Iraks Problemnachbarn: Terror-Import mit dem Packesel

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2. Teil: Die Rolle Irans - Waffenlieferungen vom östlichen Nachbarn

Syrien und Iran: Die heimlichen Helfer Fotos
DPA

Viele der Geheimdokumente beschäftigen sich mit der Rolle Irans. Auch von dort kamen offenbar Waffen ins Land, einige über den Seeweg. In den Berichten der US-Truppen wird deutlich, dass sie die Grenze zu Iraks östlichem Nachbarstaat mit besonderem Argwohn beobachten.

In einem Report wird vor einem khakifarbenen Boot gewarnt, das am 1. Februar 2007 in Basra liegen soll, wo der Schatt al-Arab in den Persischen Golf fließt. Das Schiff soll aus Iran kommen und offiziell Hühner und Eier geladen haben. Der Geheimdienst des irakischen Verteidigungsministeriums will jedoch erfahren haben, dass zwischen all den Eiern und gackernden Hühnern 80 Katjuscha-Raketen versteckt sind, steht in einem US-Protokoll.

In einem anderen Memo wird geschildert, wie an der Grenze Waffen beschlagnahmt werden. Am 17. April 2008 kommt es demnach zu einem stundenlangen Schusswechsel zwischen Schmugglern und Sicherheitskräften. Die Iraker können die Waffenhändler vertreiben, sie fliehen laut Protokoll in Richtung Iran und lassen ihre schwer bepackten Esel zurück. Die Tiere bleiben an der Grenze stehen - beladen mit 163 panzerbrechenden Minen.

Raketenwerfer-Bausatz in Bananenkisten

Einem Bericht vom 13. Oktober 2006 zufolge kauft die schiitische Mahdi-Armee eine große Zahl Katjuscha-Raketen aus Iran, pro Stück für etwa 500 Dollar, und lagert sie in einer Moschee im irakischen Basra. Später werden die Geschosse demnach in Sanitätsfahrzeugen zu verschiedenen Stützpunkten rund um die Stadt transportiert. Kurz darauf warnt die Miliz die Einwohner von Basra, sie werde eine Offensive am Ende des Ramadan starten, wenn die britischen Streitkräfte - die damals die Region Basra kontrollierten - nicht abzögen.

Ebenfalls in Basra wird bei einer Routinepatrouille am 13. Dezember 2009 laut einem Protokoll ein Versteck mit 14 Kisten Maschinengewehrmunition gefunden, Kaliber 12,7. Auch sie sollen aus Iran stammen. Am 31. August 2009 entdecken Sicherheitskräfte einem Dokument zufolge im Industriegebiet von Amara, einer Stadt im Südosten des Irak, 17 Stahlschienen, dazu mehr als 1000 Wagenheber, versteckt in Bananenkisten. Schiitische Milizen basteln aus solchen Einzelteilen ihre Raketenwerfer.

Die Hinweise auf eine Iran-Connection sind eher sporadische Funde. Dass die USA so intensiv auf Belege für Waffenlieferungen aus dem Nachbarland geachtet haben, wirkt eher wie eine angestrengte Suche nach Beweisen dafür, dass Iran zu den Hauptunterstützern der schiitischen Milizen im Irak gehört.

Die Geheimprotokolle legen nahe, dass es Waffenlieferungen gegeben hat. Doch eines geben sie nicht her - einen Beweis, dass der Handel von der iranischen Regierung zentral gesteuert wurde.

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Forum - Sind die Opfer im Irak-Krieg zu rechtfertigen?
insgesamt 1528 Beiträge
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1. Krieg
Dr.Strangelove 22.10.2010
Krieg und Vernunft passen nicht sonderlich gut zusammen. Es versucht immer eine Seite ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Partei ergreifen, ist da nichts weiter als Partei für die Schlächterei ergreifen.
2. nein
Antje Technau 22.10.2010
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
nein. Dieser Krieg war damals ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der auf einer Lüge basierte. Auf der Lüge, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen, unter anderem Atomwaffen, besessen und er hätte "mit Terroristen" unter einer Decke gesteckt. Wie schon vor dem Krieg jeder halbwegs gebildete und informierte Mensch wusste, hatte Saddam Hussein weder Atomwaffen noch sonstige nennenswerte Massenvernichtungswaffen noch hatte er je mit alQaeda etwas zu tun. Und daran hat auch der Showprozess und die Hinrichtung von Saddam Hussein nichts geändert. Auch, dass es im Irak nun eine "Demokratie" gibt, die den irakischen Frauen ihre Menschenrechte genommen hat und sie durch Scharia-Recht ersetzt hat, rechtfertigt diesen Krieg, seine Toten und die Folteropfer unter den Irakern nicht. Wo kämen wir da hin, wenn man - nur weil es heute mit dem Irak *vielleicht* wieder aufwärts geht, falls den Irakern ihre Bodenschätze nicht von US-Firmen gestohlen werden - diese "Erfolge" als Argument für völkerrechtswidrige Angriffskriege gelten lassen wollte? Da könnte man doch genauso gut die Saudis von ihrem Königshaus "befreien", damit "unser Öl" endlich in die richtigen Hände gerät...//Ironie off
3. Natürlich nicht
derKanoniker 22.10.2010
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
Natürlich nicht. Und bitte mal daran erinnern: Stoiber und Merkel waren für diesen Krieg.
4. Destabilisierung
ANDIEFUZZICH 22.10.2010
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
Absolut nicht.
5. .
roflem 22.10.2010
Der Krieg war nur wegen Öl geführt worden. Dafür zu töten war bestimmt nicht gerechtfertigt. Wenn das Öl mal alle ist und Kriege wegen Wasser geführt werden wären sie genauso ungerechtfertigt. Aber wir werden es nie verhindern können.
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