Irak-Wahl Ministerpräsident Maliki bei Auszählung vorn

Die Stimmenauszählung im Irak nach der Parlamentswahl läuft chaotisch. Aber für Ministerpräsident Maliki zeichnet sich eine Führung ab, auch in Bagdad liegt er vorn. Angeblich sondiert er bereits Koalitionsoptionen. Herausforderer Allawi klagt über Wahlfälschung.

Klagen über Wahlfälschung: Arbeiter stapeln in Bagdad Wahlurnen mit Stimmzetteln
AFP

Klagen über Wahlfälschung: Arbeiter stapeln in Bagdad Wahlurnen mit Stimmzetteln


Bagdad - Bei der Stimmenauszählung nach der irakischen Parlamentswahl liegen erste Teilergebnisse aus der Hauptstadt Bagdad vor. Ihnen zufolge liegt der Block von Premierminister Nuri al-Maliki vorn. Sollte sich der Trend fortsetzen, wäre dies ein beträchtlicher Schub für Maliki und dessen Chancen, erneut Regierungschef zu werden.

Bereits früher bekannt gewordenen Teilergebnissen zufolge hat Malikis Bündnis auch in der Mehrheit der Provinzen des Landes eine Führung. Wann das Endergebnis der Wahl vom vergangenen Sonntag feststeht, ist noch nicht abzusehen.

In der Hauptstadt sind allein 70 der insgesamt 325 Parlamentssitze zu vergeben. Die Teilergebnisse für Bagdad wurden am Samstag von der Unabhängigen Wahlkommission Journalisten zugänglich gemacht, Minuten später aber wieder zurückgezogen. Eine Sprecherin der Kommission, Gulschan Kamal Ali, bestätige jedoch anschließend, dass die gemeldeten Ergebnisse korrekt seien.

Maliki verhandelt schon über Regierungsbildung

Demnach liegt Malikis Block derzeit mit 159.000 Stimmen in Führung, gefolgt von der schiitischen Irakischen Nationalallianz (INA) mit 108.000 Stimmen. Den dritten Platz belegt das Bündnis unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Ajad Allawi mit 105.000 Stimmen. Es wurden aber keine Angaben darüber gemacht, wie viel Prozent der Stimmen in Bagdad bereits ausgezählt sind und aus welchen Stadtbezirken die Teilergebnisse stammen.

Maliki scheint siegesgewisse zu sein. Berichten zufolge führt er bereits Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung. Malikis Rechtsstaatsallianz habe eine fünfköpfige Verhandlungsgruppe für die Gespräche mit anderen Parteien gebildet, sagte der Abgeordnete Abbas al-Bajati am Samstag in Bagdad. Die Maliki-Vertreter hätten sich bereits mit Politikern von vier Parteien getroffen, die bei der Abstimmung am vergangenen Sonntag gut abgeschnitten hätten. Drei von ihnen seien mit einer erneuten Kandidatur Malikis für das Amt des Ministerpräsidenten einverstanden.

Herausforderer Allawi klagt über Wahlfälschung

Der Herausforderer Ajad Allawi führt den Teilergebnissen zufolge bislang in zwei mehrheitlich sunnitischen Provinzen nördlich von Bagdad. Malikis Rechtsstaatsallianz holte den Angaben zufolge aber in den schiitisch dominierten Provinzen Nadschaf, Babylon, Muthanna, Kerbela und Bagdad die meisten Stimmen

Das Gesamtergebnis wird Mitte kommender Woche erwartet, das offizielle Endergebnis soll aber erst Ende März nach der Prüfung aller Wahlbeschwerden feststehen.

Die bisher bekannten Ergebnisse sind nicht unumstritten. Allawis Partei hat sich über Wahlfälschungen zugunsten von Maliki beklagt. Es wird zudem mit einer langwierigen Regierungsbildung gerechnet.

yas/APN/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.