Irak US-General warnt vor Bruch des Mossul-Staudamms

Der Mossul-Staudamm im Irak ist einsturzgefährdet. Die US-Armee fürchtet eine meterhohe Flutwelle, die Hunderte Städte und Dörfer treffen würde. Das Militär arbeitet an einem Notfallplan.

Mossul-Talsperre im Irak: "Wäre dieser Damm in den USA, hätten wir den See dahinter ausgetrocknet"
REUTERS

Mossul-Talsperre im Irak: "Wäre dieser Damm in den USA, hätten wir den See dahinter ausgetrocknet"


Die US-Armee fürchtet, dass der Mossul-Staudamm im Nordirak bald bersten könnte. Das Militär arbeitet deshalb an einem Notfallplan, der mögliche katastrophale Folgen abmildern soll.

"Wenn es passiert, wird es schnell passieren. Und das ist schlecht", sagte US-General Sean MacFarland in Bagdad. Schon jetzt muss das Fundament der Staumauer permanent abgedichtet werden, um zu verhindern, dass das Wasser des Tigris hindurchdringt. Die anstehende Schneeschmelze zu Beginn des Frühjahrs könnte die Lage weiter verschärfen.

"Wäre dieser Damm in den USA, hätten wir den See dahinter ausgetrocknet. Wir hätten den Staudamm außer Betrieb genommen", sagte MacFarland. Sollte die Mauer brechen, droht eine gewaltige Flutwelle, die sich über das Tigris-Tal bis nach Bagdad ergießen könnte. Das Flusstal ist sehr dicht besiedelt. Unter anderem könnte die Millionenstadt Mossul bis zu 20 Meter hoch überflutet werden.

Im August 2014 hatte die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) den Stausee erobert. Die Miliz konnte aber mit Hilfe von US-geführten Luftangriffen nach wenigen Wochen von kurdischen Peschmerga-Einheiten vertrieben werden. Bei ihrem Rückzug sollen die Dschihadisten aber wichtige Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände mitgenommen haben. Außerdem sind zahlreiche Mitarbeiter des Wasserkraftwerks seither nicht mehr zur Arbeit erschienen. Darum habe sich der Zustand der Staumauer deutlich verschlechtert.

Die 3,6 Kilometer lange Mossul-Talsperre wurde 1986 fertiggestellt. Das Kraftwerk versorgt Millionen Iraker mit Strom und reguliert zudem die Wasserzufuhr für große Teile des Landes. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Regierung in Bagdad und dem italienischen Trevi-Konzern über eine Wartung und Renovierung der Anlage, die wegen Krieg und Vernachlässigung Schaden genommen hat.

syd/Reuters/AP



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