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Irak: US-Oberbefehlshaber Petraeus stellt Truppenabzug ab März in Aussicht

Der US-Rechnungshof hat die Ergebnisse der amerikanischen Irak-Politik vernichtend kritisiert - die ersten US-Truppen sollen dennoch bald das Land verlassen. Laut US-General Petraeus könnte mit dem Abzug der Soldaten bereits im Frühjahr begonnen werden. Die Grenze der Belastbarkeit sei erreicht.

Washington - Der Kommandeur der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, hat eine Reduzierung der US-Truppen im Irak ab dem kommenden Frühjahr in Aussicht gestellt: In einem Interview des Fernsehsenders ABC sagte Petraeus, er werde möglicherweise den Beginn eines Truppenrückzugs für März 2008 empfehlen. "Es gibt Grenzen für das, was unsere Armee leisten kann", sagte Petraeus. Diese Tatsache werde er in seinen Empfehlungen berücksichtigen. Auf die Frage, ob ein Truppenabzug im März beginnen könnte, sagte der Kommandeur: "Ihre Berechnungen sind in etwa richtig."

Oberbefehlshaber Petraeus: "Es gibt Grenzen für das, was unsere Armee leisten kann"
AFP

Oberbefehlshaber Petraeus: "Es gibt Grenzen für das, was unsere Armee leisten kann"

"Die nächsten drei oder vier Monate werden entscheidend sein", sagte der stellvertretende US-Kommandeur Raymond Odierno. Wenn sich die Sicherheitslage im Irak weiter verbessere, "können wir mit weniger Truppen auskommen".

Wie der Sender ABC unter Berufung auf Militärkreise weiter berichtet, könnte mit einer kleineren Truppenreduzierung schon im Dezember begonnen werden. Alle 45 Tage könnte die Truppenstärke leicht zurückgeführt werden, bis die Gesamtzahl der US-Soldaten im Irak wieder bei 130.000 liege, hieß es. Derzeit sind 164.000 GIs im Irak stationiert.

US-General Petraeus und der US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, sollen am 10. und 12. September einen mit Spannung erwarteten Bericht zur Lage im Irak im US-Kongress vorstellen. US-Präsident George W. Bush hatte am Montag bei einem Besuch im Irak auf die verbesserte Sicherheitslage verwiesen und mögliche Truppenreduzierungen in Aussicht gestellt.

Die Ankündigung in Kürze mit dem Truppenabzug zu beginnen, kommt nachdem der US-Rechnungshof der Bush-Regierung gestern eine verheerende Bilanz im Irak ausgestellt hatte: Die US- und die irakische Regierung hätten nur wenige Ziele erreicht, die der US-Kongress für eine Stabilisierung des Golfstaates gesetzt hatte - 11 von 18 politischen Zielen wurden verfehlt. Die Gewalt bewege sich nach wie vor auf einem hohen Niveau. Die Ergebnisse im Sicherheitsbereich seien, trotz der Aufstockung um 30.000 Soldaten seit Anfang des Jahres, bestenfalls als gemischt zu bewerten.

Der Chef der Kontrollbehörde, David Walker, bemängelte vor allem Verzögerungen bei der Reform der Gesetze, die Mitglieder der ehemaligen Baath-Partei unter dem gestürzten Diktator Saddam Hussein weitgehend vom politischen Leben ausschließen. Eine größere Beteiligung der mehrheitlich sunnitischen Vertreter gilt als Voraussetzung für eine Befriedung.

Unterdessen sieht George W. Bush Zeichen für eine Versöhnung der verfeindeten Bevölkerungsgruppen im Irak. Die Regierung in Bagdad unternehme Schritte in diese Richtung, sagte der US-Präsident bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Australiens Premierminister John Howard in Sydney. "Die Versöhnung findet statt, und es ist meiner Meinung nach wichtig für die Sicherheit Amerikas und Australiens, dass wir da mit den Irakern am Ball bleiben und ihnen helfen", erklärte der Präsident. Der australische Premierminister Howard versprach Bush, dass Australien seine 1500 Soldaten nicht aus dem Irak abziehen werde. "Unser Engagement im Irak bleibt - dies ist nicht der Zeitpunkt, um über eine Reduzierung der Truppen nachzudenken." Howard muss sich noch in diesem Jahr den Wählern stellen. In Umfragen liegt er weit hinter dem Labor-Führer Kevin Rudd, der bei einem Wahlsieg einen Truppenabzug angekündigt hat.

Bush ist zum Gipfeltreffen der Pazifik-Anrainerstaaten (Apec) nach Sydney gereist. Daran nehmen am Wochenende auch die Präsidenten Chinas und Russlands, Hu Jintao und Wladimir Putin, und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe teil.

anr/Reuters/AFP/dpa

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