Irans Oberster Führer Khameneis Twitter-Tirade gegen Israel

"Wir wollen die Juden nicht ins Meer werfen", stellt Irans Staatschef Khamenei klar. Aber sonst sind im Kampf für die Vernichtung Israels offenbar alle Mittel erlaubt. Das hat der Ajatollah in einer Hetztirade auf Twitter bekräftigt.

Ajatollah Khamenei (Archivbild): "Wir können nicht erwarten, dass die Zionisten sich diesem Vorschlag einfach unterwerfen"
REUTERS

Ajatollah Khamenei (Archivbild): "Wir können nicht erwarten, dass die Zionisten sich diesem Vorschlag einfach unterwerfen"


Teheran - Der Hass auf Israel gehört zur Staatsdoktrin der Islamischen Republik Iran. Als oberster Führer des Landes hat Ajatollah Ali Khamenei nie ein Hehl daraus gemacht, dass er den jüdischen Staat verachtet und vernichten will. Doch nun hat das Staatsoberhaupt mit einer Hetztirade auf Twitter eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Am Wochenende veröffentlichte der englischsprachige Account @khamenei_ir zahlreiche Tweets, in denen er Israel unter anderem als "barbarisches, wölfisches und Kinder mordendes Regime" brandmarkte. Zum Abschluss und Höhepunkt der Kampagne veröffentlichte der offizielle Account Khameneis einen Neun-Punkte-Plan für die Auslöschung Israels.

Der Plan sei ein "praktischer und logischer Mechanismus" für die Eliminierung des israelischen Regimes, lobte sich der Ajatollah ganz unbescheiden. Es müsse ein Referendum geben, bei dem alle Muslime, Christen und Juden abstimmen dürften, die einst in Palästina lebten. Khamenei bleibt hier ungenau, aber offenbar geht es ihm hier um die Menschen und ihre Nachfahren, die vor der israelischen Staatsgründung 1948 in Palästina ansässig waren.

Die jüdischen Einwanderer, die seither nach Israel kamen, dürften natürlich nicht abstimmen, so Khamenei. Nach dem Referendum müsse dann die neue Regierung entscheiden, was mit den Juden passieren solle, ob sie also in Palästina bleiben dürfen, oder in ihre "Heimatländer" zurückkehren müssen.

USA sind empört über Khamenei

Khamenei weiß: "Wir können nicht erwarten, dass die Zionisten sich diesem Vorschlag einfach unterwerfen." Also brauche es "entschlossenen bewaffneten Widerstand. Das ist die einzige Kur gegen diese Regime." Irans Staatsoberhaupt fordert, dass das Westjordanland mit denselben Waffen wie der Gaza-Streifen versorgt werden müsste - also mit Raketen, die auf israelische Städte abgeschossen werden. Iran rüstet die in Gaza regierende Hamas seit Jahren auf.

Khamenei stellt klar: "Wir empfehlen keinen klassischen Krieg seitens einer Armee muslimischer Staaten. Und wir empfehlen auch nicht, eingewanderte Juden ins Meer zu werfen."

Die USA, die derzeit mit Teheran über einen Kompromiss im Streit um das iranische Atomprogramm verhandeln, reagierten empört auf Khameneis Äußerungen: "Wir verurteilen die hasserfüllten Bemerkungen gegen Israel scharf, die über einen Twitter-Account verbreitet wurden, der mit dem Obersten Führer in Verbindung steht", sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki in Washington. "Diese Rhetorik ist leider nicht neu, aber sie ist auch nicht förderlich für die regionale Sicherheit."

Khameneis Hassausbruch fällt in eine Zeit, in der Israel einen neuen Aufstand der Palästinenser fürchtet. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Attentäter in Jerusalem mit ihren Autos Israelis vorsätzlich überfahren. Am Montag griffen Palästinenser in Tel Aviv und nahe einer israelischen Siedlung im Westjordanland mehrere Israelis an. Ein 20 Jahre alter Soldat und eine 25-jährige Frau wurden dabei getötet.

syd

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