Irakische Verteidigung Maliki verbittet sich Kritik an Saddam-Hinrichtung

Mit harschen Worten hat der irakische Ministerpräsident Maliki ausländische Kritik an der Hinrichtung Saddam Husseins zurückgewiesen und mit der Überprüfung diplomatischer Beziehungen gedroht. Eine neue Sicherheitsoffensive soll indes die Gewalt in der Hauptstadt endlich stoppen.


Bagdad - Die Hinrichtung des früheren Machthabers sei eine innere irakische Angelegenheit, sagte Regierungschef Nuri al-Maliki heute. "Es geht allein das irakische Volk an und wir verurteilen alle offiziellen und inoffiziellen Erklärungen, die von einigen Regierungen abgegeben wurden." Der Hinrichtung des Ex-Präsidenten sei keine politische Entscheidung gewesen, wie die Feinde des Irak es darstellen wollten, sagte Maliki. "Die Entscheidung wurde nach einem langen und fairen Verfahren gefällt, das der Tyrann gar nicht verdiente." Seine Exekution habe der Einheit des Iraks gedient.

Ein offenbar mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video der Hinrichtung am 30. Dezember, auf dem schiitische Vertreter den wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Saddam am Galgen beschimpften und verhöhnten, hatte massive Proteste ausgelöst und die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak weiter verschärft. Tausende Sunniten hatten gegen die Hinrichtung demonstriert.

Der Ministerpräsident nahm in seiner Kritik auf kein spezielles Land Bezug. Mehrere Länder mit großer sunnitischer Bevölkerung, aber auch europäische Staaten und sogar und sogar US-Präsident George W. Bush hatten die Umstände der Hinrichtung Saddams kritisiert oder sich gegen den Vollzug der Todesstrafe ausgesprochen. Vor wenigen Tagen hatte der ägyptische Präsident Husni Mubarak die Bilder der Exekution als "abscheulich und barbarisch" beurteilt.

"Die irakische Regierung sollte vielleicht ihre Beziehungen zu den Regierungen überdenken, die den Willen des irakischen Volkes nicht respektieren", sagte Maliki. Auch auf die Kritik internationaler Menschenrechtsgruppen antwortete er mit harschen Worten. Weder die internationale Gemeinschaft noch die Menschenrechtsgruppen seien da gewesen, als die Verbrechen gegangen wurden, derer Saddam beschuldigt wurde.

Sicherheitsplan für die Hauptstadt

Maliki kündigte heute in Bagdad einen "neuen Sicherheitsplan" für die Hauptstadt an, um die ausufernde Gewalt einzudämmen. Der Plan soll angeblich der Führung der irakischen Streitkräfte mehr Handlungsfreiheit gewähren. In einer Rede zum 86. Jahrestag der Gründung der irakischen Streitkräfte äußerte der Ministerpräsident die Absicht, "die Streitkräfte besser vorzubereiten und zu befähigen, die Heimatstützpunkte der Terroristen zu zerschlagen". Es werde künftig nur noch den Sicherheitskräften erlaubt, Waffen zu tragen. Der Plan werde mit Rückendeckung der multinationalen Truppen umgesetzt, erklärte Maliki.

Hochrangige Berater des Premiers sagten, dass noch am Wochenende damit begonnen werde, die Aufständischen Stadtviertel für Stadtviertel zu bekämpfen. Der Sicherheitsplan solle zur neuen Irak-Strategie der US-Regierung beitragen. US-Präsident Bush will in den kommenden Tagen seine Pläne für den künftigen Kurs im Irak bekannt geben.

Tote bei Anschlägen, Leichefunde in Bagdad

Bei zwei neuen Autobombenanschlägen in Bagdad kamen heute vier Menschen ums Leben. Im Stadtteil Dora explodierte ein Auto in der Nähe einer Tankstelle. Drei Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet und vier verletzt. Ein weiterer Anschlag im Viertel Karrada kostete einen Passanten das Leben, sechs Menschen erlitten Verletzungen. Ziel dieses Anschlags war der Konvoi eines ranghohen Polizisten, wie ein Behördensprecher erklärte. Dieser blieb unversehrt, doch wurden drei seiner Leibwächter verletzt.

US-Soldaten töteten bei einer Razzia in Bagdad vier mutmaßliche irakische Extremisten. Ein fünfter Verdächtiger sei festgenommen worden, erklärte das US-Militärkommando in der irakischen Hauptstadt. Die Razzia habe sich gegen "Terroristen, die an der Produktion von Sprengsätzen beteiligt sind", gerichtet, hieß es aus Militärkreisen.

Die Polizei entdeckte abermals 27 Leichen in Bagdad. Die meisten der Getöteten wiesen Folterspuren auf, sagte ein Sprecher. Sie seien rund drei Kilometer nördlich der Grünen Zone in einer sunnitischen Gegend mit hohem Gewaltpotenzial gefunden worden.

phw/dpa/AP/reuters

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