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US-Luftschläge gegen IS-Terroristen: Obama führt ein bisschen Krieg im Irak

Von , New York

Barack Obama erlaubt Luftschläge gegen die dschihadistischen IS-Terroristen: Ist das der Beginn eines neuen Irakkriegs für die USA? Genau den will der Präsident vermeiden.

Wenn ein US-Präsident spätabends vor die TV-Kameras tritt, ist das meist ein schlechtes Omen. So auch in der Nacht zum Freitag: Da erschien Barack Obama im Speisesaal des Weißen Hauses - ein eher ungewöhnlicher Ort für solch dramatische Auftritte - und las eine achtminütige Erklärung vom Teleprompter, die vielen wie ein böses Déjà-vu vorkam.

In der Tat schien sich in diesen acht Minuten die Geschichte zu wiederholen. Erneut befahl ein Präsident aus Washington Luftschläge in einem Land im Nahen Osten. Und erneut handelte es sich bei diesem Land um den Irak - Amerikas noch frisches Kriegstrauma.

Trotzdem ist diesmal - noch - alles anders als vor elfeinhalb Jahren, als Obamas Vorgänger George W. Bush vom Oval Office aus den Beginn des unseligen Irakkriegs verkündete. Ein Krieg, an dessen Ablehnung Obama seinen politischen Aufstieg knüpfte, über den Senat bis ins Weiße Haus - wo ihn dieser Krieg dann doch immer wieder einholen würde, bis jetzt.

Obama will nur ein bisschen Krieg

Was erklärt, weshalb Obama diesmal nur ein bisschen Krieg will. Beschränkte Luftschläge hat er genehmigt, nicht auf den Irak oder seine Regierung, sondern auf die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS), die die Bevölkerung bedroht. Namentlich rund 40.000 Flüchtlinge der religiösen Minderheit der Jesiden, die auf dem Berg Sindschar nahe der syrischen Grenze in der Falle sitzen und den Tod fürchten.

"Diese Woche hat ein Iraker gerufen, dass ihnen niemand zu Hilfe kommt", sagte Obama und sprach dabei von einem potenziellen Genozid. "Heute kommt Amerika zu Hilfe."

Die US-Intervention besteht aus zwei Teilen:

  • Chirurgische Luftschläge: Sie sollen US-Bürger im Irak beschützen, falls die radikalislamischen Milizen diese in Gefahr bringen. Obama nannte die Stadt Erbil im kurdischen Autonomiegebiet, wo "Diplomaten und Zivilisten in unseren Konsulaten dienen und amerikanisches Militärpersonal irakische Streitkräfte berät". Sollten die "barbarischen" IS-Milizen weiter auf Erbil zurücken, werde es "gezielte Schläge" auf ihre Konvois geben. Es kursierten aber widersprüchliche Angaben darüber, ob es bereits Luftschläge gegeben habe oder nicht. "Bisher haben keine Luftschläge stattgefunden", hieß es in der Nacht aus US-Regierungskreisen. Doch kurdische und irakische Beamte sagten nach Angaben der "New York Times", dass es in der Nacht US-Luftangriffe auf zwei Städte im Nordirak gegeben habe, Gwer und Mahmour.

  • Humanitäre Hilfe: Obama autorisierte zugleich den Abwurf von Lebensmitteln und Trinkwasser für die eingeschlossenen Jesiden. Diese Aktion, unterstrich er, erfolge "auf Wunsch der irakischen Regierung". Nach Angaben aus dem Weißen Haus wurden bereits rund 8000 Mahlzeiten und mehr als 200.000 Liter Trinkwasser über dem Berg abgeworfen, aus drei Transportflugzeugen des US-Militärs, eskortiert von zwei F-18-Kampffliegern.

"Diese unschuldigen Familien stehen vor einer entsetzlichen Wahl", sagte Obama über die Jesiden. "Entweder steigen sie vom Berg und werden abgeschlachtet, oder sie bleiben und sterben langsam vor Durst und Hunger."

Es war Obama anzuhören, wie schwer ihm diese Entscheidung fiel. "Die USA können und sollten nicht jedes Mal intervenieren, wenn es auf der Welt eine Krise gibt", versuchte er seine halbherzige Obama-Doktrin - die Krux seiner wirren Außenpolitik - rhetorisch noch zu retten. Diesmal aber sei klar: Man müsse handeln, um "ein Massaker zu verhindern".

US-Luftschläge sind nicht das einzige Mittel

Die Luftschläge sind freilich nicht das einzige militärische Kraftmittel der USA im Irak. Militärberater sind bereits jetzt am Boden, um die überforderten irakischen Streitkräfte gegen IS zu unterstützen. Sie würden notfalls auch mithelfen, die Belagerung des Bergs Sindschar "zu brechen", kündigte Obama an.

Dieses US-Personal sei jedoch nicht fürs Gefecht ausgebildet, betonte ein hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses kurz darauf: "Wir werden keine Kampftruppen einsetzen." Hilfe werde es nur in Form weiterer Militärberater geben. "Das sind ganz klare Einschränkungen."

Verständlich: Die allermeisten Amerikaner - allen voran Obama - haben keine Lust, sich im Irak in ein neues Kriegsabenteuer zu stürzen. Stattdessen setzt Obama auf eine politische Lösung: Man hoffe, dass die Regierungskrise im Irak bis Sonntag beigelegt sei, hieß es.

"Das Risiko für die Zukunft des Irak könnte nicht deutlicher sein", erklärte US-Außenminister John Kerry in der Nacht. "Die heutige Krise unterstreicht dieses Risiko zutiefst." Doch das diplomatische Kapital der USA in der Region ist zurzeit nahezu null.

Offen blieb abermals auch, ob Obama gesetzlich überhaupt befugt ist, Luftschläge im Alleingang anzuordnen, ohne Segen des urlaubenden Kongresses. "Wir sind der Ansicht, dass der Präsident unter der Verfassung als Oberkommandierender die Autorität dazu hat, um Schaden von amerikanischen Bürgern abzuwenden", hieß es im Weißen Haus. Auch das Völkerrecht billige die Aktionen, da die Regierung des Irak die USA um Hilfe gebeten habe.

Im Kongress selbst, der bis Mitte September in der Sommerpause ist, sind die Meinungen dazu geteilt. Eine bestehende Autorisierung des Kongresses von 2001, die dauerhaft US-Schläge gegen al-Qaida genehmigt, könnte womöglich nicht auf die Miliz IS zutreffen, da die Gruppe nicht mit al-Qaida in Verbindung steht.

Die Minderheit der Jesiden
Wo leben die Jesiden?
Die Jesiden stammen aus dem Irak, aus Syrien, Iran und der Türkei. Sie leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen Verfolgungen, Diskriminierungen oder Anfeindungen in ihren Heimatländern sind viele ins Ausland geflohen.
Wie viele Jesiden gibt es?
Genaue Angaben zur Zahl der Jesiden weltweit gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhängern.
Wie groß ist die Gemeinde in Deutschland?
Die Zahlen variieren auch in Deutschland - von um die 50.000 bis zu 120.000 Jesiden. Sie leben überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat seinen Sitz in Oldenburg, in Hannover gibt es eine Jesidische Akademie.
Woran glauben die Jesiden?
Ihr Glauben enthält Elemente anderer Religione wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime. Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Dieser wird im Christentum und im Islam als "gefallener Engel" oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Aus Sicht der Jesiden bestand der Engel aber mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens zu Gott. Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen.
Wo befindet sich ihr wichtigster heilige Ort?
Er liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Wenn der Kongress
erasmus89 08.08.2014
ernsthaft die Zustimmung für diesen humanitären Einsatz versagt und tatsächlich argumentiert, der IS habe nichts mit al-Qaida zu tun (mittlerweile ein Oberbegriff für Terrorismus), dann ist das das deutlichste Zeichen dafür, welche Intentionen die Amerikaner mit dem IS haben und welche Menschenverachtung da offenbart wird. Obama handelt richtig, er müsste aber leider einen Militäreinsatz mithilfe von Verbündeten und vllt. auch Russland durchführen. Der IS muss trotz möglicher Verluste vernichtet werden, damit der Terror in Syrien und im Irak aufhört.
2. Absolut notwendig
KingTut 08.08.2014
Zitat von sysopAFPBarack Obama erlaubt Luftschläge gegen die dschihadistischen IS-Terroristen: Ist das der Beginn eines neuen Irak-Krieges für die USA? Genau den will der Präsident vermeiden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-us-praesident-obama-erlaubt-luftschlaege-gegen-is-armee-a-985079.html
An der Erklärung Obamas gibt es absolut nichts auszusetzen. Wenn es keinen globalen Konsens über die Entsendung von internationalen Truppen gibt, denen meinetwegen auch ruhig Russen und Chinesen angehörten könnten, dann muss Amerika im Alleingang handeln. Ich hätte es auch begrüßt, wenn aus der islamischen Welt Maßnahmen gegen die Dschihadisten ergriffen worden wären, denn es sind in erster Linie Moslems einschließlich ihrer Heiligtümer, die bedroht sind. Auch die in Deutschland lebenden Moslems sind herzlich eingeladen, gegen die Gewaltexzesse, mit denen die Terroristen die Region überziehen, auf die Straße zu gehen!
3. Amerikahasser und 5.Kolonne Putins
gesundheitssystem 08.08.2014
werden sich bestimmt gleich wieder zu Wort melden. Aber warum hilft keiner der Zivilbevölkerung gegen diese fehlgeleiteten in Sachen Religion ? Die einen sind überfordert (Irak und Anreiner), die andern zu feige (Europa), die nächsten freuen sich wenn die anderen sich streiten, Menschenleben sind denen egal (Russland), China hält sich eh raus, es sei denn es gehe um Rohstoffe, und jetzt... Muss wieder der Amerikaner helfen und wird wieder als Weltpolizist beschimpft werden. Sollte Amerika nicht eingreifen werde sie von der IS als Feiglinge herausgefordert werden und auch andere werden wieder sagen "warum helfen die nicht, gibt es da nichts mehr zu holen ?) Schöne Welt. Danke Amerika dass du immer wieder deine Söhne und Töchter für den Frieden opferst. (Ich weiss natürlich auch dass nicht alles so gut ist was Amerika macht NSA etc. )
4. endlich
antiheld 08.08.2014
Endlich! Ich hatte schon befürchtet die Welt würde zu schauen wie tausende in der Wüste verhungern. Jetzt wo tatsächlich Terroristen das Land übernehmen will die USA sich am liebsten raus halten? Die EU muss unterstützung leisten auch wenn die USA für diese Katastrophe verantwortlich ist.
5. Wer sich die Suppe einbrockt,
marusjia 08.08.2014
der muss sie auch auslöffeln. In diesem Fall haben die USA sämtliche staatliche Strukturen im Irak zerstört, sodass es ein Paradies für Terroristen geworden ist. So schnell kommen die Amis aus der Nummer auch nicht mehr raus.
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Hauptstadt: Bagdad

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IS im Nordirak: Kurden gehen gegen Dschihadisten vor

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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