Reaktion auf Hinrichtung von Geistlichem Demonstranten greifen saudi-arabische Botschaft in Teheran an

Die saudi-arabische Botschaft in Teheran ist von Demonstranten attackiert worden. Augenzeugen zufolge gingen Teile des Gebäudes in Flammen auf. Damit reagierten die Angreifer auf die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien.

Plakate mit Scheich Nimr al-Nimr im Jemen (Archiv): In Saudi-Arabien hingerichtet
REUTERS

Plakate mit Scheich Nimr al-Nimr im Jemen (Archiv): In Saudi-Arabien hingerichtet


Demonstranten haben in der Nacht zum Sonntag die saudi-arabische Botschaft in Teheran angegriffen und Teile des Gebäudes in Brand gesetzt. Bei den Angreifern handle es sich um "eine Gruppe von wütenden Iranern", wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.

Die Aktion ist ein Protest gegen eine Massenhinrichtung in Saudi-Arabien. Das sunnitisch geprägte Land hatte am Samstag 47 Inhaftierte exekutiert, unter ihnen ist der schiitische Geistliche Nimr al-Nimr.

Die Nachricht hatte in weiten Teilen der Region wütende Proteste ausgelöst. Besonders scharf fiel die Reaktion in Iran aus, das sich als Schutzmacht aller Schiiten begreift.

Inzwischen haben die Sicherheitskräfte nach Angaben eines Polizeisprechers die Lage wieder unter Kontrolle. Es seien keine Demonstranten mehr im Botschaftsgebäude. Die Feuerwehr war vor Ort, um den Brand zu löschen.

Al-Nimr galt als schiitischer Gegner Riads

Auf Twitter veröffentlichte ein iranischer Übersetzer Bilder von Brandsätzen, die offenbar gegen das Gebäude der Botschaft in Teheran geworfen wurden:

Der in Saudi-Arabien hingerichtete al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Der 56-Jährige hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben.

Bereits al-Nimrs Festnahme im Juli 2012 hatte Proteste der Schiiten ausgelöst, bei denen zwei seiner Anhänger getötet worden waren. Im Oktober 2014 wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober 2015 hatte der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens das Todesurteil bestätigt.

Waffenruhe der pro-iranischen und saudischen Truppen endet

Wegen der Konkurrenz der verschiedenen muslimischen Strömungen sind die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Iran bereits seit Längerem angespannt. Im Jemen führt Riad in einer Koalition sogar Krieg gegen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Nahezu zeitgleich mit der Nachricht über die Hinrichtungen endete auch der Waffenstillstand in dem Land. Das saudische Außenamt warf Iran zudem Terrorismus vor.

Die iranische Revolutionsgarde hatte zuvor mit Rache für die Hinrichtungen gedroht - und die saudi-arabische Regierung laut Nachrichtenagentur Mehr pro-terroristisch und antiislamisch genannt. Saudi-Arabien werde "einen hohen Preis" für die Exekution al-Nimrs zahlen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren Saudi-Arabien seit Jahren wegen der hohen Zahl von Hinrichtungen. Amnesty International wirft dem Regime vor, es setze das Todesurteil als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein.

Auch Verbündete aus Amerika und Europa haben Riad nach den jüngsten Hinrichtungen vor einer Verschärfung der Spannungen in der Region gewarnt - und zur Einhaltung der Menschenrechte aufgerufen. Bislang scheuen aber unter anderem die USA vor Sanktionen gegen das an Öl reiche Saudi-Arabien zurück.

apr/dpa/AFP/Reuters



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