiden?
Ihr Glauben enthält Elemente anderer Religione wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime. Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Dieser wird im Christentum und im Islam als "gefallener Engel" oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Aus Sicht der Jesiden bestand der Engel aber mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens zu Gott. Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen.
Wo befindet sich ihr wichtigster heilige Ort?
Er liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal.

vek/heb/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Woher kommt das Geld?
issesdas 07.08.2014
Ohne Geld von aussen wären diese Irren niemals einer Erwähnung wert gewesen. Wer aber ist das, der die bezahlt? Diesen Hahn muss man zudrehen.
2.
Ruhri1972 07.08.2014
Da werden Christen von millitanten IS-Terroristen verfolgt, Kirche geplündert und in Brand gesetzt und in Deutschland bleiben die Gotteshäuser der Christen zum größten Teil zu. Wo sind die Schweigemärsche und Friedensgottesdienste der Christen in Deutschland ?
3. Wer finanziert den "Islamischen Staat"?
adal_ 07.08.2014
Zitat von issesdasOhne Geld von aussen wären diese Irren niemals einer Erwähnung wert gewesen. Wer aber ist das, der die bezahlt? Diesen Hahn muss man zudrehen.
Na, dann drehen Sie mal am Hahn! Das Geld kommt erstens von "edlen" Spendern aus den Golfstaaten und stammt zweitens aus den kriminellen Machenschaften des IS und der Ausplünderung der eroberten Gebiete. http://www.dw.de/wer-finanziert-isis/a-17718504 http://www.bild.de/politik/ausland/irak/wie-kommt-die-terrororganisation-an-geld-und-waffen-36357892.bild.html Wer finanziert eigentlich die kurdischen Peschmerga? Dreimal dürfen Sie raten: Aus Europa und Amerika kommt jedenfalls nix, null, nada.
4. Warum Spon
Sabberalot 07.08.2014
werden zum Thema Islam, Naher Osten, Israel etc. die Foren entweder überhaupt nicht eröffnet oder relativ schnell wieder geschlossen? Ihr zensiert doch, also können die beleidigenden oder rassistischen Beiträge doch rausgefiltert werden. Aber die Meinung des Volkes zu verbergen, halte ich für mehr als grenzwertig. Jeder User weiß doch genau was los ist, wenn die genannten Themen sofort wieder geschlossen werden. Es ist wie es ist, da hilft keine Schönfärberei. Je früher alle aufwachen, desto besser!! Gelinde gesagt finde ich das Verhalten von Spon relativ peinlich! Viel Spaß beim Nicht veröffentlichen....ganz schwach ist das, wenn man nicht über seinen Schatten springen kann
5. Grenzwertiger Unfug
adal_ 07.08.2014
Zitat von Sabberalotwerden zum Thema Islam, Naher Osten, Israel etc. die Foren entweder überhaupt nicht eröffnet oder relativ schnell wieder geschlossen? Ihr zensiert doch, also können die beleidigenden oder rassistischen Beiträge doch rausgefiltert werden. Aber die Meinung des Volkes zu verbergen, halte ich für mehr als grenzwertig. Jeder User weiß doch genau was los ist, wenn die genannten Themen sofort wieder geschlossen werden. Es ist wie es ist, da hilft keine Schönfärberei. Je früher alle aufwachen, desto besser!! Gelinde gesagt finde ich das Verhalten von Spon relativ peinlich! Viel Spaß beim Nicht veröffentlichen....ganz schwach ist das, wenn man nicht über seinen Schatten springen kann
SPON wird - wie die gesamte deutsche Presse - von den Bilderberger Illuminaten-Freimaurern beherrscht. Wussten Sie das nicht? :-)
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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