Irans Präsident in New York Chamenei rügt Rohanis Charme-Offensive

Irans Präsident Rohani verblüffte in New York mit seiner Charme-Offensive. Beim religiösen Oberhaupt des Landes kam das nicht gut an: Nicht alles sei "angemessen" gewesen, sagte Ajatollah Chamenei. Die US-Regierung sei nach wie vor "nicht vertrauenswürdig".

Ajatollah Ali Chamenei (im Juni): "Ernste und harte" Reaktionen angekündigt
DPA/Khamenei Official website

Ajatollah Ali Chamenei (im Juni): "Ernste und harte" Reaktionen angekündigt


Teheran/New York - Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat Kritik am Besuch von Präsident Hassan Rohani in New York geübt. Man unterstütze zwar "die diplomatische Initiative der Regierung" und messe ihren Aktivitäten auf dieser Reise "Bedeutung" bei, sagte Chamenei in einer Rede, deren Zusammenfassung auf seiner Website veröffentlicht wurde. Gleichzeitig sagte er aber auch: "Einiges von dem, was in New York passiert ist, war nicht angemessen." Ins Detail ging Chamenei nicht.

Rohani hatte Ende September vor der Uno-Vollversammlung in New York gesprochen und dabei die zivile Ausrichtung des iranischen Atomprogramms betont. Rohani sagte, sein Land strebe eine "konstruktive" Zusammenarbeit mit anderen Staaten an. In zahlreichen Interviews rund um den Redetermin bemühte er sich zudem um eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA und zum Westen. Besonderes Aufsehen erregte ein Telefonat, das Rohani mit US-Präsident Barack Obama führte - es war das erste direkte Gespräch von Staatschefs der beiden Länder seit 1979.

In seiner Rede äußerte sich Chamenei nun erstmals zu der diplomatischen Offensive Rohanis. Dabei griff er die USA scharf an: "Wir sind den Amerikanern gegenüber pessimistisch und schenken ihnen kein Vertrauen. Die amerikanische Regierung ist nicht vertrauenswürdig, sie ist hochmütig und uneinsichtig und sie bricht ihre Versprechen." Auch die enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel kritisierte Chamenei.

"Ernste und harte" Reaktionen angekündigt

Israel und Iran sind tief verfeindet. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte vor der Uno angekündigt, sein Land sei bereit, eine atomare Bewaffnung Irans notfalls im Alleingang zu verhindern. Chamenei teilte nun mit, Iran werde "ernst und hart" auf feindliche Aktionen reagieren.

Vor der Rede des religiösen Führers hatten bereits konservative Hardliner in Iran Rohanis Annäherungskurs unter Beschuss genommen. Der Präsident sei mit seiner diplomatischen Initiative zu weit gegangen, hieß es etwa aus iranischen Militärkreisen.

So bezeichnete General Mohammed Ali Jafari, der Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, das Telefonat mit Obama als "taktischen Fehler". "Der Präsident, der auf seiner Reise eine angemessene und starke Position vertrat, hätte das Gespräch besser vermieden", sagte er bereits Anfang der Woche in einem Interview. "Solche Maßnahmen sollte man sich aufsparen, bis die USA ihren guten Willen mit handfesten, nachvollziehbaren Schritten unter Beweis gestellt haben."

Liberale Kräfte im Land begrüßten dagegen den Kurs Rohanis. Auch Chamenei betonte bei aller Kritik seine grundsätzliche Unterstützung für eine Annäherung an den Westen.

In Iran gilt nicht der Präsident, sondern das geistliche Oberhaupt als mächtigster Mann im Staat. Chamenei bestimmt die politischen Leitlinien und überwacht auch deren Umsetzung. Zudem ist er Oberkommandeur der Streitkräfte. Das Atomprogramm untersteht seiner direkten Kontrolle.

rls/AFP/AP/Reuters

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kstbremen 05.10.2013
1. Säbelrasseln.....
nutzt den Ajatollahs auch nicht mehr, höchstens im Inneren, sonst hätten sie die Wahlberechtigung Rohanis nicht zugelassen. Drei Ausgabenlöcher, Hisbollah, Syrienunterstützung, Atomprogramm, und Militär-Polizeistaat, kann sich auch Allah nicht leisten, bei den Sanktionen!
Wololooo 05.10.2013
2.
Bevor jetzt wieder Anti-Iran-Kommentare kommen, möchte ich kurz auf eine weitere Exekution im Iran diese Woche hinweisen, bei der entweder der Mossad oder die CIA federführend waren. Der Chef des Cyber-Warfare-Programms der Iraner wurde in einem Wald mit zwei aufgesetzten Schüssen von zwei Motorradfahrern hingerichtet. Nach den fünf Atom-Wissenschaftlern und dem Chef des Raketenprogramms ist dies nun also die siebte Hinrichtung Unschuldiger Leute im Iran. Das Misstrauen gegen die USA und Israel ist also mehr als berechtigt! Quelle: Iranian cyber warfare commander shot dead in suspected assassination - Telegraph (http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iran/10350285/Iranian-cyber-warfare-commander-shot-dead-in-suspected-assassination.html)
megamekerer 05.10.2013
3. Netanjahu hat recht.
Wie kann man verstehen dass so eine Geistliche das Verhalten einen gewählten Präsidenten bestimmen kann und die Geschicke eines Landes vor bestimmen? Ich glaube da hat der Netanjahu völlig recht, diese Islamisten kann man nicht trauen. Wenn ein Präsident in sein Land von jemand anderem außer das Volk und Parlament auch Befehle entgegen nehmen muss, dann hat er keine Legitimität mit andere Staaten zu verhandeln, auch sein Chef Chamenei ist nicht Verhandlungsfähig weil er von Interpol wegen Mord an Kurden in Berliner Mykonos-Attentat gesucht wird. Iran braucht eine Revolution damit das Land mit eine Stimme sprechen kann, eine Stimme weder mehr noch weniger.
Hermes75 05.10.2013
4.
Zitat von WololoooBevor jetzt wieder Anti-Iran-Kommentare kommen, möchte ich kurz auf eine weitere Exekution im Iran diese Woche hinweisen, bei der entweder der Mossad oder die CIA federführend waren. Der Chef des Cyber-Warfare-Programms der Iraner wurde in einem Wald mit zwei aufgesetzten Schüssen von zwei Motorradfahrern hingerichtet. Nach den fünf Atom-Wissenschaftlern und dem Chef des Raketenprogramms ist dies nun also die siebte Hinrichtung Unschuldiger Leute im Iran. Das Misstrauen gegen die USA und Israel ist also mehr als berechtigt! Quelle: Iranian cyber warfare commander shot dead in suspected assassination - Telegraph (http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iran/10350285/Iranian-cyber-warfare-commander-shot-dead-in-suspected-assassination.html)
Aha, weil im Iran ein Geheimdienstmitarbeiter hingerichtet wird, müssen also Israel und die USA schuld sein? Schon mal gehört, dass ein solcher Job in einem solchen Land ein gewisses Risiko mit sich bringt? Der Iran sollte besser auf seine Top-Leute aufpassen, wenn es um die innere Sicherheit so schlecht steht...
Alias_aka_InCognito 05.10.2013
5. Propaganda
Zitat von WololoooBevor jetzt wieder Anti-Iran-Kommentare kommen, möchte ich kurz auf eine weitere Exekution im Iran diese Woche hinweisen, bei der entweder der Mossad oder die CIA federführend waren. Der Chef des Cyber-Warfare-Programms der Iraner wurde in einem Wald mit zwei aufgesetzten Schüssen von zwei Motorradfahrern hingerichtet. Nach den fünf Atom-Wissenschaftlern und dem Chef des Raketenprogramms ist dies nun also die siebte Hinrichtung Unschuldiger Leute im Iran. Das Misstrauen gegen die USA und Israel ist also mehr als berechtigt! Quelle: Iranian cyber warfare commander shot dead in suspected assassination - Telegraph (http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iran/10350285/Iranian-cyber-warfare-commander-shot-dead-in-suspected-assassination.html)
Das muss ja nicht von außen geschehen sein. Der Iran kann auch selbst solche Leute, die nicht voll auf Linie des Führers sind, exekutieren. Oder der potentielle Nachfolger ist heiß auf seinen Posten und räumt ihm aus dem Weg. Die Leute an der Spitze haben an der Spitze einer Organisation keine so hohe Relevanz wie die Spezialisten und Techniker, die die Kapazitäten des Know-Hows bilden. Auch bei den Wissenschaftlermorden muss nicht alles auf das Konto der gegnerischen Geheimdiensten gehen. So ein Mord kann nämlich auch propagandistisch sehr gut verwertet werden und kann das Regime über Jahre hinweg in der antiwestlichen Propaganda hilfreich sein. Die selbstproduzierten Opfer werden dann intern Märtyrer für die gerechte Sache des Islams genannt und in einem geheimen Schrein verehrt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.