Irakische Gefangene: Blair ist entsetzt über die Misshandlungen

Der engste Verbündete der USA im Irak-Konflikt hat die Misshandlungen von Irakern durch Angehörige der amerikanischen Armee scharf verurteilt. Angesichts der menschenverachtenden Bilder zeigte sich Premier Tony Blair "entsetzt". Auch gegen britische Soldaten werde ermittelt. Für Amnesty International sind die Misshandlungen "kein Einzelfall".



Premier Blair: Entsetzt über die TV-Bilder
REUTERS

Premier Blair: Entsetzt über die TV-Bilder

London - Blair stellte die dokumentierten Bilder als Einzelfälle dar. An den mutmaßlichen Verfehlungen Weniger dürfe nicht die gesamte Koalition gemessen werden, teilte heute das Büro des britischen Ministerpräsidenten in London mit. "Dies ist nicht repräsentativ für die 150.000 Soldaten, die im Irak sind."

Allerdings seien die auf den Aufnahmen des TV-Senders CBS gezeigten Vorgänge ein "direkter Verstoß gegen die politischen Richtlinien, unter denen die Koalition arbeitet", sagte Blairs Sprecher. Er wies darauf hin, dass die Führung der US-Armee die Bilder bereits als "entsetzlich" bezeichnet habe. Die britische Regierung teile die Auffassung der US-Armee in diesem Punkt, sagte der Sprecher. Blair hatte sich bisher mit Kritik an US-Militäraktionen im Irak auffällig zurückgehalten.

Blairs Sprecher bestätigte, dass in acht Fällen wegen mutmaßlicher Misshandlung von Irakern gegen Briten ermittelt werde. Vorwürfe würden stets untersucht, dies wisse jeder Soldat, der eine britische Uniform trage.

Auch Blairs Menschenrechtsgesandte für den Irak, Ann Clwyd, verurteilte die mutmaßlichen Misshandlungen. Sie habe die Behandlung von Gefangenen in Abu Ghraib in der Vergangenheit mit einem ranghohen US-Regierungsmitglied erörtert. "So etwas tun wir nicht", habe das Regierungsmitglied geantwortet. "Die Leute in der Führung wussten nicht, dass das passierte", sagte Clwyd im Sender BBC.

"Es reicht nicht, wenn nur auf TV-Bilder reagiert wird"

Diesen eher beschwichtigenden Darstellungen stehen Angaben von Amnesty International entgegen: "Unsere Nachforschungen belegen, dass dies keine Einzelfälle sind. Es reicht nicht aus, wenn die USA nur auf Fernsehbilder reagieren."

Kritik von Amnesty: Misshandlungen sind "kein Einzelfall"
AFP

Kritik von Amnesty: Misshandlungen sind "kein Einzelfall"

Amnesty forderte eine unabhängige, öffentliche Aufklärung der Fälle durch eine "kompetente Stelle". Die Koalitionsführung müsse ein "klares Signal" setzen, dass derartig "entwürdigende und brutale Praktiken" unter keinen Umständen geduldet werden dürften. Mit den neuen Enthüllungen werde die "zerbrechliche Situation" im Irak nur noch verschlimmert.

Die Organisation hat nach eigenen Angaben häufig Berichte über Folterung und Misshandlung durch die Koalitionstruppen im Irak erhalten. Häftlinge hätten berichtet, bei Vernehmungen "routinemäßig einer unmenschlichen, degradierenden und grausamen Behandlung" unterworfen worden zu sein. Viele hätten ausgesagt, von US-Truppen und britischen Soldaten bei Vernehmungen gefoltert worden zu sein.

Zu den Methoden zählten Schlafentzug, Schläge, laute Musik, grelles Licht, das Verdecken des Gesichts mit Kapuzen oder der Zwang zum Verharren in schmerzvollen Positionen. Nach Abschluss unabhängiger Untersuchungen müsse den Opfern oder deren Angehörigen finanzielle Entschädigung gezahlt werden.

CBS hatte am Mittwoch Bilder von nackten irakischen Gefangenen gezeigt, deren Köpfe von Hauben verhüllt waren und die von ihren Bewachern gequält wurden. Die Aufnahmen sollen Ende vergangenen Jahres im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad entstanden sein.

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