Iran Anti-Kopftuch-Demonstrantin kommt offenbar aus Haft frei

Eine junge Frau, die ihr Kopftuch an einen Stock band, wurde zum Symbol der Anti-Regierungsproteste in Iran - und landete im Gefängnis. Jetzt ist die Aktivistin offenbar aus der Haft entlassen worden.


Eine Iranerin, die Ende Dezember im Zentrum Teherans als Protest gegen den Kopftuchzwang ihren Schleier abnahm, als weiße Flagge an einen Stock band und daraufhin verhaftet wurde, ist angeblich wieder frei.

Das teilte am Montag der Ehemann der Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh, Resa Chandan, auf Twitter mit. Iranische Medien hatten bis jetzt weder über ihre Festnahme noch über eine Freilassung berichtet.

Über die Frau war zunächst in sozialen Medien berichtet worden. Die Facebook-Seite MyStealthFreedom veröffentlichte am 28. Dezember ihr Bild, das bald zum Symbol der jüngsten landesweiten Proteste gegen das iranische Regime wurde - auch wenn ihr Protest und die Demonstrationen nicht direkt zusammenhingen.

Am 27. Dezember hatte die Aktivistin minutenlang ohne Kopftuch auf einem Verteilerkasten in Teheran gestanden, um gegen den Kopftuchzwang in Iran zu protestieren. Dann soll sie festgenommen und inhaftiert worden sein, weil sie gegen das Gesetz verstoßen hatte.

In Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verbergen. Den Anti-Kopftuchprotest gibt es unter dem Motto "White Wednesday" schon länger, dabei posieren Frauen demonstrativ ohne die vorgeschriebene Verschleierung.

Der Demonstrantin dürfte auch zum Verhängnis geworden sein, dass in den Tagen nach ihrer Aktion landesweite Proteste in Iran ausbrachen. Dabei ging es um wirtschaftliche Probleme und Jugendarbeitslosigkeit, aber auch um Kritik an der fundamentalreligiösen Politik des Landes.

Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Sotudeh hatte vergangene Woche erklärt, die bis dahin unbekannte Demonstrantin identifiziert zu haben. Demnach soll es sich um die 31-jährige Vida Movahed handeln, die Mutter eines 20 Monate alten Kindes ist. Sotudeh war 2012 mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet worden und hatte erklärt, den Fall der jungen Frau unbedingt übernehmen zu wollen.

ORF-Dokumentation "Können Haare Sünde sein?"

cht/dpa



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