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Krise im Irak: USA wollen neue Regierung ohne Maliki

Irakischer Premier Maliki: "Er muss gehen" Zur Großansicht
AFP

Irakischer Premier Maliki: "Er muss gehen"

Die US-Regierung traut Iraks Premier Maliki offenbar nicht mehr zu, die religiösen Konflikte in seinem Land in den Griff zu bekommen. Laut "Wall Street Journal" will Präsident Obama eine neue Koalition der Einheit forcieren - ohne den Schiiten.

Washington - Die USA drängen in der Irak-Krise offenbar verstärkt auf politische Veränderungen in dem Land. Laut einem Bericht des amerikanischen "Wall Street Journal" will sich Präsident Barack Obama dafür einsetzen, dass eine neue irakische Regierung ohne Ministerpräsident Nuri al-Maliki gebildet wird. Demnach traut die US-Regierung dem Schiiten Maliki nicht zu, das Land zu einen und die instabile politische Lage zu stabilisieren.

Im Irak gibt es eine schiitische Mehrheit. Maliki hatte die Wahlen im April gewonnen und die sunnitische Minderheit daraufhin von wichtigen politischen Posten ferngehalten. Die Isis-Miliz, die zurzeit einen Feldzug durch den Irak führt, besteht aus radikalen Sunniten.

Obama hatte sich am Mittwochabend in Washington mit führenden Politikern von Senat und Abgeordnetenhaus getroffen, um über die weitere US-Strategie zu beraten. Nach Angaben von Regierungsbeamten sollen die Parteien im Irak aufgefordert werden, eine Regierung ohne Maliki zu bilden, an der neben Sunniten auch Kurden beteiligt wären. Dies solle helfen, Unterstützung der Sunniten im Kampf gegen die Isis-Krieger zu bekommen.

Die Obama-Regierung reagiert damit auch auf Druck von außen. Immer mehr US-Abgeordnete sowie arabische Verbündete - insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate - hatten das Weiße Haus gedrängt, Maliki die Unterstützung zu entziehen. Dies sei Bedingung für ihre Hilfe bei der Stabilisierung des Iraks, hieß es nun vonseiten amerikanischer und arabischer Diplomaten. Und auch im Irak selbst wurden Stimmen laut, die eine Regierungsumbildung forderten. So rief etwa der frühere Übergangsregierungschef Ijad Allawi die Führer aller Blöcke zu einem Spitzentreffen auf, um einen Fahrplan aus der Krise zu erarbeiten.

Diese Strategie hatte zuvor auch US-Vizepräsident Joe Biden verfolgt. Biden hielt nach Angaben des Weißen Hauses eine Telefonkonferenz mit Regierungschef Maliki, Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi sowie dem Präsidenten der Kurden-Region, Massud Barsani. Dabei betonte er die "Notwendigkeit der nationalen Einheit angesichts der Bedrohung durch die Isis". Er habe seine Gesprächspartner aufgefordert, schnell eine neue Regierung zu bilden, hieß es.

Reißerischer formulierte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Senats das Ziel der US-Regierung im Irak. Dianne Feinstein sagte vor dem Kongress: "Die Regierung von Maliki muss gehen, wenn es eine Versöhnung geben soll."

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

kes

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insgesamt 79 Beiträge
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1. <->
silenced 19.06.2014
Sollten die USA nicht langsam gelernt haben, daß es nichts bringt sich dort einzumischen? Raushalten und machen lassen, nur so lernt man dort zu schätzen was erreicht wurde.
2. komische vorstellung von demokratie
seiplanlos 19.06.2014
komische vorstellung von demokratie hat die USA dort. Unterstützung entziehen? OK, aber auffordern eine neue Regierung zu bilden, nachdem man Wahlen hatte...
3. Sie wollen ?
mitbestimmender wähler 19.06.2014
Na die Amerikaner haben Nichts gelernt und arbeiten weiter an Ihrem Image.
4. Tolle Idee...
Danyr2d2 19.06.2014
Zitat von sysopAFPDie US-Regierung traut Iraks Premier Maliki offenbar nicht mehr zu, die religiösen Konflikte in seinem Land in den Griff zu bekommen. Laut "Wall Street Journal" will Präsident Obama eine neue Koalition der Einheit forcieren - ohne den Schiiten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-usa-wollen-regierung-in-bagdad-ohne-premier-maliki-a-976126.html
...der Mister Freidensnobelscheißdrecker mag ja in diesem Falle sachlich recht haben- nur: was maßt E sich an das Irakische volk zu ersetzen- die Sunnitische Hälfte möchte diesen Maliki weghaben, die Schiitische hälfte Ihn dranlassen- egal wie die USA hier wieder manipulieren- es geht Scheiße aus- wann lernen die das endlich ?
5. Die USA schreiben anderen Länder also vor,
C. Silber 19.06.2014
wie sie ihre Regierung aufzustellen haben. Und wenn sie denen nicht genehm ist, dann inszenieren sie einen Putsch, wie den in der Ukraine.
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