Iran Ajatollah zeigt Ahmadinedschad die kalte Schulter

Irans Revolutionsführer Chamenei erholt sich im Krankenhaus von einer Operation. Auch Ex-Präsident Ahmadinedschad schaute vorbei. Doch ein Video zeigt: Über den Besuch war der Ajatollah nicht sonderlich erfreut.

Unwillkommener Besuch: Mahmud Ahmadinedschad schaut beim frisch operierten Ajatollah Ali Chamenei vorbei
YouTube/ khameneinews

Unwillkommener Besuch: Mahmud Ahmadinedschad schaut beim frisch operierten Ajatollah Ali Chamenei vorbei


Teheran - Nicht jeder mag gern Besuch im Krankenhaus. Doch Ajatollah Ali Chamenei hat offenbar beschlossen, die ganze Welt zu sich ans Bett einzuladen. Unaufhörlich klicken in seinem Zimmer die Fotoapparate der Journalisten, und auch eine Kamera läuft mit. Das Video wird später auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht.

Der Ajatollah will allen zeigen, dass er nach seiner Prostata-Operation schon fast wieder auf den Beinen ist. So will er möglichen Gerüchten entgegensteuern, die Iran erschüttern könnten. Denn stirbt Chamenei, könnte ein erbitterter Richtungsstreit um seine Nachfolge ausbrechen. Der Ajatollah ist der wichtigste Mann im politischen System Irans. Wie es um seine Gesundheit wirklich steht, ist jedoch unbekannt.

Die mediale Inszenierung am Krankenbett zeigt die Besucher, die bei Chamenei ein- und ausgehen. Alle hohen Würdenträger Irans sind zum Ajatollah gekommen und wünschen ihm gute Genesung. Präsident Hassan Rohani erscheint nicht in dem Film - er war schon beim Ajatollah und ist nun auf Auslandsreise.

Von seinen Besuchern lässt er sich herzen und mit iranischer Höflichkeit überschütten: "Das wäre doch nicht nötig gewesen, dass Ihr extra..." - "Doch, doch gern, von ganzem Herzen". Dann betritt Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad das Krankenzimmer.

Auf seinen Besuch hat Ali Chamenei offenbar gar keine Lust. Vielleicht hat Ahmadinedschad auf eine Versöhnung am Krankenbett gehofft. Wer am Tropf hängt, kann seinen Besuchern schlecht davonlaufen. Ahmadinedschad ist beim Ajatollah in tiefste Ungnade gefallen mit seinem Populismus und seinen teils ketzerischen Ansichten, die den Religiösen aufstießen.

Doch Ali Chamenei schafft es auch so, Ahmadinedschad abblitzen zu lassen: Auf einmal ist es vorbei mit der Höflichkeit. Kaum ein Wort kommt dem Ajatollah noch über die Lippen. Ahmadinedschad lässt sich nicht entmutigen: Er versucht es mit einem Kuss auf die Wange - der Ajatollah rührt sich nicht. Er legt ihm die Hand auf den Brustkorb - der Ajatollah wendet sich ab.

An dieser Stelle wird das Video kurz unterbrochen. Die nächste Einstellung zeigt: Ahmadinedschad wurde in eine Ecke des Krankenzimmers verbannt. Der Ajatollah lässt es damit alle wissen: Diesen Besucher will er nicht noch einmal an seinem Bett sehen.

ras



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insgesamt 9 Beiträge
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rigó_jancsi 09.09.2014
1. Öffentliche Aufbahrung
Gut und schön, das wir Deutschen Anglizismen lieben und beim Fussball fälschlicherweise vom public viewing sprechen. Aber zur Beschreibung von Besuchen am Krankenbett ist es doch recht makaber, wenn ein Journalist, der es besser wissen müsste, zu dieser Wortwahl greift.
meier_7 09.09.2014
2.
Wieder einer dieser nichtssagenden Artikel, nur um dem Iran mal wieder eins auszuwischen. Abgesehen von der Situation, der Mann ist krank und hat sicherlich nicht immer beste Laune und ist sicherlich schwach von der Krankheit, so gibt selbst der Videoausschnitt nicht das her, was im Text steht. Von einer Ecke kann nun absolt nicht die Rede sein, obwohl Ahmadineschad nicht mehr im Amt ist, stehtt er auch nach der Begrüssung noch ganz vorn, was aber auch wieder nicht viel heissen muss. Letztendlich zeigt sich, wenn die Unterstellung überhaupt stimmen sollte nur, dass Ahmadinedschad gar nicht so fanatisch religiös sein kann wie ihm auch von SPON immer unterstellt wurde, denn selbst in diesem Artikel ist von Populismus und Abweichung die Rede und die hat sich bei Ahmadinedschad z.B. dadurch gezeigt, dass er Frauen in Fussballstadien lassen wollte, niucht gerade ein Indiz für religiösen Fundamentalismus, eher im Gegenteil.
Whitejack 09.09.2014
3.
Zitat von meier_7Wieder einer dieser nichtssagenden Artikel, nur um dem Iran mal wieder eins auszuwischen. Abgesehen von der Situation, der Mann ist krank und hat sicherlich nicht immer beste Laune und ist sicherlich schwach von der Krankheit, so gibt selbst der Videoausschnitt nicht das her, was im Text steht. Von einer Ecke kann nun absolt nicht die Rede sein, obwohl Ahmadineschad nicht mehr im Amt ist, stehtt er auch nach der Begrüssung noch ganz vorn, was aber auch wieder nicht viel heissen muss. Letztendlich zeigt sich, wenn die Unterstellung überhaupt stimmen sollte nur, dass Ahmadinedschad gar nicht so fanatisch religiös sein kann wie ihm auch von SPON immer unterstellt wurde, denn selbst in diesem Artikel ist von Populismus und Abweichung die Rede und die hat sich bei Ahmadinedschad z.B. dadurch gezeigt, dass er Frauen in Fussballstadien lassen wollte, niucht gerade ein Indiz für religiösen Fundamentalismus, eher im Gegenteil.
Der Konflikt Ahmadinedschad vs. Chamenei ist auch der klassische Konflikt zwischen Nationalisten und Religiösen: Während die einen die Nation über alles heben wollen, wollen die anderen die Religion über alles heben. Das kollidiert natürlich immer wieder miteinander. Sofern es keinen liberalen oder sozialistischen gemeinsamen Feind gibt, knirscht es regelmäßig zwischen diesen beiden Strömungen. Ahmadinedschad war niemals ein religiöser Hardliner. Er war und ist ein Nationalist. Deswegen waren seine Tiraden gegen den Westen und insbesondere Israel auch stets von nationalistischen Untertönen geprägt. Es ging nie um "Bekehrung". Es ging um politische Macht für den Staat Iran. Der Iran sollte laut Ahmadinedschad an der Spitze im Westen Asiens stehen, und weder Israel noch Saudi-Arabien noch die US-Soldaten im Irak sollten ihm da im Wege stehen. Frauenrechten z.B. stand er viel weniger ablehnend gegenüber als der größte Teil der iranischen Führungsschicht, andererseits rasselte er viel lieber mit dem Säbel und erging sich in nationalistisch aufgeladenen Hetztiraden. Insofern ist er viel eher mit Erdogan und viel weniger mit Khomeini vergleichbar, auch wenn er nie den Einfluss besaß, den man ihm hierzulande gerne angedichtet hat; da war ja teilweise - sachlich völlig falsch - vom "Diktator Ahmadinedschad" die Rede, was ihn dann wohl zum ersten Diktator macht, der nach Ende seiner Wahlperiode nicht mehr antreten durfte.
loretta20 09.09.2014
4. Die Welt kann so vergesslich sein...
Zitat von meier_7Wieder einer dieser nichtssagenden Artikel, nur um dem Iran mal wieder eins auszuwischen. Abgesehen von der Situation, der Mann ist krank und hat sicherlich nicht immer beste Laune und ist sicherlich schwach von der Krankheit, so gibt selbst der Videoausschnitt nicht das her, was im Text steht. Von einer Ecke kann nun absolt nicht die Rede sein, obwohl Ahmadineschad nicht mehr im Amt ist, stehtt er auch nach der Begrüssung noch ganz vorn, was aber auch wieder nicht viel heissen muss. Letztendlich zeigt sich, wenn die Unterstellung überhaupt stimmen sollte nur, dass Ahmadinedschad gar nicht so fanatisch religiös sein kann wie ihm auch von SPON immer unterstellt wurde, denn selbst in diesem Artikel ist von Populismus und Abweichung die Rede und die hat sich bei Ahmadinedschad z.B. dadurch gezeigt, dass er Frauen in Fussballstadien lassen wollte, niucht gerade ein Indiz für religiösen Fundamentalismus, eher im Gegenteil.
...auch Sie haben scheinbar vergessen, wie emsig der gute und edle Muslim Ahmadinedschad vor öffentlicher Kulisse seinerzeit mit der Vernichtung Israels gedroht hat? Und das gleich zweimal vor dem gleichen internationalen Forum. Über so einen Besuch wäre ich auch nicht erfreut; selbst unter Glaubensbrüdern mit radikalem Anstrich gibt es offenbar noch zivilisierte Leute. Und Populismus ist selbst im Iran jetzt wohl ein alter Hut... die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt!
meier_7 09.09.2014
5.
Zitat von loretta20...auch Sie haben scheinbar vergessen, wie emsig der gute und edle Muslim Ahmadinedschad vor öffentlicher Kulisse seinerzeit mit der Vernichtung Israels gedroht hat? Und das gleich zweimal vor dem gleichen internationalen Forum. Über so einen Besuch wäre ich auch nicht erfreut; selbst unter Glaubensbrüdern mit radikalem Anstrich gibt es offenbar noch zivilisierte Leute. Und Populismus ist selbst im Iran jetzt wohl ein alter Hut... die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt!
Schon wieder die Legende von der Zerstörung Israels breitgetreten, da sollte man sich vielleicht auch mal die Richtigstellung der iranischen Oppositionellen und Fachwissenschaftlerin Katajun Amirpur: http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333 zu Gemüte führen, um sich endlich mal von dieser Legende zu verabschieden.
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