Irakischer Gegenschlag: Scud-Raketen lösten Giftgas-Alarm aus

Die alliierten Truppen reagierten nervös auf den ersten Gegenangriff des Irak. Der Einschlag mehrerer Raketen in Kuweit löste Giftgas-Alarm aus. Später erklärte die irakische Regierung, sie besitze gar keine Scud-Raketen und sei nicht für den Angriff verantwortlich.

US-Soldaten schützen sich mit ihren ABC-Ausrüstungen gegen irakische Angriffe
DPA

US-Soldaten schützen sich mit ihren ABC-Ausrüstungen gegen irakische Angriffe

Bagdad/Kuweit-Stadt - Eines der Geschosse soll in der Nähe von US-Truppen in der Wüste von Kuweit eingeschlagen sein. Bei dem Angriff wurde nach amerikanischen Militärangaben eine irakische Scud-Rakete eingesetzt. Ein Militärsprecher erklärte, die Rakete sei von einem Patriot-Abwehrsystem abgefangen worden. Der Giftgasalarm für die US-Truppen in Camp New Jersey wurde wieder aufgehoben.

Zuvor waren bereits zwei Raketen im Norden Kuweits eingeschlagen. In Nordkuweit sind etwa 150.000 amerikanische Soldaten stationiert. Es gab keine Angaben über Opfer. Für die Militärs wurde Alarm gegeben. Die Soldaten wurden aufgefordert, Schutzmasken aufzusetzen.

In Kuweit-Stadt heulten die Sirenen

In Kuweit-Stadt wurde Luft- und kurzzeitig auch Giftgas-Alarm ausgelöst. SPIEGEL TV-Reporter Steffen Haug, der mit einem Kamerateam aus Kuweit berichtet, erlebte den ersten Luftalarm im Zentrum der Hauptstadt. "Als die Sirenen zum ersten Mal heulten, griffen wir sofort zu unseren Gasmasken. Dann haben wir, wie die anderen Journalisten auch, in einem Bunker Schutz gesucht." Die Menschen hätten sich sehr ruhig zu dem Schutzraum begeben. "Von Panik war nichts zu spüren."

Nach kurzer Zeit der Ungewissheit sei der Alarm wieder aufgehoben worden. Im Nachhinein, so berichtet Haug, sei er sich nicht sicher, ob es tatsächlich Raketenangriffe gegeben habe - oder ob der Alarm womöglich aus propagandistischen Gründen ausgelöst worden sei.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium von Raketeneinschlägen im Norden des Landes berichtet. Die zwei Raketen seien mit konventionellen Sprengköpfen bestückt gewesen, berichtete das kuweitische Fernsehen. Die Iraker hätten kein Giftgas eingesetzt.

Eine britische Patriot-Abwehrrakete fing nach britischen Angaben eine irakische Scud-Rakete mit Kurs auf Kuweit-Stadt ab. Es gebe keine Hinweise, dass die Rakete mit chemischen der biologischen Giftstoffen beladen war, sagte ein britischer Militärsprecher in der Kommandozentrale der amerikanischen und britischen Truppen im Golfstaat Katar.

Der irakische Informationsminister Saed al-Sahaf bestritt die Verantwortung für die Raketenangriffe. "Ich hörte Berichte, nach denen wir Scud-Raketen auf Kuweit abgeschossen hätten", sagte al-Sahaf. "Wir haben keine Scud-Raketen, und ich weiß nicht, warum sie abgefeuert wurden."

Ukraine schickt ABC-Spezialisten nach Kuweit

Auf Drängen der USA wird die Ukraine eine Anti-Kampfstoff-Einheit nach Kuweit entsenden. Das Parlament in Kiew stimmte am Donnerstag mehrheitlich für diese militärische Unterstützung der USA im Irak-Krieg. Im Februar hatte Washington die Ukraine um Entsendung eines Spezialbataillons zur Dekontaminierung nach dem Einsatz von biologischen, chemischen oder anderen Kampfstoffen gebeten. Das bilaterale Verhältnis war zuletzt wegen mutmaßlicher ukrainischer Rüstungslieferungen in den Irak gespannt.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck bekräftigte, dass die in Kuweit stationierten deutschen Soldaten nicht vom Krieg betroffen sein werden. Auf die Frage, ob man die Kriegshandlungen im Irak von dem Einsatz der ABC-Abwehrspezialisten trennen könne, sagte Struck: "Ja, kann man." Das mit "Fuchs"-Spürpanzern ausgerüstete Kontingent wird von derzeit rund 100 auf 250 Soldaten aufgestockt, um die "Schutzkomponente" zu verstärken, wie Struck sagte.

Ein irakisches Kleinflugzeug stürzte unterdessen angeblich im Norden Kuweits ab. Der Nachrichtensender CNN berichtete aus dem Pentagon, die Maschine vom Typ Cessna sei über die Grenze geflogen und dort niedergegangen. Es stand zunächst nicht fest, ob es sich um einen gezielten Angriff handelte. Befürchtet wurde, dass es sich um eine Attacke mit chemischen Kampfstoffen gehandelt haben könnte. Unklar war auch, ob die Maschine ferngelenkt worden war.

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