Irak Zweifel an US-Bericht über Gefecht von Samarra

Die bisherige amerikanische Darstellung des heftigen Gefechts in der irakischen Stadt Samarra wird von irakischen Behörden zunehmend angezweifelt. Auch das US-Militär räumte inzwischen ein, dass die angegebene Zahl von 54 getöteten Aufständischen auf Schätzungen beruhe.


Bei dem Gefecht in Samarra sollen die US-Soldaten willkürlich um sich geschossen haben
DPA

Bei dem Gefecht in Samarra sollen die US-Soldaten willkürlich um sich geschossen haben

Bagdad - Der Polizeichef von Samarra, Oberst Ismail Mahmud Mohammed, bestritt die Angaben von US-Sprechern, wonach in der Stadt 54 Angreifer getötet, 22 verwundet und einer festgenommen wurden. Der Polizeichef sprach von acht getöteten Zivilisten, darunter ein iranischer Pilger, und mindestens 45 Verletzten.

US-Militärsprecher General Mark Kimmitt räumte auf einer Pressekonferenz am Montagabend ein, dass die Zahl von 54 getöteten Angreifern auf ersten Gefechtsfeld-Berichten beruht habe, also auf Schätzungen von am Kampf beteiligten US-Soldaten. Die Frage, ob das US-Militär die Leichen der Getöteten bergen konnte, verneinte Kimmitt. "Ich würde vermuten, dass sie (die Aufständischen) sie weggebracht haben", sagte er. Erste Berichte, denen zufolge die US-Truppen 25 Angreifer gefangen genommen hätten, bezeichnete er als möglicherweise etwas unzutreffend.

Zu den zivilen irakischen Opfern und den vom Kampf verursachten Schäden sagte Kimmitt: "Uns liegen keine Berichte über irgendwelche Kollateralschäden oder unschuldige Zivilisten, die getötet oder verwundet wurden, vor." Sollten solche Meldungen noch auftauchen, würden sie in der Untersuchung berücksichtigt werden.

Der schwere Zusammenstoß hatte sich ereignet, nachdem Aufständische vor zwei Banken in Samarra am Sonntag zwei Geldtransporter angegriffen hatten, die von starken US-Verbänden gesichert waren. In der Stadt waren Spuren von schweren Kämpfen zu sehen: von Panzern niedergewalzte Autos, ein völlig zerschossener Autobus, der iranische Pilger transportiert hatte, und Wohngebäude mit Hunderten von Einschusslöchern.

Guerilla-Kommandos hätten die beiden US-Konvois angegriffen und sich wieder zurückgezogen, berichteten Augenzeugen. Die Amerikaner hätten willkürlich in der Gegend herumgeschossen und viele Verluste hinnehmen müssen. Nach US-Angaben wurden fünf GIs und ein am Geldtransport beteiligter Zivilist verwundet, keiner von ihnen lebensgefährlich.



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