Von Friederike Ott und Gregor Peter Schmitz
Viele der Geheimdokumente beschäftigen sich mit der Rolle Irans. Auch von dort kamen offenbar Waffen ins Land, einige über den Seeweg. In den Berichten der US-Truppen wird deutlich, dass sie die Grenze zu Iraks östlichem Nachbarstaat mit besonderem Argwohn beobachten.
In einem Report wird vor einem khakifarbenen Boot gewarnt, das am 1. Februar 2007 in Basra liegen soll, wo der Schatt al-Arab in den Persischen Golf fließt. Das Schiff soll aus Iran kommen und offiziell Hühner und Eier geladen haben. Der Geheimdienst des irakischen Verteidigungsministeriums will jedoch erfahren haben, dass zwischen all den Eiern und gackernden Hühnern 80 Katjuscha-Raketen versteckt sind, steht in einem US-Protokoll.
In einem anderen Memo wird geschildert, wie an der Grenze Waffen beschlagnahmt werden. Am 17. April 2008 kommt es demnach zu einem stundenlangen Schusswechsel zwischen Schmugglern und Sicherheitskräften. Die Iraker können die Waffenhändler vertreiben, sie fliehen laut Protokoll in Richtung Iran und lassen ihre schwer bepackten Esel zurück. Die Tiere bleiben an der Grenze stehen - beladen mit 163 panzerbrechenden Minen.
Raketenwerfer-Bausatz in Bananenkisten
Einem Bericht vom 13. Oktober 2006 zufolge kauft die schiitische Mahdi-Armee eine große Zahl Katjuscha-Raketen aus Iran, pro Stück für etwa 500 Dollar, und lagert sie in einer Moschee im irakischen Basra. Später werden die Geschosse demnach in Sanitätsfahrzeugen zu verschiedenen Stützpunkten rund um die Stadt transportiert. Kurz darauf warnt die Miliz die Einwohner von Basra, sie werde eine Offensive am Ende des Ramadan starten, wenn die britischen Streitkräfte - die damals die Region Basra kontrollierten - nicht abzögen.
Ebenfalls in Basra wird bei einer Routinepatrouille am 13. Dezember 2009 laut einem Protokoll ein Versteck mit 14 Kisten Maschinengewehrmunition gefunden, Kaliber 12,7. Auch sie sollen aus Iran stammen. Am 31. August 2009 entdecken Sicherheitskräfte einem Dokument zufolge im Industriegebiet von Amara, einer Stadt im Südosten des Irak, 17 Stahlschienen, dazu mehr als 1000 Wagenheber, versteckt in Bananenkisten. Schiitische Milizen basteln aus solchen Einzelteilen ihre Raketenwerfer.
Die Hinweise auf eine Iran-Connection sind eher sporadische Funde. Dass die USA so intensiv auf Belege für Waffenlieferungen aus dem Nachbarland geachtet haben, wirkt eher wie eine angestrengte Suche nach Beweisen dafür, dass Iran zu den Hauptunterstützern der schiitischen Milizen im Irak gehört.
Die Geheimprotokolle legen nahe, dass es Waffenlieferungen gegeben hat. Doch eines geben sie nicht her - einen Beweis, dass der Handel von der iranischen Regierung zentral gesteuert wurde.
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