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"Islamischer Staat" im Irak: Kurden kündigen Offensive gegen Terrormiliz an

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AP

Jesidische Flüchtlinge am Sonntag im Nordirak: Ultimatum gesetzt

Die kurdische Peschmerga-Armee will die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Nordirak zurückdrängen. Premier Maliki versprach Unterstützung aus der Luft. Zehntausende Jesiden sind auf der Flucht vor den Extremisten.

Bagdad - Kurdische Kämpfer im Nordirak haben eine Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angekündigt. Eine große Zahl von Peschmerga-Kämpfern werde zusammengezogen um zurückzuschlagen, sagte ein kurdischer Vertreter.

Einen militärischen Teilerfolg konnten die Kämpfer offenbar bereits verbuchen. Die Einheiten hätten einen kleinen Ort nördlich der Stadt Mossul zurückerobert, berichtete das kurdische Nachrichtenportal Rudaw über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Mit der Militäraktion reagieren die Kurden auf massive Gebietsverluste vom Wochenende, als die IS-Extremisten große Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Den Rückzug der Peschmerga-Einheiten am Wochenende begründete der Sprecher damit, dass die Truppen in dem weitläufigen Areal überlastet gewesen seien.

"Wir werden keine Gnade zeigen"

Ein Peschmerga-Oberst kündigte an, dass alle am Sonntag verlorenen Gebiete und auch die Großstadt Mossul von den Extremisten zurückerobert würden. "Wir werden sie angreifen, bis sie vollständig vernichtet sind, und wir werden keine Gnade zeigen."

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki befahl der Luftwaffe nach einem Bericht des Staatsfernsehens, die kurdischen Einheiten gegen die Extremisten zu unterstützen. Zugleich forderte Maliki die USA zu Waffenlieferungen an die Kurden auf.

Am Wochenende hatte die früher als Isis bekannte Bewegung IS drei Städte, den Mossul-Staudamm sowie ein Ölfeld samt Raffinerie erobert.

Der Vormarsch der Dschihadisten hat Zehntausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Bei den Flüchtlingen im Nordirak handelt es sich zu großen Teilen um Jesiden, eine kurdisch sprechende Minderheit im Irak. Die IS-Dschihadisten betrachten die Jesiden als "Teufelsanbeter" und haben sie in der Vergangenheit wiederholt angegriffen.

Die Nachrichtenagentur AP meldete, dass es sich um ungefähr 40.000 Jesiden handelt, die im Irak nun zusätzlich auf der Flucht sind. Zuvor war die Uno bereits von 200.000 Flüchtlingen ausgegangen.

Berichte über gezielte Massaker gegen Jesiden

Ein Sprecher der jesidischen Gemeinde sagte, die Dschihadisten hätten bereits Tausende Menschen getötet, konkretisierte seine Aussage aber nicht weiter. Ähnlich wie der christlichen Minderheit in Mossul hätten die Extremisten auch den Jesiden ein Ultimatum gesetzt: Sie sollten zum Islam konvertieren und eine zusätzliche Steuer zahlen - oder sie würden hingerichtet.

Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die Extremisten ihre Drohung bereits wahrgemacht haben. So gibt es Berichte über gezielte Massaker, die IS-Extremisten an Jesiden verübt haben sollen. In Sindschar sollen 67 junge Männer mit Schüssen hingerichtet worden sein, meldete die Nachrichtenagentur dpa. Sie hätten sich geweigert, zum Islam überzutreten. Die kurdische Nachrichtenagentur Bas News schrieb, 88 junge Männer seien hingerichtet worden.

Die Minderheit der Jesiden
Wo leben die Jesiden?
Die Jesiden stammen aus dem Irak, aus Syrien, Iran und der Türkei. Sie leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen Verfolgungen, Diskriminierungen oder Anfeindungen in ihren Heimatländern sind viele ins Ausland geflohen.
Wie viele Jesiden gibt es?
Genaue Angaben zur Zahl der Jesiden weltweit gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhängern.
Wie groß ist die Gemeinde in Deutschland?
Die Zahlen variieren auch in Deutschland - von um die 50.000 bis zu 120.000 Jesiden. Sie leben überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat seinen Sitz in Oldenburg, in Hannover gibt es eine Jesidische Akademie.
Woran glauben die Jesiden?
Ihr Glauben enthält Elemente anderer Religione wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime. Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Dieser wird im Christentum und im Islam als "gefallener Engel" oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Aus Sicht der Jesiden bestand der Engel aber mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens zu Gott. Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen.
Wo befindet sich ihr wichtigster heilige Ort?
Er liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal.

kes/AP

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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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