Kampf gegen IS im Irak US-Generalstabschef schließt Einsatz von Bodentruppen nicht aus

Kommen im Kampf gegen den IS doch US-Bodentruppen im Irak zum Einsatz? Barack Obama hatte das ausgeschlossen. Generalstabschef Dempsey sagt jetzt: Er werde genau das dem Präsidenten empfehlen, wenn es nicht mehr anders gehe.


Washington - US-Soldaten im Irak sollen nur als Militärberater tätig sein, den Einsatz von Bodentruppen hatte Präsident Barack Obama stets ausgeschlossen. Was sein oberster Militärberater am Dienstag bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats sagte, klingt anders: Generalstabschef Martin Dempsey würde dem Präsidenten unter bestimmten Umständen "den Einsatz von US-Kampftruppen am Boden" empfehlen, sagte er.

Das sei jedoch erst der Fall, wenn den irakischen Truppen nicht mehr mit Luftangriffen oder Geheimdienst-Informationen zu Erfolgen verholfen werden könne. Derzeit sei ein Kampftruppen-Einsatz aber nicht nötig, betonte Dempsey. Bisher sei die Aufgabe der US-Soldaten vor Ort lediglich, den Irakern bei der Koordination und Logistik im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu helfen. "Wenn wir einen Punkt erreichen, an dem ich glaube, unsere Berater sollten die irakischen Truppen bei Angriffen gegen spezifische IS-Ziele begleiten, dann werde ich das dem Präsidenten empfehlen." Ob Obama einer solchen Empfehlung folgen würde, ist jedoch fraglich.

Statt auf Bodentruppen will Obama verbündete Truppen vor Ort für den Kampf gegen die IS-Miliz aufrüsten und ausbilden. Im Irak setzt Washington auf die Armee und die kurdischen Peschmerga, im Bürgerkriegsland Syrien auf moderate Rebellengruppen.

Auf Luftangriffe in Syrien vorbereitet

Dennoch erhöhte Obama die Zahl der sogenannten Militärberater kürzlich auf rund 1500. Der US-Präsident hatte in der vergangenen Woche in einer Rede an die Nation die Ausweitung des Anti-Terror-Kampfes ankündigt. Der Kongress befragte Verteidigungsminister Chuck Hagel und Dempsey nun zu der Strategie.

Dempsey erklärte, dass die US-Streitkräfte darauf vorbereitet seien, auch Luftangriffe gegen die IS-Extremisten in Syrien auszuführen. Es werde sich um eine beständige und nachhaltige Operation handeln. Der Einsatz werde demnach nicht der Luftoffensive "Shock and Awe" (Schrecken und Ehrfurcht) zu Beginn des Irak-Kriegs im Frühjahr 2003 ähneln, "denn das entspricht nicht der Organisationsstruktur des IS", sagte Dempsey.

Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Obama gefordert die "moderaten" syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen den IS. Mehr als 20 Länder wollen sich dem Kampf gegen die Extremisten anschließen.

Nach 15 Tagen Basisausbildung zur Kampfeinheit

Am Dienstag hatten US-Luftschläge die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS)südwestlich von Bagdad getroffen: Es war das erste Mal seit Beginn des laufenden Anti-Terror-Einsatzes, dass die Amerikaner Stellungen der islamistischen Kämpfer nahe der irakischen Hauptstadt bombardierten. Die Attacke nahe Bagdad sei Teil des von US-Präsident Barack Obama angekündigten "ausgeweiteten" Einsatzes gewesen, teilte das Zentralkommando in Tampa im US-Bundesstaat Florida mit. Die US-Luftangriffe hatten sich bisher auf den Norden des Landes konzentriert.

Der IS hatte am Wochenende ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel im Internet veröffentlicht. Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als strategischen Fehler. Die Milizen rekrutieren nach Informationen der Zeitung "New York Times" zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu tausend Türken hätten sich bisher der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben. Anziehungspunkte seien sowohl die Ideologie der Miliz als auch die Bezahlung.

vek/dpa/AFP

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schmusel 16.09.2014
1. Reisserisch
Was heisst hier "klingt anders"? Der Job des Joint Chief of Staff ist es nunmal dem Präsidenten nach bestem Wissen und Gewissen Taktik und Strategie vorzulegen. Da kann er jetzt nicht sagen, dass er niemals Bodentruppen *empfehlen* wird, nur weil der Präsident das mal ausgeschlossen hat. Ob Bodentruppen zum Einsatz kommen, entscheidet in diesem Fall der Präsident. Übrigens gehören Spezialeinheiten auch zu den Bodentruppen. Die werden ganz bestimmt mal zum Einsatz kommen bzw. sind schon dort (Ziel Aufklärung usw) - die lassen sich aber geheim halten.
jodo73 16.09.2014
2. Keine Diskussion
IS ist bald Geschichte. Was kommt dann ?
abrweber 16.09.2014
3. bei allen Verständnis
vor der Angst dieser Verbrecher und unabhängig davon wie hoch der Anteil der USA an dieser IS Bande ist, fehlt mir in der Berichterstattung ein entscheidender Punkt.Wir haben nun monatelang Berichte bei SPON glesen über angebliche oder tatsächliche Völkerechtsverletzungen Russlands. Da wurde sogar ein Hilfskonvoi als Provokation des Westens bezeichnet. Nun plant die USA gegen den Willen der syrischen Regierung ein Bombardement syrischen Territoriumsun niemand empört sich. Das kann doch nicht wahr sein, dass die USA einen Angriffskrieg in Syrien einleitet und die Medien schweigen.Gilt das Völkerecht für die USA und die "Koalition der Willigen" nicht. Ist das nur anzuwenden, wenn Russland dagegen verstößt??
solsalsul 16.09.2014
4. ach neee
jetzt schliesst man die "no boots on the ground" nicht mehr aus ??? Wer bestimmt eigentlich in den USA ? Obama, die Militärs, die Konzerne ? .......
uk461 16.09.2014
5. Kaum die Allianz gegruendet und schon die Aufgabe erweitert
kaum hat die USA die Allianz mit Muehe und sehr vage zusammen getrommelt und schon wird eine Ausdehnung der Mission auf 'boots on the ground' angedacht/nicht mehr ausgeschlossen - entgegen allen vorherigen Versprechungen von Obama. Aber seine Militaers sind da 'ehrlicher'...denn ohne Soldaten auf/im IS Gebiet wird sich die IS letztlich nicht 'besiegen' lassen. Und da unsere Regierung sich schon eingereiht hat...werden dann unsere (Berufs-)Soldaten wohl auch wieder (wie in Afghanistan) dabei sein...Mal sehen was sich die Sunnis dann dazu ausdenken.....so macht man sich Feinde, die irgendwann zu uns kommen um sich zu raechen...
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