Iran: Ahmadinedschad feuert seinen Außenminister

Überraschender Schritt in Iran: Präsident Ahmadinedschad hat seinen Außenminister Mottaki entlassen. Regierungskritische Medien spekulieren, der Grund seien inhaltliche Differenzen.

Iranischer Außenminister Mottaki: Überraschende Entlassung Zur Großansicht
AFP

Iranischer Außenminister Mottaki: Überraschende Entlassung

Teheran - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat Außenminister Manutschehr Mottaki entlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Fars am Montag. Nun solle der Chef der iranischen Atomorganisation, Ali Akbar Salehi, vorübergehend die Leitung des Außenministeriums übernehmen. Er gilt als enger Vertrauter des Präsidenten.

Ein Grund für die überraschende Entlassung des Ministers wurde zunächst nicht genannt. Ahmadinedschad habe Mottaki in einem Brief für seine Dienste im Außenministerium gedankt, berichtete die Agentur. "Ich danke Ihnen und schätze die Arbeit und die Dienste, die Sie in Ihrer Zeit im Außenministerium geleistet haben", zitierte die Nachrichtenagentur Irna aus dem Schreiben. Mottaki hielt sich zu einem offiziellen Besuch im Senegal auf, als seine Entlassung bekannt wurde. Irna zufolge hatte er kurz vor seiner Entlassung dem Präsidenten des westafrikanischen Landes eine Botschaft von Ahmadinedschad überbracht.

Der 57-jährige Diplomat Mottaki war im August 2005 zum Außenminister ernannt worden. Der Minister hatte zuletzt im Konflikt mit dem Westen um das iranische Atomprogramm Verhandlungsbereitschaft signalisiert, während Ahmadinedschad den westlichen Staaten Doppelmoral vorwarf.

Laut Medienberichten machten Abgeordnete Druck

Iranische Medien hatten in den vergangenen Monaten berichtet, dass Parlamentarier eine Entlassung Mottakis gefordert hätten, falls gegen das Land weitere Uno-Sanktionen wegen des umstrittenen Atomprogramms verhängt würden. Den Berichten zufolge bezeichneten die Abgeordneten Mottaki als nicht stark und überzeugend genug, um die iranischen Interessen auf internationaler Ebene zu vertreten. Der Uno-Sicherheitsrat hatte im Juni eine vierte Runde von Sanktionen gegen Iran beschlossen.

Auf einer regierungskritischen Website hieß es, Mottaki habe die Politik des Präsidenten kritisch gesehen. Mottaki habe es versäumt, seine Positionen denen des Präsidenten anzupassen, schrieb die Website Mardomsalari.

Mottaki hatte Sozialwissenschaften und internationale Beziehungen studiert. Er war vor seinem Amtsantritt als Außenminister Botschafter in der Türkei und in Japan und hatte mehrere Regierungsposten inne. So war er Generaldirektor im Ministerium für Westeuropafragen und Vize-Minister für Konsulatsangelegenheiten. Nach seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2004 wurde er Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit.

Westerwelle fordert Iran zu Fortsetzung der Atom-Gespräche auf

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran weist dies zurück.

Iran, die Uno-Vetomächte und Deutschland wollen im Konflikt um das Atomprogramm bei einem Treffen Ende Januar Gespräche führen. Zwei erste Beratungsrunden in Genf waren Anfang Dezember ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte Iran auf, die Atom-Gespräche auch nach der Entlassung von Außenminister Mottaki fortzuführen. Die Regierungsumbildung in Iran dürfe nicht dazu führen, "dass es jetzt ein Unterbrechen oder ein Zögern bei den Gesprächen" gebe, sagte Westerwelle. "Die Gespräche haben begonnen, und sie müssen fortgesetzt werden, in welcher politischen Konstellation auch immer."

mmq/dpa/Reuters/AFP/AP

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insgesamt 12 Beiträge
Marlin 13.12.2010
auf zur nächsten Verhandlungsrunde.. immerhin ergeht es Mottaki besser als denen im Gefängnis..
auf zur nächsten Verhandlungsrunde.. immerhin ergeht es Mottaki besser als denen im Gefängnis..
carlosowas 13.12.2010
/Ironie ein/ nächste Meldung: Merkel feuert ihren Außenminister. Grund: sachliche Differenzen. /Ironie aus/
/Ironie ein/ nächste Meldung: Merkel feuert ihren Außenminister. Grund: sachliche Differenzen. /Ironie aus/
vdh. 13.12.2010
Ach nee?
Ach nee?
Hubert Rudnick 13.12.2010
Und wann wird die BK Merkel ihre unfähigen Außenminister feuern? HR
Zitat von sysopÜberraschender Schritt in Iran: Präsident Ahmadinedschad hat seinen Außenminister Mottaki entlassen. Regierungskritische Medien spekulieren, der Grund seien*inhaltliche Differenzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734361,00.html
Und wann wird die BK Merkel ihre unfähigen Außenminister feuern? HR
crocman 13.12.2010
rausgeworfen während mottaki im senegal war? nicht ungeschickt. sowas ginge auch mit westerwelle, wenn wir den etwa in den kosovo schicken, die bundeswehrmaschine zurückrufen und mutti ihm danach das entlassungs-sms schicken [...]
rausgeworfen während mottaki im senegal war? nicht ungeschickt. sowas ginge auch mit westerwelle, wenn wir den etwa in den kosovo schicken, die bundeswehrmaschine zurückrufen und mutti ihm danach das entlassungs-sms schicken würde....
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  • Montag, 13.12.2010 – 15:12 Uhr
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  • Kommentieren | 12 Kommentare

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

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Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

Chronik
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.



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