Irak: US-Soldaten finden österreichische Waffen

Die US-Armee hat einem britischen Zeitungsbericht zufolge Belege dafür gefunden, dass Iran Waffen an Terroristen im Irak liefert. In Bagdad seien österreichische Gewehre gefunden worden, die zuvor nach Teheran geliefert worden waren.

London - Mehr als hundert österreichische Waffen hätten US-Soldaten im Irak gefunden, berichtet der "Daily Telegraph". Die Scharfschützengewehre seien bei einer Razzia in Bagdad entdeckt worden, heißt es unter Berufung auf Verteidigungskreise. Die Waffen seien Teil einer Lieferung von insgesamt 800 Gewehren, die der österreichische Hersteller Steyr-Mannlicher an Iran verkauft habe. Sie waren für die iranische Polizei bestimmt, die damit nach eigenen Angaben gegen Drogenschmuggler vorgehen wollte.

Präzisionswaffe: Das österreichische Gewehr hat eine Reichweite von bis zu 1,5 Kilometer
Steyr-Mannlicher

Präzisionswaffe: Das österreichische Gewehr hat eine Reichweite von bis zu 1,5 Kilometer

Das Blatt zitierte einen Sprecher des britischen Außenministeriums mit den Worten, trotz der im Vorhinein geäußerten Bedenken sei das Geschäft gemacht worden. Nun seien die Befürchtungen, dass die Waffen in die falschen Hände geraten könnten, eingetreten.

Wann genau die Waffen an Iran geliefert wurden, ist unklar. Der "Daily Telegraph" berichtet, die Lieferung sei im vergangenen Jahr erfolgt. Laut Amnesty International Österreich hatte die Firma den Exportantrag schon im Jahr 2004 gestellt. Nach Angaben österreichischer Medien sollte die Waffenlieferung ursprünglich 2000 Gewehre dieses Typs umfassen.

Der Zeitung zufolge wurde im Irak ein US-Soldat in einem gepanzerten Fahrzeug mit einem solchen Gewehr von Aufständischen erschossen, und zwar weniger als 45 Tage nachdem die ersten Waffen des Typs in Iran eingetroffen waren. In den vergangenen sechs Monaten seien mehrere der Waffen im Irak aufgetaucht. Doch erst mit einer größeren Razzia in Bagdad während der vergangenen 24 Stunden seien insgesamt über 100 Gewehre des Typs gefunden worden.

4.000 Euro teure Präzisionswaffe

Das im Internet für rund 4000 Euro angebotene Präzisionsgewehr Steyr HS.50 hat eine Reichweite von bis zu 1500 Meter. Es kann mit wenigen Handgriffen zerlegt und wieder zusammengebaut werden. Schüsse aus dem Gewehr können aus großer Entfernung Panzerungen durchschlagen, etwa solche, durch die gebräuchliche Truppentransporter vom Typ "Humvee" geschützt werden. Das Scharfschützengewehr gilt als eine der präzisesten Waffen, die derzeit auf dem internationalen Rüstungsmarkt zu kaufen sind.

Die österreichische Waffenfirma Steyr-Mannlicher kann nicht bestätigen, dass die von US-Kräften im Irak sichergestellten Präzisionsgewehre vom Typ Steyr HS.50 aus einer Lieferung stammen, die kürzlich an den Iran gegangen ist. Franz Holzschuh, Miteigentümer und CEO von Steyr-Mannlicher sagte der "Welt", dass noch niemand bei seinem Unternehmen angerufen habe, um die Seriennummern abzugleichen.

"Das ist absolut unüblich", betont Holzschuh. Die Herkunft der Waffen aus Österreich sei fraglich, denn die Lizenzen für die Waffen seien seit Jahren ausgelaufen, und das Gewehr würde überall auf der Welt nachgebaut. "Wir sind ein seriöses Unternehmen und handeln nur mit Regierungen." Holzschuh beklagt: "Jetzt prügeln sie auf uns ein. Das ist unterste Schublade!"

Großbritannien und die USA hatten gegen das Geschäft des österreichischen Herstellers mit Iran protestiert. Das Weiße Haus beschuldigt die Regierung in Teheran seit geraumer Zeit, Waffen an schiitische Extremisten im Irak zu liefern. Der Waffenfund wird von den USA als weiteres Indiz für solche Lieferungen interpretiert. Erst am Wochenende hatten hochrangige US-Militärs Teheran beschuldigt, Panzerfäusten und Mörsergranaten ins Nachbarland geliefert zu haben - mindestens 170 US-Soldaten seien im Irak durch solche Waffen getötet worden.

Bush wiegelt ab

US-Präsident George W. Bush hat gestern Spekulationen über einen möglichen Angriff auf Iran gedämpft. Entsprechende Gerüchte tat er in einem Interview als politisches Gerede ab. Es gebe noch immer die Chance, den Konflikt über das iranische Atomprogramm auf diplomatischem Weg zu lösen, sagte Bush dem Fernsehsender C-SPAN.

"Die Iraner sind gute, ehrliche und anständige Leute, und sie haben eine streitlustige, laute und bedrohliche Regierung, die auf Konfrontation zum Rest der Welt geht", sagte Bush. "Unser Ziel ist, den Druck aufrecht zu erhalten, so dass vernünftige Leute auftauchen und sagen, dass das die Isolation nicht wert ist." Die USA werfen Iran vor, eine Atombombe bauen zu wollen.

Die EU warnt inzwischen laut einem Zeitungsbericht davor, dass Iran über kurz oder lang atomwaffenfähiges Material herstellen wird. "Wir müssen damit rechnen, dass Iran irgendwann in der Lage sein wird, Uran bis zu dem für ein Waffenprogramm notwendigen Grad anzureichern", zitierte die "Financial Times" heute aus dem EU-Bericht, der den 27 Außenministern der Staatengemeinschaft vor ihrem aktuellen Treffen zugegangen sei. "Das Problem mit Iran wird nicht allein durch Wirtschaftssanktionen gelöst werden", heißt es demnach darin auch.

Der Verhandlungsprozess sei bislang nicht erfolgreich gewesen, zitierte die Zeitung weiter aus dem EU-Dokument. Einzig technische Schwierigkeiten hätten bislang den Fortgang des iranischen Atomprogramms behindert - und nicht etwa Resolutionen der Vereinten Nationen oder der Internationalen Energiebehörde.

jaf/ler/AFP/Reuters/AP

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